Stilfrage

Einmal Föhnen to go, bitte

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Vergangenes Wochenende war ich auf einer von vielen Weihnachtsfeiern eingeladen. Um der ganzen Besinnlichkeit etwas entgegenzusetzen, hatte ich mir überlegt, meine Haare auf das Volumen der 80er-Jahre aufzupusten. Glamour gegen zu viel Weihnachtsbesonnenheit. Als ich meiner Tante kurz vorher am Telefon sagte, ich müsse mich beeilen, ich hätte einen Termin bei einer „Blow-Dry-Bar“ hörte ich am anderen Ende der Leitung erst einmal: nichts. Dann: „Kind, ich weiß ja nicht, was ihr da in Berlin so macht. Geht mich ja auch nichts an. Aber tagsüber in eine Bar? Brauchst du Geld?“

Um dieses Missverständnis ein für alle Mal aufzuklären: In einer Blow-Dry-Bar bekommt man die Haare geföhnt. Sonst nichts. In Los Angeles oder London gehört das Föhnen der Haare auf einen bestimmten Style schon längst ins Repertoire des üblichen Schönheitsregimes. Wichtiger Unterschied zum Besuch beim Frisör: Die Haare sollten bereits gewaschen und getrocknet sein. Die Behandlung dauert meist nicht länger als 30 Minuten, den Look sucht man sich vorher aus. In London und auch in Paris kann man sich in allen großen Kaufhäusern auf den Behandlungsstuhl legen. Das Gleiche gilt dort für das In-Form-Bringen von Augenbrauen oder das Glätten der Haare mit einem Glätteisen.

Für deutsche Kunden ist die Vorstellung, sich mitten auf der Verkaufsfläche eines Einkaufstempels die Haare richten zu lassen, mehr als seltsam. In deutschen Kaufhäusern beobachte ich immer noch voller Verwunderung, wie Verkäuferinnen einiger Kosmetikmarken von den Kunden verschreckt angeschaut werden, weil man sie schminken will. Ganz ehrlich, das darf man machen. Hier sind Profis am Werk.

Die Briten sind da deutlich schmerzfreier. Ein Angebot zum Aufhübschen auf der Verkaufsfläche wird dort dankend angenommen. Manchmal vereinbart man sogar Termine für besondere Gelegenheiten und revanchiert sich mit dem Kauf eines Lipgloss oder ähnlichem.

Meine Tante konnte ich im Übrigen auch beruhigen. „Ach so, das ist wie ein Mal die Woche samstags zur eiskalten Hand (dem örtlichen Frisör) gehen. Sag das doch gleich!“