Kino

Rendezvous mit Johnny Depp

Auf Besuch in Berlin: Der Hollywood-Schauspieler kommt zur Weltpremiere von „Mortdecai“

Er kommt. Er kommt nicht. Zumindest nicht pünktlich. „Johnny Depp braucht noch einen Moment, wie erwartet“, heißt es. Eine Stunde später ist Depp endlich da. „Don Juan deMarco“, Traum aus „Chocolat“, grandioser „Gilbert Grape“, „Fluch der Karibik“. Da steht er, fast schüchtern. „So vulnerable, so sweet“, sagt eine Frau aus der hinteren Reihe des Pressepublikums, so tritt der Hollywood-Schauspieler hinter der roten Filmwandpappe im Ballsaal des „Hotel Adlon Kempinski“ hervor, richtet Schal und Hosenbund, nimmt Platz – und legt los.

Warum er im Film einen künstlichen Bart getragen habe, er könne doch einen echten vorweisen? „Sie können ja sehen, wie erbärmlich der ist. Haben Sie Pancakes? Cool!“ Was am Dreh des Films Spaß gemacht habe? „Die Drogen natürlich.“ Und wie ihm sein britisches Englisch gelungen sei, er spreche doch so viele Sprachen. „Ja, mein Popo juckt“, sagt Depp. Auf Deutsch. Und so gar nicht britisch.

Am Sonntagmittag hatte sich Hollywood-Schauspieler Johnny Depp gemeinsam mit seinem Kollegen Paul Bettany und Regisseur David Koepp Fragen zu seinem neuen Film „Mortdecai“ in Berlin gestellt. Bevor der Streifen am Abend im Zoo-Palast präsentiert wird.

Hier erscheint Depp früher als erwartet, eine halbe Stunde sogar, und schreibt Autogramme. „Er ist einfach ein vollkommener Schauspieler“, sagt Premierenbesucher Bruno Eyron. „Und er hat die Freiheit, sich so zu benehmen, wie er möchte.“

In „Mortdecai“ spielt Johnny Depp einen hoch verschuldeten Kunsthändler und Lebemann, der innerhalb von einer Woche nicht nur acht Millionen Pfund auftreiben muss, sondern parallel eine verwöhnte Ehefrau (dargestellt von Gwyneth Paltrow), einen treuen Diener (Paul Bettany), einen furchtlosen Konkurrenten (Jeff Goldblum) sowie einen allzu neugierigen Inspektor (Ewan McGregor) händelt. Cast, Film und Regisseur Koepp („Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“) versprechen vollen Erfolg. Johnny Depp und sein Auftritt in Berlin rund um die Premierenfeier am Sonntag verspricht vor allem Lacher.

Doch Depp kann auch ernst. Wenn es um Kollegen geht. „Ich wusste, dass Paul großartig sein würde. David hat mir die beste Regie meines Lebens gegeben“, sagt er. Und er wird auch ernst, wenn es um Berlin geht. Bereits am Freitag war Depp angereist, hatte Sonnabend das „Bocca di Bacco“ besucht. „Es ist immer so schade, Berlin wieder verlassen zu müssen“, sagt Depp. „Ich habe so viel von dieser Stadt gelernt, welch’ unglaubliche Geschichte sie doch hat.“ Vor ein paar Jahren habe er Zeit gefunden, Berlin zu erkunden. Geliebt habe er das, sagt Depp. Und wenn er nicht beschlossen hätte, nie wieder Regie führen zu wollen, so würde er beim nächsten Mal entscheiden schon zum Dreh selbst nach Berlin kommen.