Konzert

Opium fürs Berghain von Jay-Jay Johanson

Jay-Jay Johanson meldet sich am Telefon mit einer Stimme, die so tief und melancholisch ist, dass sie gar nicht zu dem schmächtigen, blonden Schweden vom Albumcover passen will.

„An die überraschten Gesichter habe ich mich gewöhnt“, sagt er, als er die Irritation bemerkt. Gerade ist der 45-Jährige mit seiner Band im Proberaum, am Mittwochabend wird er sein neues Album „Opium“ in der „Kantine am Berghain“ präsentieren. „Um ehrlich zu sein: Statt zu proben, koche ich gerade Spaghetti Bolognese für alle“, sagt Jay-Jay Johanson. Seine Frau sei Halbitalienerin, die sei zwar besser mit Pasta, aber ihm mache es so viel Spaß.

Johanson wurde 1994 mit seinem Debütalbum „Whiskey“ mit einer Mischung aus TripHop und Schwermut berühmt. Inzwischen erscheint sein zehntes Album. „Ich will, dass meine Musik süchtig macht“, sagt er. Sie solle so einprägsam sein, dass man sie nie wieder vergesse. Deshalb wähle er Albumtitel wie „Whiskey“, „Tattoo“, „Poison“ oder eben „Opium“. Ansonsten sei seine Musik inzwischen positiver geworden. „Ich war früher viel depressiver“, sagt er. Seit er seine Frau vor zehn Jahren getroffen habe, sei es besser geworden.

Dennoch sind Johansons Texte immer noch sehr persönlich. In „I love you so“ singt er über eine Operation seines damals sechsjährigen Sohnes. „Es war nur ein kleiner Eingriff, doch in der halben Stunde, wo ich wartete, dass er aus der Narkose aufwacht, war ich ein panischer Vater voller Angst und habe den Text geschrieben.“

Lange war nicht klar, ob er mit seinen Songs jemals auf die Bühne gehen würde. „Ich war nicht extrovertiert genug“, sagt er. Dann habe er ein Konzert von Chet Baker erlebt. „Das Erste, was Chet tat, war den Stuhl auf der Bühne vom Rampenlicht in die Dunkelheit zu schieben“, sagt er. Das war für den schüchternen Knaben ein Wendepunkt. „Inzwischen ist das Auftreten meine Sucht geworden.“ Nicht nur deshalb fiebere er dem Konzert im „Berghain“ entgegen. „Es ist komisch, aber ich war in den letzten 20 Jahren erst drei Mal in Berlin“, sagt er. „Vielleicht ist das der Beginn einer intensiveren Beziehung.“