Stilfrage

Fremde Federn

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

FKA Twigs (Foto), britische Sängerin und Freundin von „Vampir“-Darsteller Robert Pattinson, hat den Vogel auf dem roten Teppich abgeschossen. Zur Eröffnung einer Ausstellung in London kam sie in Federn. Von oben bis unten. Rote, gelbe, blaue, grüne Federn. Sie sah aus, als ob sie einer Ara-Papageienfamilie ihr Fell geraubt hätte. Und es wirkte großartig. Dagegen konnte selbst Kate Moss in einem nahezu durchsichtigen schwarzen Spitzenbody nicht ankommen.

Twigs trug dieses Kleid natürlich nicht zu irgendeiner Ausstellung. Es handelte sich um das Modell „Birds of Paradise“, das 2008 entstand. In London wird gerade dessen Designer-Ausnahmetalent Alexander McQueen posthum geehrt. „Savage Beauty“ (Wilde Schönheit) im „Victoria and Albert Museum“ ist eine Wiederauflage einer Schau in New York, die schon 2011 für Besucherrekorde im „Metropolitan Museum of Art“ sorgte. Kleider und Schuhe, die nun in London gezeigt werden, sind anders als alles, was man bisher auf Mode-Retrospektiven gesehen hat. McQueen zeichnete sich nicht nur durch ein unglaubliches handwerkliches Können aus, sondern vermittelte mit seinen Entwürfen den schmalen Grat zwischen Schönheit und Schaudern. Seine Kleider, Schuhe und Hüte können auch als reale Version von schrecklich-schönen Albträumen angesehen werden, die den Designer sein viel zu kurzes Leben lang begleiteten und quälten. „Ich möchte, dass man vor den Frauen, die ich ankleide, Angst hat“, sagte McQueen. McQueen wollte die Frauen schützen. Federn waren trotz des martialischen ersten Eindrucks auch immer einer seiner Bestandteile. Und haben nicht zuletzt auch FKA Twigs schön und stark gemacht.