Fernsehen

Zwei starke Frauen für einen Haudegen

Natalia Wörner und Dennenesch Zoudé spielen im Film „Götz von Berlichingen“

Gottfried „Götz“ von Berlichingen wäre zutiefst beleidigt gewesen, hätte er gewusst, dass keine der Frauen auch nur einen Gedanken an ihn verschwendet, als sie den Weg ins Café Manzini in Wilmersdorf antreten. Statt des Frauenhelden und fränkischen Reichsritters sind es die Herren Heinrich von Kleist und Frank-Walter Steinmeier, um die ihre Gedanken gerade kreisen. Macht nichts, denn von Berlichingen ist Geschichte. Im Spätmittelalter trieb er sein Unwesen mit Wegelagerei und Plünderungen. Sein berühmter Ausspruch „er kann mich im Arsche lecken“, der in Goethes Schauspiel überliefert wurde, findet sich bis heute im Sprachgebrauch wieder.

Ein Haudegen also, der die Vorlage für einen neuen Historienfilm lieferte. Der Ritter in „Götz von Berlichingen“ (am heutigen Donnerstag, 20.15 Uhr, RTL, Regie: Carlo Rola) wird verkörpert von Henning Baum. An seiner Seite spielen unter anderem Natalia Wörner und Dennenesch Zoudé. Mit beiden Frauen sind wir, unabhängig voneinander, zum Gespräch verabredet. Beide haben, unabhängig voneinander, das Café Manzini am Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf als Treffpunkt gewählt. Beide berichten, dass sie mit ihren Gedanken schon woanders seien, nachdem der „Götz“ abgedreht sei: Bei Wörner ist es eine bevorstehende Reise mit dem Bundesaußenminister, als Vorbereitung auf einen Film, bei Zoudé ihre aktuelle Rolle in einem Kleist-Stück. Beide Frauen bestellen Tee. Neben der Vorliebe für Kräutertee und der Verbundenheit zur City West haben die Schauspielerinnen jedoch wenig gemeinsam. Während die lebhafte Zoudé frei heraus plaudert, ist Wörner deutlich reservierter und überlegt genau, was sie preisgibt. Über ihre Rolle spricht sie aber gern. Sie spielt in „Götz von Berlichingen“ die skrupellose und intrigante Fürstin Adelheid von Walldorf. „Es ist eine tolle Herausforderung gewesen, als Schauspielerin eine Frau zu verkörpern, die sich in diesem Reigen von Männern komplett über deren männliche Prinzipien stellt“, erzählt die 47-Jährige, „der das piepegal ist und die ihren eigenen Stiefel durchzieht.“ Stiefel hat Zoudé während der Dreharbeiten in den tschechischen Wäldern vermisst. Sie spielt die Heilerin Saleema, die den verletzten Reichsritter verarztet, und musste sich in ihrer Rolle leichtbekleidet und barfuß der Natur ausliefern. Die ebenfalls 47-Jährige bezeichnet sich als absolutes „Großstadtkind“: „Ich finde die Natur toll, aber auch nur mit der richtigen Ausrüstung. Schlangen, Frösche, Hunde und Pferde lösen in mir ebenfalls nicht gleich ein ‚Juhu‘ aus. Aber die Rolle der Saleema zu leben und die Natur aus ihren Augen zu betrachten, war sehr spannend“, sagt Zoudé. Sie habe sich im Zoo vorbereitet, Raubtiere und Vögel beobachtet, um zu sehen, wie man kommuniziere, „wenn man permanent auf der Hut sein muss“.

Privat gehören Tierbeobachtungen nicht zu Zoudés favorisierten Entspannungsprogrammen. Jeden Tag beginnt sie mit Yoga und macht sich einen „warmen Brei mit Früchten“. Rituale seien ihr wichtig, die brauche sie, um sich in ihrem unsteten Schauspielerleben zu erden. Wörner fehlt eigenen Angaben zufolge die Disziplin für tägliches Yoga. Auf der Matte steht sie trotzdem, für Söhnchen Jacob Lee. Ihre Entspannungstechnik: „Ich tauche in dem Alltag ab. Da ist man ja als Mutter auch binnen kürzester Zeit wieder am richtigen Platz verortet.“ Mutterglück bei der Einen, Glück als Lebensmotto bei der Anderen: Ihr Ziel sei es, jeden Tag glücklich zu sein, verrät Zoudé. „Den Moment jetzt zu genießen. Ich möchte nicht zurück schauen und nicht nach vorn. Den Tag heute gut gestalten. Das macht mich glücklich.“ Zwei starke Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Dem Reichsritter damals hätten sie wahrscheinlich beide gezeigt, wo der Hammer hängt. Aber Götz ist ja schon lange Geschichte.