Porträt

Von Töchtern und Talenten auf der Berlinale

Mittendrin und doch nicht dabei. Oona von Maydell nimmt im Sessel des „Grace“ im „Hotel Zoo“ am Kurfürstendamm Platz und hofft, sie möge auf dem Foto nicht so arrogant herüberkommen.

„Soll ich lieber so sitzen?“ fragt sie. Dann dreht sie sich frontal zur Kamera, lächelt. Der Fotograf nickt. Oona von Maydell ist vergangene Woche zur Berlinale gekommen, um bei der Premiere ihres Films „Der Bunker“ dabei zu sein. Zu den Partys und Empfängen ist sie nicht gegangen. Sie hat sich, abgesehen von der eigenen Feier, bei einer Freundin und derer beiden Neffen in Kreuzberg zurückgezogen. „Auf der Berlinale performen viele nur“, sagt sie, „und im Hotel fühle ich mich unwohl.“ Bei ihrer Freundin sei es dagegen richtig nett, „ein bisschen wie bei den Pfadfindern“.

Von Maydell ist Schauspielerin – und Tochter von Claude-Oliver Rudolph, 58. Der Schauspieler ist in seiner Karriere neben Rollen in „James Bond“ und „Das Boot“ auch gern durch Skandale und Affären aufgefallen. „Ich hätte mir gewünscht, er wäre damit anders umgegangen“, sagt Oona von Maydell. Sie stehe dazu, seine Tochter zu sein. Es sei jedoch auch anstrengend gewesen, diesen Vater zu haben. „Wir haben gerade eine Funkpause, das verordnet er manchmal“, sagt die 30-Jährige. „Ich habe mich entschieden, anders leben zu wollen.“

Sie hat zunächst Kunst studiert, ist bei einem Casting 2006 von Dominik Graf für den Film entdeckt worden. Ein Jahr darauf spielte sie neben Matthias Schweighöfer und Fritzi Haberlandt in „Ein spätes Mädchen“. Seit August lebt sie mit ihrem Mann und dem 14 Monate alten Sohn auf der französischen Insel La Réunion. „Ich wollte mal ausprobieren, wie sich das Leben als Insulaner anfühlt.“ Bis zum Sommer wolle sie dort noch bleiben. Ob es dann weitere Filmprojekte geben werde? Die gebe es jetzt schon. Es habe mit ihrem Inselleben zu tun, sagt Oona von Maydell. „Das ist schon verrückt, aber es gibt so viele Kulturen dort. Und alle leben in Frieden miteinander.“