Fernsehen

„Ich hatte Angst vor der Dunkelheit“

| Lesedauer: 4 Minuten
Katharina Flick

Kostja Ullmann vertont in Berlin die Kinderserie „Hinter der Gartenmauer“. Ein Besuch im Synchronstudio

Kostja Ullmann kennt man eher vor der Kamera. Der Schauspieler war gerade mit der Komödie „Drei Türken und ein Baby“ in den Kinos zu sehen. Für die Kinderserie „Hinter der Gartenmauer“ (ab 30. März, 18.40 Uhr bei Cartoon Network) begibt er sich nun auf ungewohntes Terrain und synchronisiert die Hauptfigur Wirt. Damit tritt er in die Fußstapfen von US-Schauspieler Elijah Wood, der die Rolle im Original spricht. Wir haben Kostja Ullmann im Studio besucht und ihm bei den Aufnahmen über die Schulter geschaut. Zwischen zwei Szenen erzählt er entspannt von den Herausforderungen als Synchronsprecher und verrät, warum er die Rolle erst gar nicht annehmen wollte.

Berliner Morgenpost:

Sie sprechen in der Serie den Jungen Wirt, der sich mit seinem kleinen Bruder Greg in einem dunklen Wald verirrt. Was hat Sie an der Rolle gereizt?

Kostja Ullmann:

Die Serie ist in einem richtig tollen Look gehalten, und die beiden Brüder sind einfach unheimlich witzig. Das Gesamtkonzept hat mir richtig gut gefallen und darum habe ich dann auch zugesagt. Der einzige Punkt, der mich zunächst zögern ließ, war die Tatsache, dass Wirt in der Serie auch singen muss und ich nicht unbedingt der begnadetste Sänger bin.

Wir dürfen uns in der Serie also auf ein paar Gesangseinlagen von Ihnen freuen?

Ja, tatsächlich. Das Schöne daran ist aber, dass Wirt auch nicht so besonders gut singen kann. Heute hatten wir zum Beispiel eine Szene, in der er gezwungen wird zu singen, und das passte ganz gut. Denn genauso fühlte ich mich auch in dem Moment. Aber am Ende hat es dann wahnsinnig viel Spaß gemacht und sich sehr lustig angehört – es sollte in dem Fall ja ein wenig krumm und schief klingen.

Ihre Figur ist gemeinhin ein eher ängstlicher Charakter, wie viel Wirt steckt denn in dem erwachsenen Schauspieler Kostja Ullmann?

Wirt und ich sind uns in dem Punkt tatsächlich ähnlich. Ich bin nämlich auch nicht derjenige, der sich blindlings in ein Abenteuer hineinstürzt, sondern am Anfang eher ein wenig Angst hat. Aber am Ende stellen wir uns dann ja beide doch noch unseren jeweiligen Ängsten und Abenteuern, und erleben sie dann auch.

Die Serie ist für Kinder gemacht. Gab es in Ihrer Kindheit etwas, vor dem Sie sich gefürchtet haben?

Vor Dunkelheit! Das war ganz schlimm. Sobald meine Eltern das Licht ausgemacht haben, habe ich mich gefürchtet. Und der Wald, durch den die beiden in der Serie laufen, durch den würde ich wahrscheinlich noch heute nicht gerne gehen. (Er lacht.)

Was sind denn die besonderen Herausforderungen, wenn man eine Figur nur durch die Stimme verkörpert?

Das ist für mich natürlich der große Unterschied zur Schauspielerei, wo ich meinen ganzen Körper zur Verfügung habe, meine Gestik und Mimik. Da braucht man oft gar nichts sagen, sondern kann sich so ausdrücken. Hier habe ich jetzt nur meine Stimme, und das ist auf jeden Fall eine große Herausforderung. Ich ziehe daher vor allen den Hut, die das hauptberuflich machen. Man muss alles, was man ausdrücken möchte, nur in seine Stimme packen und das auch noch den Lippenbewegungen der Figur anpassen.

Für den Film trainiert man den Körper, lernt reiten oder lässt sich die Haare zu einer neuen Frisur schneiden. Wie bereiten Sie sich auf eine Synchronrolle vor?

Ich habe mir vorab einige Clips der Originalfassung angeschaut, um schon einmal ein Gefühl für die Serie zu bekommen. Das unterscheidet sich dann eigentlich gar nicht so stark von der Schauspielerei. Man muss sich mit der Rolle befassen und versuchen zu verstehen, was die Figur fühlt, nachvollziehen, was sie erlebt.