Treffen

Salto, Entenbrust und weiße Porzellan-Bären

350 Diplomaten aus aller Welt kommen zum traditionellen Nikolaus-Lunch ins „Palazzo“ in Friedrichshain

An diesem Vormittag zeigte sich, dass es wohl nur in Deutschland unüblich ist, Alkohol bereits beim Mittagessen zu sich zu nehmen. Denn ganz selbstverständlich griffen die meisten Gäste beim diesjährigen Botschafter-Nikolaus-Lunch zum Weinglas. Dieser wurde am Sonntag traditionell vom „Diplomatischen Magazin“ im Palazzo veranstaltet – und kann mit Gästen aus mehr als 80 Nationen als überaus international angesehen werden.

Und so wurden rund 350 Botschafter, Gesandte, Verteidigungsattachés sowie Vertreter aus Politik – zahlreiche von ihnen mit Partner und Kindern – von Veranstaltungschef Hans-Peter Wodarz in Friedrichshain begrüßt. Sie alle erwarteten Ausschnitte aus dem aktuellen Varieté-Programm und ein Drei-Gänge-Menü von Sternekoch Kolja Kleeberg.

Letzterer war auch mit seinen vier Kindern gekommen – und verriet ganz nebenbei, dass auch er einmal Diplomat werden sollte. „Mein Großvater war es – in Stockholm und in Brüssel“, so der 50-Jährige. „Und mein Vater wollte, dass ich auch diese Richtung einschlage.“ Die Entscheidung, sein Jura-Studium hinzuwerfen und sich dem Kochen zu widmen, machte den väterlichen Traum jedoch zunichte.

Höhepunkte des Vormittags waren neben Kleebergs orientalischer Linsensuppe mit Falafel, der rosa gebratenen Entenbrust und dem gebrannten Schokoladen-Brownie die Ehrung zweier Gäste, die zum „Ambassador of the Year“ und zum „Consul of the Year“ gewählt worden waren. Als Botschafterin des Jahres hatte man Nongnuth Phetcharatana aus Thailand ausgesucht – die Laudatio auf sie hielt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin. „Sie ist mit dafür verantwortlich, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand so gut sind“, lobte der Politiker und überreichte ihr als Preis einen weißen Porzellan-Bären. „Nur im Team ist das alles möglich“, betonte sie im Anschluss in ihrer Dankesrede. „Es ist ein riesiges Privileg, diesen Preis entgegen zu nehmen.“ Als Konsul des Jahres hatte man den Honorarkonsul Siegfried Lingel, den Präsidenten der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft e.V., ausgewählt. „Lob ist manchmal fast schwerer zu ertragen als Kritik“, sagte er, nachdem auch er einen weißen Porzellan-Bären entgegen genommen hatte. „Es ist eine Ehre nicht nur für mich, sondern auch für die Bürger Mosambiks, einem armen und gleichzeitig so reichen Land.“ Sein Laudator war wohl der am weitesten angereiste Gast an diesem Tag: Joaquim Alberto Chissano, der zweite Staatspräsident der Republik Mosambik. „Lingel hat eine ganz neue Form der Diplomatie eingeführt, dafür sind ihm alle Bürger der Nation dankbar“, sagte er überschwänglich. „Er ist immer ein wichtiger Partner für unser Land gewesen.“

Ebenso überschwänglich war der Applaus der Gäste, darunter die Botschafter aus Äthiopien, Bolivien, Honduras und Vietnam. Mehr gab es nur für die Artisten aus dem Palazzo-Programm, die nicht nur die Kinder begeistern konnten. Die „Mustache Bros“ wirbelten als fliegende Kellner durch die Luft und landeten nach einigen Saltos gefährlich nahe zwischen den Tischen der Gäste. Kinder hatten jedoch nicht nur die Gäste mitgebracht, sondern auch Jongleur Paul Ponce, der trotz einer beeindruckenden Show seine drei jonglierenden Kinder – zumindest, wenn es um den Applaus geht – nicht übertreffen konnte.