Theater

„Ich fühle mich in Berlin wie ein Tourist“

Schauspielerin Annette Frier ist in Köln zu Hause. Jetzt steht sie zum ersten Mal auf einer Hauptstadt-Bühne

Schauspielerin Annette Frier („Die Schlikkerfrauen“) ist voller Vorfreude, wenn sie an die kommenden Wochen denkt. Am 22. Januar hat die rabenschwarze Komödie „Eine Familie“ im Theater am Kurfürstendamm Premiere, ein in den USA mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnetes Stück des Dramatikers Tracy Letts. In dem Stück kommt eine im ganzen Land verstreut lebende Familie zu einer Art Krisensitzung zusammen, nachdem der Vater die Mutter verlassen hat. Mit dabei sind auch Friederike Kempter („Tatort“) und Ursula Karusseit („In aller Freundschaft“). Annette Frier spielt eine der Hauptrollen – und zum ersten Mal Theater in Berlin. Deshalb verbringt die Kölnerin in den kommenden drei Monaten viel Zeit in der Hauptstadt. Normalerweise lebt sie mit ihrem Mann, Drehbuchautor Johannes Wünsche, und den gemeinsamen Zwillingen am Stadtrand von Köln. Die Berliner Morgenpost sprach mit ihr über Heimat, Familie und die Hauptstadt.

Berliner Morgenpost:

Worauf freuen Sie sich am meisten in Ihren kommenden Wochen in Berlin?

Annette Frier:

Auf die spannende Zeit mit den Kollegen am Theater und auf meine vorübergehende Wohnung in der Nähe des Kudamms. Vor allem aber werde ich ziellos durch die Stadt laufen. Berlin ist nach Köln meine zweite Heimat. Enge Freunde leben hier, die Familie meines Mannes ebenfalls. Es stand sogar mal zur Debatte, dass wir hierher ziehen. Doch jedes Mal, wenn wir nach Wohnungen suchten, bekam ich ein Engagement in Köln. Es war wie verhext.

Werden Sie Ihre Familie während der kommenden Spielzeit nicht vermissen?

Nur ein bisschen. Denn natürlich bekomme ich viel Besuch. Mein Mann und mein Sohn waren letztes Wochenende da. Meine Mutter und meine Tochter bleiben noch die ganze Woche hier. Und natürlich lässt auch der Rest der Familie sicher nicht lange auf sich warten.

Sie können während der Spielzeit viel in der Stadt unternehmen. Haben Sie besondere Pläne?

Natürlich fällt mein privates Abendprogramm wegen des Theaters aus. Tagsüber bin ich mit meiner Tochter und zwei Patenkindern sicher auf den Spielplätzen dieser Stadt unterwegs. Während der Berlinale hoffe ich, viel ins Kino gehen zu können. Und ich hoffe wirklich, dass das Wetter nicht so wird, wie ich es in der Vergangenheit schon einige Male erlebt habe. Da sind nämlich in Berlin im Februar dank der Glätte immer alle auf die Nase gefallen. Das muss ich nicht haben.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Berlin?

Ich mag Charlottenburg sehr gern. Alle Straßen führen zum Savignyplatz (lacht). Ich fühle mich hier wie ein Tourist, das bin ich ja schließlich auch. Nach der Probe trinke ich meinen Cappuccino im „Literaturcafé“ an der Fasanenstraße, und mit den Kindern besuche ich öfter das „Weyers“ in der Nähe des Ludwigkirchplatz – die Spielplatzanbindung finde ich super.

Wie würden Sie Berlin und Köln miteinander vergleichen?

Ich bin eigentlich kein Anhänger von Vergleichen. Am ehesten ist die Hybris der Berliner und Kölner vergleichbar, also ihr leichter Hang zur Selbstüberschätzung. Die Kölner finden sich mindestens so geil wie die Berliner, so viel steht fest. Die Gemütlichkeit der Kölner geht mir manchmal auf die Nerven – dass sie sich selbst so genügen. Im Gegenzug scheinen die Berliner immer in Bewegung zu sein, haben immer irgendein Projekt am Laufen, sind immer auf dem Sprung. Das ist zum Teil auch anstrengend. Die Uhren ticken eben überall ein wenig anders.

Sind das aus Ihrer Sicht Vor- oder Nachteile für die Städte?

Jede Stadt hat ihre Vor- und Nachteile. Es ist schwer, das zu pauschalieren. Es herrscht einfach eine andere Energie. Letzte Woche habe ich hier in Wedding ein spendenfinanziertes Kammerkonzert mit tollen Musikern besucht – die Bezahlung fand am Ende durch freiwillige Spenden statt. Dass so etwas organisiert wird und dann kommt solch ein toller Abend dabei heraus – fantastisch! Das liebe ich an Berlin. Was meine Heimatstadt betrifft, bin ich hingegen stolz und froh, dass sich die Kölner Multikulti auf die Fahnen geschrieben haben. Für mich gibt es dazu keine Alternative.

Wie, meinen Sie, wird „Eine Familie“ beim Berliner Publikum ankommen?

Es würde mich riesig freuen, wenn wir mit unserem Stück nicht nur das traditionelle Kudamm-Publikum erreichen, sondern ganz viele Leute anlocken. „Eine Familie“ ist zwar eine Komödie, aber kein leichter Stoff. Er stellt auch gewisse Ansprüche an das Publikum. Ich mag, wenn sich Menschentypen vermischen. Wie bei der Grüppchen-Bildung auf dem Schulhof, die wollte ich auch immer auflösen.