Mode

Von vegan öde

Noch drei Wochen bis zur Fashion Week: Berlins Designer kreieren nachhaltige Designermode

Julia Leifert ist nervös. Heute gibt sie das erste Interview in ihrem Leben. Sie hat sich extra Notizen auf einem Block gemacht, den sie fest umklammert hält. Doch dann spricht Julia Leifert über „Philomena Zanetti“ – und vergisst ihren Spickzettel. „Ich lebe vegan und wollte mich auch gerne vegan kleiden“, sagt Julia Leifert. Sie habe jedoch nichts gefunden, dass ihrem Geschmack entsprochen habe. „Gerade im Fashion-Bereich ist es schwer tolle, nachhaltige Alternativen zu finden“, sagt sie.

Deshalb hat die 32-jährige Julia Leifert ihr eigenes Label namens „Philomena Zanetti“ gegründet. Autodidaktisch brachte sich die studierte Juristin nähen bei und schneiderte ihre ersten Entwürfe selbst. Nebenbei suchte sie nach Stoffen, die biologische Gütesiegel wie „kbA“ und „GOTS“ aufweisen und in Europa hergestellt werden. Sie fand GOTS-zertifizierte Produktionsstätten in Berlin und Umgebung, um Verpackung und Transport zu vermeiden, aber auch, um faire Arbeitsbedingungen zu garantieren.

Julia Leifert verwendet kein Leder, sondern sucht bei tierischen Produkten wie Hornknöpfen stets nach Alternativen. „In der aktuellen Winterkollektion habe ich Recyclingknöpfe, die aus alten Materialien und Zellulose hergestellt sind“, sagt sie. Von den Schwierigkeiten und hohen Anforderungen, ethische Standards zu erfüllen, lässt sich Julia Leifert nicht beeindrucken. „Es ist ein umgekehrter Prozess“, erklärt sie. Die Stoffe geben das Design vor, nicht anders herum. Und dennoch muss der modische Anspruch stimmen. „Das ist ein Problem von Nachhaltigkeit, man denkt sofort an ökologisch und nicht an modisch“, sagt Julia Leifert. Sie will „High Fashion“ entwerfen. Ein erster Erfolg: Zur kommenden Fashion Week im Juli wird sie ihre Mode bei der „Premium“ von Anita Tillmann zeigen.

Damit steht die Newcomerin nicht alleine da. Die Modemacherinnen Isabell de Hillerin und Ewa Herzog zeigen ihre Designerstücke mit Nachhaltigkeitsgedanken sogar im Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Isabell de Hillerin steht für klassische Schnitte, feminine Stoffe und traditionelles Handwerk.

Die Berliner Designerin lässt die Stickereien von Frauen in kleinen Dörfern in Moldawien anfertigen, die handgewebten Stoffe stammen aus kleinen Handwerksbetrieben in Rumänien. „Ich denke, mittlerweile ist klar geworden, dass man hinterfragen sollte, was man trägt, wie die Stoffe hergestellt werden und in welchen Arbeitsbedingungen die Kleidung gefertigt wird“, sagt sie. Ihr sei es wichtig, in dem kleinen Wirkungsgrad, den sie habe, etwas in Bewegung zu setzen.

Deshalb stärkt sie das klassische Textilhandwerk vor Ort – jedoch ohne dass ihre Mode den Hauch von Folklore anhaftet. „Ich denke High Fashion und Nachhaltigkeit schließen sich nicht aus, sondern lassen sich sehr gut kombinieren, ohne das Klischee des Öko-Looks widerzuspiegeln.“

Das Credo von Ewa Herzog lautet: „Nachhaltigkeit fängt beim Menschen an“. Die Berliner Designerin mit ukrainischen Wurzeln verwendet in ihrer Produktionsstätte in Wilmersdorf nur Stoffe aus kontrollierter Herkunft, vorwiegend aus England, Italien und Frankreich.

Einen Schritt weiter gehen Umasan. Die beiden Schwestern Anja und Sandra Umann gründeten ihr Label 2010 mit dem Anspruch „öko, vegan und High Fashion“ zu sein. Bei ihren Entwürfen geht es jedoch nicht nur darum, auf Knöpfe aus Horn zu verzichten oder Bio-Baumwolle zu verwenden, sie verwenden innovative Fasern aus Buchenholz und Bambus, angereichert mit Algen. Diese Stoffe sind gut für Neurodermitiker, da sie wundheilend sind. Für das Design ist Anja zuständig, deren Lehrjahre bei Yohji Yamamoto sich in der japanischen Schnittführung widerspiegeln. In weltweit über 30 Stores verkaufen sie inzwischen ihre Kollektionen, die ihren Preis haben. Der Pullover, den Julia Leifert von Philomena Zanetti beim Foto-Shooting trägt, kostet 250 Euro. „Dafür ist er sehr langlebig und mit gutem Gewissen hergestellt“, sagt Julia Leifert.