Zwischenmenschlich

Fuchs, wir ham’ die Gans gestohlen

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

Als ich neulich abends nach Hause kam, saß ein Fuchs vor meiner Haustür. Fast so, als hätte er auf mich gewartet. Bevor ich ihn allerdings auf ein Bier reinbitten konnte, huschte er über die Straße und verschwand grußlos Richtung Lietzenseepark.

Ich war ein bisschen erleichtert, denn mir fiel ein, dass ich eh nur Jägermeister im Haus gehabt hatte, und den hätte ich ja schlecht anbieten können. Allerdings fand ich es auch schade, denn ich hätte den Herrn Fuchs gerne gefragt, was eigentlich grad mit der Berliner Tierwelt los ist. Dass in Brandenburg die Stachelschweine, Nashörner und vor allem Kängurus los sind, wundert einen nun nicht wirklich. Außer dem Baumblütenfest ist in Werder/Havel ja nicht viel los, und nur weil dort im Winter der Hund begraben liegt, muss das ja nicht fürs Känguru gelten. Ich würde mich nicht wundern, wenn das ausgerissene Beuteltier bald in Kreuzberg auftaucht, einen Pop-up-Store für Beuteltaschen eröffnet und anfängt, einen Blog zu schreiben. Was nicht heißt, dass es so berühmt wird wie Dackel Kalle, der bereits einen Blog (king-kalle.berlin) und mehr als 1000 Facebook-Fans hat, und jetzt sogar einen Kalender rausbringt – zugunsten der Tiertafel.

Doch nicht jedes Berliner Tier hat so ein behütetes Leben. Denken wir nur an die 19 Klapperschlangen, die ein herzloser Besitzer vor einiger Zeit in seiner Weddinger Wohnung zurückließ. Kein Wunder also, dass die Tierwelt ihr Schicksal selbst in die Pfoten nimmt und versucht, woanders ein neues Leben anzufangen. So wie die Katze in Prenzlauer Berg, die am Wochenende vom Balkon auf Nachbars Fenstersims geklettert war, um von dort die Welt zu erkunden. Sie konnte ja nicht ahnen, dass sie in 30 Metern Höhe festsitzen und die Höhenrettung anrücken würde. Aber immer noch besser als die damaligen Fluchtversuche der drei westkaukasischen Steinböcke im Zoo, die schlussendlich im Wolfsgehege endeten. Zu den armen Schweinen gehört derzeit aber auch das Federvieh, Stichwort Vogelgrippe. Der brandenburgische Verbraucherschutzminister sagt zwar, es drohe keine Gefahr. Für so ’ne Weihnachtsgans natürlich ein toller Trost.

Ich kann also gut nachvollziehen, dass man hier als Tier schon mal die Nerven verlieren und wie Gorilla Ivo im Zoo mit Steinen nach gaffenden Zweibeinern werfen kann. Dumm nur dass er, was das Zielen angeht, auch nur ein Mensch ist.