Berlinale

Wim, Werner und ich

Gleich drei Filme hat James Franco auf dem Festival. Und dann läuft auch noch „The Interview“

Er ist der omnipräsente Mann der Berlinale 2015. Kaum ein Tag vergeht, an dem Hollywoodstar James Franco nicht irgendwo einen Film vorstellt, über den Roten Teppich läuft, auf Partys auftaucht oder in Galerien abhängt. Alleine drei Filme mit ihm laufen in diesem Jahr auf dem Festival, Werner Herzogs „Queen of the Desert“ lief bereits im Wettbewerb, „I Am Michael“ im Panorama und nun, als Letztes, Wim Wenders’ „Every Thing Will Be Fine“ außer Konkurrenz.

Was Zufall ist, stößt auch auf Gegenliebe. „Ich bin immer wieder in Berlin und ich liebe die Stadt“, sagt Franco. Und er liebt es, darüber zu twittern oder auf Instagram Selfies hochzuladen. Über den Berlinale-Empfang in den Kunst-Werken in Mitte etwa: „Epic Night in Berlin with @klausbiesenbach and @courtneylove“ – also dem deutschen Leiter des MoMA in New York und Kurt Cobains Witwe. Oder ein Foto vom Dinner mit „Wim und Werner“: „2 German Boys and Me,“ Herzchen inklusive. Er spielt gern und gekonnt mit dem öffentlichen Interesse, streut scheinbar private Details, deren Echtheit bisweilen in Frage stehen („Meine Identität muss ich nicht in Frage stellen, das tun die Medien ja schon für mich“). Und wird dafür ebenso geliebt wie gehasst.

Für seine Allgegenwart wird Franco auch mal ein bisschen aufgezogen, wie von Anke Engelke bei der Moderation zur Berlinale-Eröffnung. Franco nimmt’s gelassen. „Ich mag Berlin wirklich. Das Festival ebenso wie die Kunstszene. Für mich ist es ein Ort, wo ich ganz unterschiedliche Sachen präsentieren kann und es ernst genommen wird. Das funktioniert hier sehr viel besser als in New York, hier bin ich mehr als nur ‚der Schauspieler, der Kunst macht. Und das weiß ich sehr zu schätzen.“ Anke Engelke hatte ihn danach auch öffentlich auf einen Drink eingeladen. Was ist daraus geworden? „Oh, den hatten wir inzwischen“, grinst Franco.

Er ist auch dieses Jahr nicht nur als Schauspieler hier, das Drama „I Am Michael“ hat er selbst produziert. „Ich habe so viele Projekte erlebt, die nie geklappt haben. Das war so frustrierend, dass ich es jetzt einfach selbst mache“, sagt er. Für die beiden anderen Berlinale-Filme stand er für zwei sehr unterschiedliche Altmeister aus Deutschland vor der Kamera. „Bei Herzog denkt man immer sofort, man muss bestimmt Käfer essen oder so was, aber meine Erfahrung mit Werner war eine ganz sanfte.“ Klar sei er intensiver, immer mittendrin, Wenders würde es etwas leichtfüßiger angehen. „Aber ich würde mit beiden sofort wieder drehen.“ An Wenders bewundert er die Leidenschaft, sich für alle Aspekte des Filmemachens gleich zu begeistern. „Das ist etwas, das ich auch erreichen will.“, erklärt er.

Neben den drei Filmen hier sind bereits weitere sieben allein für das laufende Jahr angekündigt. Übernimmt er sich damit nicht ein bisschen? „Ich mache einen Film nach dem anderen. Das krieg ich hin.“, meint er dazu trocken. Und weil ihm damit allein wohl schnell langweilig würde, schreibt er auch noch Bücher, inszeniert am Broadway und hat in den letzten Jahren nebenbei Film und Literatur studiert. Inzwischen gibt er bereits selbst Filmkurse. Kein Ende in Sicht.

Angesprochen auf die Veranstaltung Cinema for Peace am Montag, die mit ihm als Ehrengast geworben hatte, wiegelt er sofort ab: „Damit habe ich nichts zu tun.“ Er hat dort nie zugesagt. Und auch zur andauernden Kontroverse über seine parallel zur Berlinale angelaufenen Nordkorea-Satire „The Interview“ will er nichts mehr sagen. Da scheint er ein wenig genervt. Lieber zitiert er nur den Wenders-Filmtitel: „Every Thing Will Be Fine“.