Wettbewerb

Das Leben ist eine eiskalte Baustelle

Under Electric Clouds Mit „Unter elektrischen Wolken“ lässt sich der Wettbewerbsbeitrag des russischen Regisseurs Alexey German Jr. übersetzen. Man denkt an düstere Szenarien, an Ridley Scotts „Blade Runner“ etwa und die in der Romanvorlage aufgeworfene Frage, ob Roboter von elektrischen Schafen träumen. Tatsächlich erzählt German Jr. eine ähnlich düstere Geschichte wie dereinst Ridley Scott, nur dass hier kein ewiger Regen auf Los Angeles niedergeht, sondern Schnee auf eine Baustelle.

Russland im Jahr 2017: Die Revolution ist hundert Jahre her. Alles scheint auf einen großen Krieg hinauszulaufen. Rund um ein nicht fertiggestelltes Gebäude erzählt der Film in sechs lose verbundenen Episoden von verstörten Menschen. Ein kirgisischer Bauarbeiter strandet in der Fremde. Ein Architekt will nicht erwachsen werden. Ein Anwalt für Grundstücksrecht leidet unter den Dämonen, die ihn nachts heimsuchen. Diese und andere Geschichten erzählt der Film im traumverlorenen Stil Tarkowskis, aber nicht annähernd so virtuos. Er schleppt zu viel Gelehrsamkeit mit sich herum, er strauchelt unter der Last des europäischen Bildungskanons. Das macht ihn leider anstrengend.

Termine Friedrichstadtpalast, 11.2., 12 und 15 Uhr; International, 11.2., 22.30 Uhr; Haus der Berliner Festspiele, 14.2, 9.30 Uhr.