Zwischenmenschlich

Jagen, sammeln, tauschen

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

Ich bin ja ein großer Fan der Ebay-Kleinanzeigen. Nicht, um dort zu verkaufen oder nach Schnäppchen zu suchen, da gehe ich, altmodisch wie ich bin, immer noch lieber auf den Flohmarkt. Aber es macht mir Spaß, dort Dinge zu verschenken. Natürlich sind das Sachen, die ich nicht mehr haben möchte und die für mich deshalb keinen Wert mehr haben, aber man vergisst manchmal, wie gut andere so etwas gerade gebrauchen können und sich darüber freuen.

Wie zum Beispiel über mein altes Fahrrad. Das fuhr nicht mehr, weil sich die Bremse mit irgendwas verkeilt hatte, und weil ich handwerklich ungefähr so begabt bin, wie es sich für das Klischee gehört, lagerte es fortan im Keller. Da es ansonsten aber gut in Schuss gewesen ist, habe ich es zum Verschenken reingesetzt – und ehe ich „drei, zwei, eins...“ sagen konnte, hatte ich schon die ersten 50 Nachrichten. Ein Paar aus Moabit hat es dann abgeholt, der Mann (natürlich) wollte es für seine Frau reparieren. Und dann passierte das, was ich an den Berlinern so wunderbar finde: Sie boten mir zum Tausch ihre Hilfe an. Sollte ich also mal einen Platten haben oder in meiner Wohnung etwas anbohren müssen, könne ich mich bei den beiden melden. Und das für ein kaputtes Fahrrad.

Das ist mir seitdem immer wieder aufgefallen: Der Berliner nimmt ungern einfach. Also natürlich gibt es die, die auf mein „sieben Jahre alter Fernseher zu verschenken“ nur mit „Welche Adresse?“ antworten. Aber viele bieten direkt eine Gegenleistung an: ausgelesene Bücher, einen Wandspiegel, eine Kiste Bier. Zudem bin ich jetzt stolzer Besitzer eines Ikea-Aufbauhilfe-Gutscheins von einem Studenten aus Wedding, der zwei Billy-Regale übernommen hat.

Obwohl das mit Gutscheinen ja auch so eine Sache ist. Man löst sie ja so gut wie nie ein. Bei mir warten noch ein Kino- und zwei Spa-Besuche. Darf man geschenkte Gutscheine eigentlich weiter verschenken? Oder sollte ich sie lieber gegen eine Kiste Bier tauschen und diese mit dem damaligen Verschenker des Gutscheins und dem Tauschenden trinken? Vielleicht setze ich das gleich mal rein. Zu sehen, was den Berlinern dazu einfällt, ist eh das größte Geschenk.