Interview

„Das war wie eine Geburt“

Sechs Wochen haben Valerie Niehaus und Stefan Jürgens zu zweit geprobt. Ihr Ergebnis zeigen sie am Kurfürstendamm

Seit Sonntag stehen Valerie Niehaus und Stefan Jürgens gemeinsam auf der Bühne der Komödie am Kurfürstendamm. In „Zwei wie wir“ treffen sich Großstadtneurotikerin Nora, gespielt von Niehaus, und Maler Rudy, verkörpert von Jürgens, nach einer erfolglosen gemeinsamen Ehe und Jahren ohne Kontakt zufällig wieder. Ein Gespräch über intensive Zusammenarbeit, Eifersucht und das Leben in Berlin.

Berliner Morgenpost:

Von „RTL Samstag Nacht“ und „Verbotene Liebe“ zur Komödie am Kudamm. Wie kam’s?

Stefan Jürgens:

Martin Woelffer hat mich netterweise in der Vergangenheit schon mehrmals für eine Produktion angefragt, allerdings war ich immer aufgrund meiner Musik oder anderer Schauspiel-Engagements verplant. Bei diesem Stück hat der Zeitpunkt gepasst. Ich hatte keine Ausrede mehr – vor allem nicht bei dieser Partnerin.

Die Sie eben zur Begrüßung geküsst haben. Sie scheinen sich ja wirklich zu mögen.

Valerie Niehaus:

Ach, das war doch normal kollegial.

Jürgens:

Zumindest zeigt es, dass wir uns nach sechs intensiven Probenwochen noch gut verstehen und nicht im Restaurant zwei Tische brauchen. Was sehr von Vorteil ist. Wir sind ja auf der Bühne komplett voneinander abhängig.

Wie nah sind Sie sich bei den Proben gekommen?

Niehaus:

Wir kannten uns vorher als Kollegen, ich habe Stefans Arbeit über all seine Jahre gesehen – aber hier ist jetzt trotz der intensiven Zusammenarbeit nicht viel Zeit, um etwas anderes zu teilen als die Gedanken um die Arbeit und die Figuren selbst. Privat ist das nicht.

Sie spielen Managerin versus Maler, ein ungleiches Paar. Haben Sie das privat schon mal erlebt?

Jürgens:

Anstreicher, muss man ja sagen. Und ja: Ich hatte eigentlich in all meinen Beziehungen das Gefühl, dass wir sehr verschieden sind.

Niehaus:

Ich finde das aber auch ganz gesund. Das ist doch auch die Herausforderung der Beziehung. Dass man da nicht so einen Mini-Me sitzen hat.

Jürgens:

Man ist ja auch immer ein bisschen auf das Geheimnis des Anderen aus, das man hoffentlich nie so ganz entdeckt. Und Unterschiede haben mich schon immer angezogen.

Sie sind beide neu vergeben. War keiner Ihrer Partner eifersüchtig aufgrund der engen Zusammenarbeit?

Niehaus:

Das müssen Sie unsere Partner fragen. Ich kann das nur aus der Retrospektive erzählen, weil ich lange mit jemandem vom Theater zusammen war. Das Faszinierende ist, dass der Partner mit seiner Arbeit in eine Art andere Welt geht. Die Leute müssen sich ihre Räume lassen. Das eine ist Profession. Das andere ist Zuhause.

Jürgens:

Es ist doch schön, seinen Partner auf der Bühne mal so zu erleben.

Ihr Partner und die Zuschauer erleben Sie das erste Mal so, Frau Niehaus. Warum plötzlich Theater?

Niehaus:

Warum nicht? Ich bin Schauspielerin. Ich würde vielleicht nicht unbedingt Musical machen. Aber der Beruf erlaubt es. Und es ist jetzt nach 20 Jahren Fernsehen ein heilsamer Prozess, bei dem man Schüler sein darf. Lernen kann. Und ich war dann sehr glücklich mit Stefan.

Und, wie hat sie sich gemacht?

Jürgens:

Fantastisch. Ich empfinde es als eine enorme Herausforderung, so ein Stück zu spielen, wenn man noch nie auf der Bühne gestanden hat. Ich wäre wahrscheinlich nach einer Weile schreiend rausgelaufen. Auch deshalb hat sie meinen größten Respekt.

Niehaus:

Ja, das war wie eine Geburt. Das ist wirklich richtig schwierig. Als müssten Sie Ballett tanzen und hätten es noch nie gemacht.

Der Autor des Stücks, Norm Foster, sagt: „Einer der Flüche, dem ein Dramatiker unterliegt, ist, dass er niemals völlig zufrieden ist mit dem, was er geschrieben hat.“ Sind Sie jemals zufrieden mit dem, was sie gespielt haben?

Jürgens:

Nein. Das kann ich nicht. Irgendein Haar in der eigenen Suppe finde ich immer.

Niehaus:

Ich kenne es nur vom Film. Und da ist so viel Beiwerk, dass sich das Ergebnis meiner Leistung entzieht. Ich pflege mein Leben mit Geistesdisziplin zu leben.

Jürgens:

Oha!

Niehaus:

Ja, ich gebe mein Bestes. Das heißt nicht immer, dass das richtig ist oder ich alles kann.

Gibt es eine Szene, die Ihnen besonders schwerfällt?

Jürgens:

(Er lacht.) So viel Zeit haben wir jetzt nicht. So ein Stück lebt von unglaublich vielen Brüchen, vom Tempo und Handwerk. Damit es am Ende leicht aussieht. Insofern gibt es keine Szene, die einem in den Schoss fällt.

Niehaus:

Das ist hier anders als beim Fernsehen – das Ganze hat einen Domino-Effekt, eine Aktion zieht die andere nach. Eine konsequente Unruhe. Zwei Monate haben wir noch vor uns.

Und, wird es Ihr letztes Stück sein?

Jürgens:

Aus meiner Sicht sicher nein. Aber das hängt von den Leuten ab, die uns engagieren. Schauen wir mal, wie das Berliner Publikum uns aufnimmt. Es ist ja durchaus streng. (Er lacht.)

Niehaus:

Ich würde mich gegen die Welt wehren, in der ich wählen muss. Das ist von so vielen Dingen abhängig, ich kann es nicht sagen.

Zumindest wäre es wieder in der Nähe von Güntzelkiez und Charlottenburg, wo Sie wohnen. Wie lebt sich’s in der City West?

Niehaus:

Ich gehe so gern spazieren in Berlin! Ich bin Fan von diesen Straßen, besonders jetzt, wenn die Lichter hier sind, ist es einfach ein Highlight. Berlin lebt für mich hier auf der Straße. Und das macht mir immer wieder Lust darauf, hinauszugehen.

Jürgens:

Ich kann zu Fuß ins Theater gehen. Und da das Stück knackige eineinhalb Stunden lang ist, bleibt danach noch genug Zeit für die herrlichen Restaurants und Bars in der Gegend. Das „Dressler“ ist ja fast unser Esszimmer und das „Filou“ an der Bleibtreustraße ist auch nicht weit. Und morgens – kann ich momentan ausschlafen.