Interview

„Der Zusammenbruch liegt in der Luft“

In der Komödie am Kudamm spielen Markus Majowski und Ilja Richter in „Der Kredit“. Ein Gespräch über Geld und Berlin

Morgen feiert „Der Kredit“ von Jordi Galceran in der Komödie am Kurfürstendamm Premiere. Darin spielt Markus Majowski den Filialleiter einer Bank und Ilja Richter einen Kreditnehmer, der das wohlgeordnete Leben des Leiters durcheinanderbringt. Ein Gespräch vor der Premiere.

Berliner Morgenpost:

Sie haben heute sehr lange geprobt. Jetzt sind Sie müde, aber zufrieden?

Markus Majowski:

Ja. Aber man darf sich nicht ausruhen. Bei so einem Stück schon gar nicht.

Ilja Richter:

Zufrieden geht man nie nach Hause, nach dem Motto „satt“. Dann wäre es ja keine Probe. Aber wir gehen gut gelaunt heim. Nun wohnt Markus ja nicht weit weg vom Kurfürstendamm, ich habe es ein bisschen weiter. Ich habe mein Büro im Westen – ich rede allein schon aus Trotz immer noch von Westen und Osten – weil man ja alles so hin bügelt, damit alles gleich aussieht. Ich wohne in Prenzlauer Berg – apropos glattbügeln. Ich begrüße die Wiedervereinigung. Aber diese Provinzialisierung ... Gerade in Prenzlauer Berg, wo sich die Grünen so benehmen wie ich das eher von den Konservativen erwartet hätte: In der Pappelallee werden die Bäume gefällt unter dem Motto: „Das sind ja alles gar nicht Pappeln und die sind ja nur 30 Jahre alt und wir müssen jetzt für die Fahrradfahrer und die Parkplätze sorgen.“

Majowski:

Schlimm.

Sie entspannen sich nach langen Proben aber im Westen, Herr Richter?

Richter:

Ich habe mir angewöhnt, regelmäßig im „Kempinski“ schwimmen zu gehen. Ich habe das Hotel ein paar Jahre gemieden, hatte eine Zeit lang darin mit meinen Eltern gewohnt, aus privaten Gründen. Leider hat mein Vater dort 1979 einen Schlaganfall erlitten, an dem er dann gestorben ist. Und wie das so ist mit solchen Dingen, man vermeidet sie. Auch wenn die Leute noch so nett sind. Aber mittlerweile ist es für mich auch ein Berlin-Moment, noch mal einen Mitarbeiter zu treffen, der mich noch von damals kennt.

Majowski:

Miroslav Harasic. Der ist pensioniert, kommt aber sonntags.

Richter:

Genau der. Und noch so ein, zwei Leute. Und hier, die Komödie am Kurfürstendamm, das ist wie ein Zuhause für mich. Ich stand hier zum ersten Mal mit zwölf auf der Bühne.

In Ihrem aktuellen Stück geht es um einen Kredit, der nicht genehmigt wird. Würden Sie einen aufnehmen?

Majowski:

Ja, wenn ich etwas Schönes produzieren möchte. Ich habe eine kleine Firma, da scheue ich mich nicht, zu einer Bank zu gehen.

Richter:

Ich verbinde die Geschichte sehr stark mit einem Gang zur Bank meiner Eltern damals in meiner Kindheit. Ich habe auch gesehen, wie verzweifelt meine Eltern waren, als es um die Rückzahlung ging. Heutzutage habe ich ein sehr entspanntes Verhältnis zu meiner Bank. Jetzt sind es keine Canossa-Gänge mehr und ich werde auch nicht zur Bank zitiert wie meine Eltern, sondern ich gehe hin und lasse mich beraten. Damit bin ich sehr zufrieden.

Majowski:

Ich bin auch zufrieden mit meiner Bank. Aber im globalen Kontext gesehen, dass die Fehler der Banken so auf den Steuerzahler abgewälzt werden, da ballt sich die Faust bei mir schon in der Tasche zusammen. Da muss man auch mal sagen: Bis hierhin und nicht weiter.

Richter:

Stichwort Griechenland. Wenn die reichen Griechen, denen die Hilfsmaßnahmen innerhalb des Bankwesens als Einzigen genutzt haben, ihr Geld abziehen und die Menschen auf der Straße dann verzweifelt protestieren, muss man sich nicht wundern. Das hat auch mit den Banken zu tun. Es geht uns sehr wohl etwas an, dass die Griechen verzweifelt sind. Wir sind ja eingebunden ins europäische System.

Majowski:

Ich halte auch eine europaweite Abwertung des Geldes für nicht unwahrscheinlich. Den kompletten Zusammenbruch des Zahlungssystems. Es wäre ein Neuanfang. Ich wünsche mir das nicht. Es liegt aber in der Luft.

Wo wir gerade über die Zukunft sprechen, was steht bei Ihnen an, Herr Richter?

Nach den Aufführungen werde ich im Juni zehn Vorstellungen mit der Witwe von Georg Kreisler, Barbara Kreisler-Peters, einen Kreisler-Abend geben. Es ist das erste Mal, dass sie nach dem Tod ihres Mannes, die Lieder, die sie über 30 Jahre lang mit ihm gesungen hat, mit mir singt. Es geht um das Thema Liebe. Aktuell stehe ich kurz vor dem Abschluss meines Fernsehfilms „Hotel Bogota – Eine einmalige Geschichte“.