Weihnachtsessen

Zander für alle

Mit Prominenz: Zum 20. Mal lädt Frank Zander Obdachlose zum Weihnachtsessen

Eine „Abwechslung vom Schaustellerleben“ sei es für ihn. Reinhold Voß steht zwischen Tausenden von Stühlen im Hotel „Estrel“. Der ganze Saal ist voll, Hunde, Kinder, Männer und Frauen drängeln sich an den Tischen vorbei, auf der Bühne spielen die Rockhouse Brothers. Voß lacht, eine Zahnlücke blitzt auf dabei. Gerade hat er Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky die Hand geschüttelt. „Tach, Herr Genosse“, hat Voß zu ihm gesagt. Sie seien für die selbe Partei, da müsse man den Kiezchef doch begrüßen. Auch wenn sein Kiez eher um den Breitscheidplatz sei.

Reinhold Voß ist obdachlos. Ihn und rund 2800 weitere Menschen, die auf der Straße leben, hat Entertainer Frank Zander am Montag zum traditionellen Gänse-Essen nach Neukölln geladen. Seit 20 Jahren organisiert Zander das Essen mit dem Diakonischen Werk, der Caritas und Sponsoren. „Und jedes Jahr wieder, wenn ich die Menschen hier vor der Tür stehen sehe, weiß ich warum“, so Zander. Auch Berliner Helfen, der gemeinnützige Verein der Berliner Morgenpost, unterstützte das Essen mit einer Spende. Unter den 400 ehrenamtlichen Helfern befanden sich auch Prominente. Wie Innensenator Frank Henkel, der von Moderatorin Britta Elm gleich nach seinem roten Outfit befragt wurde („Weihnachtspulli – oder Parteiwechsel?“), Arthur Abraham, Semino Rossi, Wolfgang Lippert,Jürgen Drews und Gregor Gysi, der mit Fliege erschien. „Trage ich sonst nie – aber für die Obdachlosen mache ich eine Ausnahme“, so der Linken-Fraktionschef. Am liebsten sechs Teller mit Gänsekeule auf einmal getragen hätte Tim Renner. Das habe er aber nie gelernt, er koche besser, sagte der Kulturstaatssekretär. Wie die Ente à l’Orange, die er der Familie an Weihnachten zubereite. „Hier in die Küche durfte ich aber nicht“, so Renner. „Da lassen die ja auch nur Profis rein“, kommentierte Morgenpost-Autor Hajo Schumacher, der ebenfalls servieren half, trocken. Von der Menschenmenge beeindruckt zeigte sich einer der langjährigsten Helfer: Ex-Boxer Axel Schulz. „Was Frank hier jedes Jahr auf die Beine stellt, ist gigantisch“, sagte er. Noch mindestens 20 weitere Jahre will Frank Zander das Essen organisieren, hatte der Gastgeber zu Beginn verkündet. „Solche Nachrichten machen auch mein Weihnachten schöner“, freute sich Axel Schulz.