Panorama

Drei Hipster und ein Babywunsch

Nasty Baby

Dieser Film spielt im New Yorker Stadtteil Brooklyn, die Geschichte könnte so ähnlich aber genauso gut in Berliner Hipstervierteln wie Kreuzberg oder Neukölln stattfinden. Freddy (der Chilene Sebastián Silva, der auch Regie führt) ist einer dieser Künstler-Expats, die angezogen von den Freiräumen und günstigen Mieten, sich mit Projekten durchschlagen. Gerade bereitet er eine neue Videoinstallation vor, in der er sich selbst als fies-krähendes Riesenbaby inszenieren will.

Auch privat dreht sich alles um den Nachwuchs. Zusammen mit seinem Freund Mo (Tunde Adebimpe) und der besten Freundin Polly (Kristen Wiig) hegt er schon länger den Wunsch nach einem Baby. Doch die Versuche der künstlichen Befruchtung scheitern immer wieder, Freddys Sperma erweist sich als zu schwach. Und Mo kann sich nicht recht überwinden, in den Plastikbecher zu ejakulieren. Die zunehmend verzweifelte Polly geht ohne das notwendige Utensil nicht mehr aus dem Haus, man weiß ja nie. So nutzt sie schließlich in einer der komischsten Szenen die Gunst des Augenblicks, und schwingt sich beim einführenden Akt zu Höchstakrobatik auf, um auch ja nichts dem Zufall zu überlassen.

Eine ganze Weile funktioniert Silvas sehr lässig inszenierter Film als amüsante und schräge Komödie über ein paar Leute zwischen Selbstverwirklichung und Kinderwunsch, bevor er ihm im letzten Akt plötzlich einen unerwarteten Dreh ins Dunkle verpasst, der die Utopie an den Rand des Scheiterns führt. Ganz nebenbei erzählt der Film so auch von den Konsequenzen der Gentrifizierung, die Stadtviertel durch Zugezogene wie seine Protagonisten zwar aufwerten, aber dabei auch Alteingesessene verdrängen. Dieser selbstkritische Blick auf den eigenen Lebensstil wird nicht jedem gefallen, egal ob in Brooklyn oder Berlin.

Eine Entdeckung ist als Komikerin Kristen Wiig („Brautalarm“), die hier sehr überzeugend eine komplexe Charakterrolle auslotet.

Termine Cinemaxx, 14.2., 22.30 Uhr