Interview

Von Doktor Specht zu Professor Brenner

| Lesedauer: 4 Minuten

In seinem neuen Film spielt Robert Atzorn einen Arzt, der sich für die Rechte von Patienten einsetzt

In einem ernsten Film ist der Schauspieler Robert Atzorn am 23. April (20.15 Uhr, ZDF) zu sehen. Der 70-Jährige spielt den Arzt Julius Brenner in „Engel der Gerechtigkeit – Geld oder Leben“. Die ehemalige Ärztin und jetzige Anwältin Patricia Engel (Katja Weitzenböck) setzt sich für Patientenrechte ein. Ein Mann (Peter Weck) weigert sich, seiner klinisch toten Frau das Sterben zu erleichtern. Parallel wird eine ukrainische Familie Opfer von skrupellosen Patientenvermittlern. Robert Atzorn ist mit der Schauspielerin Angelika Hartung verheiratet, hat zwei Söhne und lebt im Chiemgau. Ein Gespräch über wichtige Filme, Skandale im Krankenhaus und seine Leidenschaft für Berlin.

Berliner Morgenpost:

Wie wichtig sind Filme, die Themen wie Sterbehilfe ansprechen?

Robert Atzorn:

Sehr wichtig. Gerade weil es ein Thema ist, das in der Gesellschaft aktuell stark diskutiert wird. Bis jetzt ist Sterbehilfe in Deutschland verboten, in Holland und der Schweiz ist sie möglich. Ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis auch bei uns ein Umdenken stattfindet. Wobei ich glaube, dass es hierzulande bei vielen Ärzten bereits großes Verständnis und viel Unterstützung für Angehörige gibt, die schwerstkranke Patienten in der Familie haben.

Hatten Sie schon Kontakt mit so einem Fall in Ihrem Umfeld?

Ja. Als meine zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre demente Mutter mit 96 Jahren eine Lungenentzündung bekam und der Tod für sie eine Erlösung bedeutete, haben die Ärzte mich auch gefragt, ob sie bestimmte Untersuchungen noch machen sollen oder ob sie die Maschinen abstellen sollen. Ich glaube, dass viele Ärzte schon sehr verantwortungsvoll handeln. Manchmal liegt das Problem eher bei den Angehörigen: In unserem Film spielt Peter Weck einen Mann, der seine Frau nicht gehen lassen will, weil er die Einsamkeit fürchtet.

Sprechen Sie in Ihrer Familie über das Thema?

Wir haben einiges besprochen, natürlich. Als ich 60 war, hatte ich auf einmal das Gefühl, dass das ein wichtiges Thema ist. Meine Frau und ich haben eine Patientenverfügung. Sicher auch, um meine Söhne im Ernstfall nicht noch mit einer schweren Entscheidung zu belasten. Da ist ganz klar formuliert, dass nichts unnötig in die Länge gezogen wird. Was das Thema Sterbehilfe betrifft: Wenn mein Leben durch Krankheit unerträglich werden würde, dann würde ich natürlich auch bitten, dass man mich in die Schweiz bringt.

Die zweite Geschichte im Film dreht sich um die Ausnutzung von Patienten.

Eine ausländische Familie wird mit einer überflüssigen Behandlung zur Kasse gebeten. Dass Kliniken auch im echten Leben aus Geldmangel irgendwelche sinnlosen Operationen durchführen, um daran zu verdienen, halte ich durchaus für möglich. Und dass ahnungslose Ausländer besonders zur Kasse gebeten werden auch. Das ist eine furchtbare Vorstellung. Als medizinischer Laie ist man ja völlig ausgeliefert.

Welche Verbindung haben Sie zu Berlin?

Ich habe wahnsinnig viel in Berlin gedreht, kenne es sehr gut. Ich wohne, wenn ich dort bin, am liebsten in einem Hotel an der Joachimsthaler Straße. Ich genieße die Zeit dort sehr. Obwohl es auch immer sehr viel ist, was in Berlin auf einen einströmt. Man hat so viel Auswahl. Aber einer meiner Söhne wohnt in Friedrichshain, und ich liebe es natürlich, meinen Enkel zu sehen. Wenn ich in Berlin ein Auto habe, fahre ich da auch gerne selbst hin.

Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Ich bin sehr gerne am Savignyplatz, sitze dort in den Cafés, lerne meine Rollen und gehe durch die Kantstraße spazieren. Eine tolle Gegend.