Interview

„Warum machen Sie denn so ’ne Hektik?“

Mit 85 Jahren will James Last erneut auf Tour gehen. Ein Gespräch über Ruhe und Weihnachten

„Ein Schlückchen Cognac“, sei schon drin gewesen im Tee, den er eben getrunken hat, sagt James Last und lacht. „Es ist ja so kalt draußen.“ Der Temperaturunterschied von Berlin zu Lasts Wahlheimat Florida dürfte gute 20 Grad Celsius betragen. Gerade hat der Musiker mit seiner Frau Christine noch eine Runde um den Block gedreht, sich die winterliche Friedrichstraße angeschaut. Jetzt ist er zurück im „Hotel Regent Berlin“ am Gendarmenmarkt, pünktlich zum Interviewtermin. Mit ihr. Unten in der Lobby wartet zufällig Fußballstar Oliver Kahn, unbeachtet von den restlichen Gästen. Diskretion gehört im Fünf-Sterne-Haus zum Inventar wie Flauschteppich, Kronleuchter und Ölgemälde. In der Suite macht James Last es sich auf einem großzügigen, rosafarbenen Sessel bequem. Die weißen Chucks an den Füßen und das silbrig-graue Jackett mit Musterprint setzen einen durchaus spannenden Kontrastpunkt zum gediegenen Ambiente. Last spricht wie gewohnt etwas undeutlich und ist noch sichtlich mitgenommen von einer Notoperation am Darm im Herbst. Und dennoch: Statt sich mit 85 Jahren zur Ruhe zu setzen, plant der Sänger und Komponist, ab März 2015 nochmals auf eine 23 Städte umfassende Europatournee zu gehen. Seinen 86. Geburtstag will er in Leipzig auf der Bühne zusammen mit seinen Musikern und Fans begehen. In Berlin wird er am 18. April auftreten. Wir bekommen 15 Minuten mit ihm.

Berliner Morgenpost:

Herr Last, ist so eine anstrengende Tour jetzt das Richtige?

James Last:

Das ist keine Anstrengung! Das ist Spaß! Ich schreibe alles selbst. Ich freue mich über jede Note. Wenn die Musik spielt und alle Spaß haben. Und dann steht man da oben zwischen Publikum und Orchester – das ist doch herrlich!

Wie werden Sie Weihnachten verbringen?

Das werde ich mit meiner Frau alleine in Florida verbringen. Wir haben ein kleines Bäumchen und gehen dort auch in die Kirche. Eine freie Kirche. Da kommen alle Glaubensrichtungen zusammen. Das ist immer sehr feierlich.

Was kommt Weihnachten bei Ihnen auf den Tisch?

Tine?! Was gibt es Weihnachten zu essen?

Christine Last:

Einen Puter vielleicht, einen Turkey?!

Aber Du wolltest doch gern eine Gans haben! Die kriegt man da wohl nicht.

Christine Last:

Doch, die muss man bestellen.

So richtig mit Rotkohl?

James Last:

Jaaaaaa!

Christine Last:

Rotkohl und ich versuche mal glutenfreie Knödel zu machen. Mein Mann hat ja eine Glutenallergie. Da muss ich drauf achten!

Vermissen Sie den Schnee zur Weihnachtszeit nicht?

Da müssen Sie meine Frau fragen, die kommt aus Bayern.

Aber in Ihrer Heimat Bremen gibt es doch auch Schnee?

Nein. Schneematsch!

Die Sonne ist Ihnen lieber?

Wenn Sie morgens aufwachen und die Sonne scheint – das ist doch Leben! Alles positiv!

Was mögen Sie an Weihnachten?

Es ist die Zeit der Besinnung. Da fängt man an nachzudenken. Wie wenn man im Krankenhaus liegt und aus der Narkose aufwacht. Da denkt man auch nach. Fragt sich: Was war das alles? Wie lange hast du schon gelebt! Ich bin vor ein paar Tagen aufgewacht und habe zu meiner Frau gesagt: ‚Komisch. Ich habe heute morgen gedacht, ich sei 75. Ich bin 85! 75 wäre schon alt gewesen, nicht wahr? 85! Ich fühle mich wie knapp 60!

Was wünschen Sie sich denn zu Weihnachten?

Ich habe den selben Wunsch seit 30 Jahren: Weitermachen! Weitermachen!

Nichts Materielles?

Nein. Nach 85 Jahren… wenn man so viel Spaß gehabt hat am Leben… da freut man sich einfach, wenn es weitergeht.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Last.

Warum machen Sie denn so eine Hektik? Bleiben Sie doch noch.

Das geht leider nicht. Wir haben nur wenig Zeit für das Interview bekommen. Ihr Terminplan… Sie sind zu berühmt!

Hm. Aber ich führe lieber intensivere Gespräche.