Interview

„Vielleicht fange ich mit dem Golfspielen an“

2015 geht Ulrich Deppendorf, einer der bekanntesten deutschen Fernsehjournalisten, in den Ruhestand. Ein Gespräch

Er ist eines der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands: Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios. Seit 1976 ist er in der Fernsehbranche tätig. Bei einem Mallorca-Aufenthalt in diesem Frühjahr erlitt der 64-Jährige einen Schlaganfall. Nach langer Pause ist er wieder vollständig erholt auf den Bildschirm zurückgekehrt. Im Mai 2015 endet sein Vertrag als Leiter des Hauptstadtstudios der ARD, danach endet eine Ära: Ulrich Deppendorf geht in Rente. Wir treffen ihn zum Gespräch in seinem Charlottenburger Kiez, im Restaurant „Engelbecken“ an der Witzlebenstraße. Es ist ein Stammlokal vieler Journalisten und Politiker, angeboten wird süddeutsche Küche. Deppendorf bestellt ein leichtes, vegetarisches Gericht, sein Mittagessen sei schon deftig genug gewesen, sagt er.

Berliner Morgenpost:

Herr Deppendorf, wie ist das für Sie, nach langer Pause wieder zurück auf dem Bildschirm zu sein?

Ulrich Deppendorf:

Das ist schon eine schöne Geschichte, gar keine Frage. Das erste Interview mit Joachim Gauck bei „Deppendorfs Woche“ hat ja gleich ziemlich für Furore gesorgt. Die Kollegen haben das prima gemacht in der Zeit, in der ich nicht da war. Man kommt da wieder rein und dann geht es wieder los. Das gibt es keine großen Eingewöhnungsschwierigkeiten. Man kennt das Geschäft ja.

Können Sie den politischen Alltag aus dem Privatleben fernhalten?

Nein. Das bringt der Job mit sich. Mein ganzes Berufsleben besteht aus aktuellen Geschichten. Das verfolgt einen schon sieben Tage, manchmal nachts und am Wochenende beim „Bericht aus Berlin“. Man entspannt sich dann eher, indem man dann mal in ein Konzert geht, selten genug. Oder beim Urlaub. Das kann ich einigermaßen gut.

Da machen Sie dann auch mal das Handy aus?

Nein, auch nicht mehr. Heutzutage ist man nun mal überall erreichbar. In manchen Positionen muss man das auch sein. Aber es gab schon auch Tage, da habe ich es nicht angemacht. Bisher ist es gutgegangen.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, außer Konzerte zu besuchen?

Ich treffe Freunde oder lese. Früher habe ich Tennis gespielt, jetzt schaue ich mal, ob meine Frau und ich mit dem Golfspielen anfangen. Das kostet halt viel Zeit. Wenn ich im nächsten Jahr pensioniert werde, werde ich zwar sicher nicht ganz aufhören zu arbeiten, aber etwas mehr Zeit dafür wird schon da sein.

Freuen Sie sich auf die bevorstehende Zeit? Oder gruseln Sie sich, nach so langer Zeit im Berufsleben?

Ich freue mich … also … ja, noch ist es schon ein bisschen ein komisches Gefühl. Keine Frage. Aber ich freue mich auch darauf, jetzt Zeit genießen zu können, auch mal spontan irgendwo hinfahren zu können, Zeit mit meiner Frau zu verleben. Und nebenbei noch eine Arbeit machen, die Spaß macht und interessant ist. Mal schauen. Jetzt warte ich erst mal ab, das wird sich im nächsten halben Jahr entscheiden.

Sie sind seit 1976 in der Fernsehbranche unterwegs. Wie hat die sich aus Ihrer Sicht verändert?

Das ist mit der Zeit, in der ich angefangen habe, nicht mehr zu vergleichen. Damals gab es noch Film. Heute können wir mit Handys drehen und senden. Es geht alles viel schneller, ganz anderes Tempo. Absolut unterschiedliche Welten. Ich habe nichts gegen diese Veränderungen. Man muss nur aufpassen, dass man über die Schnelligkeit nicht die Qualität verliert und die gründliche Recherche nicht zu kurz kommt. Und ob man sich, auch als Politiker, unbedingt ständig über Facebook oder Twitter mitteilen muss, sei dahingestellt.

Sie sagen, Sie nutzen kein Facebook. Aus Prinzip nicht?

Ja. Ich selbst bin weder auf Facebook noch auf Twitter. Ich weiß, was bei Twitter läuft, aber ich twittere nicht und erzähle da, dass ich heute Abend in irgendeinem Lokal sitze. Ein bisschen Privatsphäre ist ja auch nicht schlecht. Vor einigen Monaten saßen meine Frau und ich in einem Lokal. Da war ein junges Paar, die saßen sich gegenüber. Jeder hat sein Smartphone in der Hand, und sie haben kein einziges Wort miteinander geredet. Die haben bestellt, um dann weiter in ihre Handys zu gucken! Ich habe ohne Facebook nichts versäumt oder vermisst.

Wen würden Sie gern noch interviewen in Ihrem Leben?

Ich habe ja ein Faible für klassische Musik. Ich mache in Berlin ein Festival mit ein paar Verrückten: Young Euro Classic. Da waren meine Frau und ich zusammen mit Musikern zu Abend essen, das hätte ich gerne häufiger gemacht. Das ist eine ganz andere Welt. Ich wollte ja eigentlich Musik machen, Musikwissenschaften studieren. Ich habe die Entscheidung für den Journalismus nicht einen Tag bereut. Aber in meinem zweiten Leben würde ich dann gern Dirigent werden. Ich bin früher auch gern in Orchesterproben gegangen. Damals beim WDR durfte ich als junger Reporter das Kölner Rundfunk Symphonie Orchester auf einer dreiwöchigen Tournee nach Japan begleiten und darüber berichten. Daran erinnere ich mich heute noch sehr gern. Ich habe sogar mal überlegt, ob ich in diese Branche reingehe, bin dann aber in der Politik geblieben.

Können Sie dirigieren?

Ich habe mal einen Dirigentenkurs bei einem sehr bekannten Dirigenten von Kollegen geschenkt bekommen. Inklusive Partitur. Leider hat es aus Zeitgründen nie geklappt. Zu Hause habe ich ein Buch, wie man dirigiert. Und als kleiner Junge habe ich vor dem Radio gestanden und versucht, herumzudirigieren. Aus dieser Branche würde ich schon gern die eine oder andere Persönlichkeit kennenlernen.