Konzert

Musik aus Mittelerde

Die Berliner Sängerin und Schauspielerin Senta-Sofia Delliponti singt als Oonagh auf Elbisch. Heute spielt sie im Admiralspalast

„Tinúviël“, „Ainulindalë“ und „Meldir vilui Nïn“: Um die Songtitel auf dem neuen Album von Sängerin Oonagh zu entschlüsseln, braucht es auf den ersten Blick zunächst einen Sprachwissenschaftler. 2014 veröffentlichte die 25-Jährige ihr Debüt „Oonagh“, auf dem sie neben Deutsch auch auf Elbisch singt – einer Fantasiesprache aus dem Film-Epos „Herr der Ringe“. Im März dieses Jahres folgte die zweite Platte „Aeria“, auf der sich Senta-Sofia Delliponti, wie Oonagh mit bürgerlichem Namen heißt, zusätzlich an Texte in Quechua, eine Sprache indigener Bevölkerungsgruppen aus Peru und Bolivien, wagt.

Dass sich ihre Musik trotzdem auch außerhalb von Linguistenkreisen großer Beliebtheit erfreut, kann die Berlinerin manchmal selbst noch nicht richtig glauben. „Es ist für mich immer noch surreal, dass es so eingeschlagen ist“, sagt sie. Mit beiden Alben erreichte sie in Deutschland die Top 3 der Charts, im März dieses Jahres wurde sie bei der Echo-Verleihung als „Künstlerin national Rock/Pop“ und als „Newcomer des Jahres“ ausgezeichnet. „Ich sehe in meinem Freundeskreis, dass viele Leute gerade neue Dinge ausprobieren, zum Beispiel, was die Ernährung angeht. Die Suche nach sich selber, zurück zur Natur, das sind Themen, die mich immer wieder beschäftigen“, so Delliponti. „Vielleicht hat meine Musik deshalb den Nerv der Zeit getroffen.“ Auch spiele sicher der Erfolg von Fantasy-Serien wie „Game of Thrones“ eine Rolle. Neben den elbischen Songtexten sind mystische Elemente bei Kostümen und in den Musikvideos sowie die Mischung zwischen Pop, Folk und mittelalterlichen Klängen das Markenzeichen von Oonagh.

Neben ihrer Begeisterung für „Die Tribute von Panem“, „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ hat sich Senta-Sofia Delliponti bei ihrer Musik auch von ihrer isländischen Kollegin Björk inspirieren lassen. „Sie benutzt Sprache einfach aus Emotionen heraus, ohne dass es Sinn macht. Eine Fantasiesprache. So etwas wollte ich auch erschaffen. Sodass man die Musik vor allem emotional wahrnimmt.“ Also setzte sich die gebürtige Wolfsburgerin, die im Alter von 16 Jahren alleine nach Berlin zog, um sich an der Schauspielschule Charlottenburg in Gesang und Schauspiel ausbilden zu lassen, mit einem Produzententeam zusammen und suchte nach Konzepten, um Fantasy und Musik zu verbinden. Heraus kam Oonagh, der Sage nach die keltische Feenkönigin der Leichtigkeit und Kreativität. „Es ist schwer zu erklären, wir haben einfach angefangen. Meine Musik ist natürlich ein bisschen speziell, ein Nischenprodukt.“

Selbst beherrscht Senta-Sofia Delliponti nur ein paar Sätze der elbischen Sprache, die „Herr der Ringe“-Autor J.R.R. Tolkien vor etwa 100 Jahren für die von ihm erschaffenen Figuren in Mittelerde erfand. Ihre Texte schreibt sie deshalb auf Deutsch und lässt sie im Anschluss von einem Experten übersetzen, der ihr auch mit der Aussprache hilft. „Bei Tolkien gab es etwa 3000 Wörter, sein Sohn führt das immer noch weiter. Es gibt Quenya und Sindarin. Ich singe beides“, erklärt die Musikerin. „Bei Sindarin fällt mir das rollende R oft schwer, obwohl meine Mutter Bulgarin ist. Quenya ist fließender. Das klingt sehr schön.“ Zum einfacheren Lernen der Texte schreibe sie sich zusätzlich noch eine Lautschrift auf.

Dass sie einmal Künstlerin werden würde, stand für Senta-Sofia Delliponti schon früh fest. „Ich war mit neun Jahren bei meinem ersten Talentwettbewerb. Meine Mutter ist Musiklehrerin. Musik war bei uns also immer ein Thema. Ich habe fünf Jahre Geige gespielt und Klavier. Ich wusste immer, das soll meine Weg werden“, sagt sie. Auch ihre Eltern hätten sie sehr dabei unterstützt: „Dafür bin ich sehr dankbar, weil ich mit 16 von zu Hause ausgezogen bin, um in Berlin auf die Schauspielschule zu gehen. Hätte ich meine Eltern nicht an meiner Seite gehabt, hätte sich das alles nach hinten verschoben.“

Titelmelodie für „Big Brother“

Mit 13 Jahren belegte sie in der Sat.1-Castingshow „Star Search“ den zweiten Platz in der Kategorie „Music Act von 10 bis 15 Jahren“, ihre Single „Ich sehe was, was du nicht siehst“ wurde 2007 der Titelsong der siebten Staffel der Reality-Show „Big Brother“. 2010 war Delliponti Ensemble-Mitglied des Musicals „Tanz der Vampire“ in Oberhausen und Stuttgart. Im Anschluss wurde sie von Grundy UFA für die Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ für die Rolle der Tanja Seefeld gecastet, die sie bis Juni 2013 spielte. „Ich war zwei Jahre bei GZSZ, danach wollte ich einfach wieder andere Rollen spielen. Für mich war es dann keine Herausforderung mehr. Aber es hat mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe viel gelernt“, sagt sie heute. Geschadet habe ihr die Serie nie. Auch, weil viele Fans von heute sie überhaupt nicht als ehemalige Soap-Darstellerin erkennen würden.

Derzeit liegt der Fokus von Senta-Sofia Delliponti auf der Musik – vor allem auf ihrer ersten Tour, die in der vergangenen Woche im Schleswig-Holsteinischen Pahlen begonnen hat. Am heutigen Montagabend ist sie im Admiralspalast zu Gast. „Ich möchte bei meinen Konzerten eine intime Atmosphäre schaffen, bei der die Fans mich als Künstlerin kennenlernen. Wir arbeiten viel mit Licht, der Rest muss sich erst entwickeln. Es wird ein Spektakel, hoffe ich“, so die Berlinerin. Damit bei ihrem Tourdebüt alles glatt geht, hat Delliponti in den vergangenen Wochen mit ihrer Band täglich acht Stunden lang in den Proberäumen von Black Box Music in Wilhelmsruh am Showkonzept gefeilt. Vor allem die elbischen Texte seien für ihre Backgroundsängerinnen eine Herausforderung gewesen.

Ein wenig Touralltag konnte sich Oonagh bereits als Vorgruppe für die Musiker von Santiano im vergangenen Jahr abschauen. Einen großen Unterschied gebe es jedoch in der Unterbringung. „Ich war noch nie im Tourbus unterwegs, das wird bestimmt wie eine Klassenfahrt. Ich freu mich drauf“, sagt sie und lacht.