„Nie wieder ‚Starlight Express‘“

Till Brönner ist nach Los Angeles gezogen. Sonntag tritt er mit Filmmusik im Tempodrom auf

Vor einem Jahr hat Till Brönner seinen Lebensmittelpunkt von Berlin nach Los Angeles verlegt. Dort hat sich der Trompeter nicht nur zu einem Movie-Album inspirieren lassen, sondern sich auch den Traum eines Till Brönner Orchestra erfüllt. Am morgigen Sonntag ist der 43-Jährige im Tempodrom zu Gast. Ein Gespräch über Lieblingsfilme, deutsche Heimat und amerikanische Träume.

Berliner Morgenpost:

Warum ein Album mit Filmsongs?

Till Brönner:

Als ich in Los Angeles mein zweites Lager aufschlug, war das mein erster Gedanke. Ein Filmmusikalbum dort aufnehmen, wo diese Musik herkommt. Darüber hinaus verbringe ich meine Freizeit, wenn ich wirklich mal abschalten kann, ungern alleine auf dem Sofa. Ich liebe es, mich künstlich in eine andere Welt zu verabschieden. Ich kann nicht einfach die Klappe zumachen und sofort wieder ich sein und in den Alltag zurückkehren. Da hilft es, mich mit Filmen zu beschäftigen, die ich in der Zwischenzeit verpasst habe. Also bestelle ich mir einen Riesenstapel und hole ein bisschen auf.

Sie wohnen nun ganz in Los Angeles?

Nein. Zu 50 Prozent. Ich habe immer noch meine Wohnung in Berlin. Mein Markt und meine Konzerte sind in der Hauptsache in Deutschland. Deshalb ist es ein ziemliches Hin- und Hergereise. Ich war seit 2006 immer wieder dort, um meine Alben zu produzieren. Ende 2013 habe ich entschieden, dass es jetzt dauerhaft so sein soll. Viele Originale aus der Welt des Jazz leben nach wie vor dort, Erfinder dieser Musik, die dort auch nicht mehr weggehen. Wenn man die noch mal treffen oder hören möchte, dann ist das die perfekte Stadt. Und ständig erkennt man Orte wieder, die in berühmten Filmen vorkommen. Plötzlich steht man auf dem Sunset Boulevard vor den Studios oder man nimmt sein Album in den EastWest Studios auf und plötzlich kommt Brian May rein, am nächsten Tag Kelly Rowland. Daran muss man sich erst mal gewöhnen, dass die Promi-Dichte dort so hoch ist. Es wird aber kein Riesenaufhebens darum gemacht.

Das ist in Berlin aber auch so.

Gott sei Dank! Das große Hallo, nur weil irgendjemand zur Tür reinkommt, das mag der Berliner nicht. Das finde ich sehr sympathisch.

Ist der Durchbruch in den USA Ihr Ziel?

Das ist ja nicht planbar. Wenn man aber gut hinsieht, passieren die großen Erfolge im Showbusiness meist über den Erfolg in den USA. Das ist das Mutterland des Entertainments und wir alle sind sozialisiert durch amerikanische Produktionen und Künstler. Es bleibt das Land, in dem man Show, Dramaturgie und Qualität in kompromisslosester Form zelebriert und verinnerlicht hat. Bei uns haben die Menschen ja schon ein Problem, sich für den Abend mal richtig fein zu machen, weil sie Angst haben müssen, dass neben ihnen jemand sitzt, der den Dresscode weniger ernst genommen hat als sie. Irgendwer kommt immer in Jeans und Pullover und lässt dich overdressed aussehen. Das würde in Amerika nie passieren, weil es dort umgekehrt empfunden wird. Da ist es respektlos. Eine glamouröse Berlinale und der Hauptdarsteller rennt im T-Shirt herum. Das ist nicht der Stoff, aus dem die Träume sind.

Gibt es deshalb keinen Song aus einem deutschen Film auf dem Album?

Nennen Sie mir eine Melodie aus einem deutschen Film, die jeder pfeifen kann. Das gibt es vielleicht das „Traumschiff“ und „Winnetou“. Es ging mir um Melodien, die um die Welt gehen, und nicht um deutsche Heimeligkeit und die „Capri-Fischer“.

Wissen Sie noch, welcher der erste Film war, den Sie im Kino gesehen haben?

Das war „Das Dschungelbuch“, und ich war acht Jahre alt. Noch heute ein fantastischer Film. Die Musik sowieso.

Mögen Sie Musik- oder Musicalfilme?

Da gibt es gute und schlechte. „Chicago“ habe ich sehr genossen. „West Side Story“ ist genial. Musicals hasse ich. Im Film und auf der Bühne. Ich habe jahrelang „Starlight Express“ gespielt als Student, und das ist mir irgendwann zu den Ohren rausgekommen. Und ich muss sagen, ich bin wirklich kein Fan von Andrew Lloyd Webber. Ich stelle den Mann nicht infrage, und er ist mit Recht dort, wo er gelandet ist, das macht vielen, vielen Menschen Freude. Aber für mich ist es Folter.

Gibt es einen Film, den Sie ständig sehen? Oder einen Lieblingsliebesfilm?

Am häufigsten habe ich „Der Pate“ gesehen. Alle drei Teile. Und ich entdecke jedes Mal wieder neue Dinge und freue mich. Und Lieblingsliebesfilm? Keinen expliziten. Entweder lache ich gern oder schaue ein Melodram. „Legenden der Leidenschaft“ war so einer. Eigentlich ein Liebesfilm. Sie kommen aber nicht zusammen, die beiden Protagonisten. Das beschäftigt einen auf dem Weg nach Hause.

Der beste Film für das erste Date?

Oh Gott, das liegt bei mir schon lange zurück. Kein Liebesfilm. Es sollte etwas zum Lachen sein. Humor finden Frauen bei Männern attraktiv, las ich.

Welche Pläne haben Sie nach dem Filmalbum?

Träume und Visionen sind wichtig, um voranzukommen. Trotzdem habe ich im Laufe der Zeit festgestellt, dass es meistens anders kommt, als man denkt. Ich finde es heute viel wichtiger zu wissen, was ich nicht möchte. Die anderen Dinge kommen automatisch.

„Starlight Express“ zum Beispiel?

Genau.