Interview

5000 Platten sind sein eigen

Bela B. über musikalische Vorlieben für alle Lebenslagen

Die Ärzte machen gerade Pause. Trotzdem ist Bela B. viel beschäftigt. Mit seinem Solo-Projekt „Bela B. & Smokestack Lightnin“ schlägt er ungewohnte Folk-Töne an. Am kommenden Dienstag spielt er im Kesselhaus in der Kulturbrauerei. Ein Gespräch über Lieblingsplatten aus allen Genres und Zeiten.

Berliner Morgenpost:

Welche Platte haben Sie zuletzt gekauft?

Bela B.:

Die letzte Platte, die ich gekauft habe, war das aktuelle Tom-Petty-Album „Hypnotic Eye“. Das wollte ich auf Vinyl haben, und die gab es erst vier Wochen nach der eigentlichen Veröffentlichung. Als ich die Platte dann schon in den Händen hielt, sagte der Verkäufer, in weiteren vier Wochen kommt eine neue Version mit Fotos und einem Bonustrack. Also habe ich wieder gewartet. Bei solchen Platten ist es mir egal, ob ich sie am Tag der Veröffentlichung habe oder Monate später. Ich kaufe mir oft Platten, die schon Jahrzehnte alt sind. Soundtracks oder Platten, die von mir bisher unentdeckt waren.

Kaufen Sie als Vinyl-Liebhaber Musik trotzdem auch digital?

Klar. Ich habe auch einen Streaming-Account, den ich aber bisher wenig genutzt habe. Ich habe da schon einiges mitgemacht und versuche, dem technischen Fortschritt auch etwas Positives abzugewinnen. Wenn ich zum Beispiel in einem Film oder einer Serie einen Song höre, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht, dann kaufe ich mir manchmal nachts den Song im Internet. Das Swing-Album von Lady Gaga und Tony Bennett habe ich mir digital gekauft, weil mir das musikalisch gut gefällt. Die Download-Version hat, glaube ich, 30 Songs, die Vinyl-Version nur 14. Aber die Platte kostet trotzdem 30 Euro. Also dachte ich, Lady Gaga schulde ich nichts, also hole ich mir das Mammut-Ding für zehn Euro.

Welche war Ihre erste Platte?

Mein erstes Rock-Album warSuzi Quatro, das Debütalbum. Meine erste offizielle Rock-Single war „Ballroom Blitz“ von Sweet. Aber inoffiziell war meine erste Single als kleiner Junge von Tony Marshall „Heute hau’n wir auf die Pauke“. Meine Schwester hat von unserer Oma „Schöne Maid“ bekommen. Beide Singles habe ich noch. Meine Schwester hat mir ihre dann vermacht, als sie ausgezogen ist.

Sie werfen also keine Platten weg?

Nein. Ich habe mal ein paar verkauft. Als ich Punkrock für mich entdeckt habe, bin ich auf den Flohmarkt gegangen, weil ich dachte, ich brauche den Ballast nicht mehr. Drei Wochen später habe ich alles zurückgekauft.

Ist die inoffizielle erste auch gleichzeitig die peinlichste Platte, die Sie besitzen?

Nee, da gibt es schon noch andere peinliche Sachen. Ich versage es mir auch nicht, hin und wieder einen Hit zu kaufen. Meistens dann als Single. „I Follow Rivers“ in der Version von Triggerfinger zum Beispiel.

Platten, auf die Sie besonders stolz sind?

Ich habe eine Lee-Hazlewood-Platte mit einem superhässlichen Cover, die später noch mal mit einem aktuellen Foto von ihm herausgekommen ist. Und ein paar indizierte Cover und Platten. Das sind Dinge, die mich reizen. Ich brauche keine Erstauflage von einer Platte, die Musik ist ja dieselbe.

Wie viele Platten besitzen Sie?

Knapp 5000.

Und wie bewahren Sie Ihre Platten auf?

Ich habe sie sortiert und mir dafür ein Regal bauen lassen.

Wo hängen Ihre Goldenen Schallplatten?

Die stehen alle gestapelt in einer Ecke, zusammen mit den Gitarrenkoffern. Ich hatte sie früher in einem schrottigen Keller aufgehängt. Ich bin schon stolz darauf, dass wir so viele Platten verkauft haben, und einige davon sehen auch wirklich originell aus. Aber irgendwie ist es auch eine komische Angebernummer. Da laufe ich dann zwischen meinen Goldenen Schallplatten rum, das ist doch merkwürdig. Ich habe bisher noch keinen richtigen Platz dafür gefunden.

Welche Platten haben Sie geprägt?

Da gibt es ganz viele. Vor allem die Haltung von verschiedenen Musikern hat mich geprägt. Deshalb ist mein aktueller Schritt in die folklastige, akustische Richtung für mich nicht so überraschend wie für viele andere. Johnny Cash war für mich sehr wichtig, den habe ich schon als Kind im Fernsehen bewundert. Elvis hat mich als Typ geprägt. Und Kiss ganz besonders wegen ihrer Shows.

Was ist für Sie die ultimative Liebeskummerplatte?

Als Teenager war das für mich „Purple Rain“ von Prince, weil es da nur um Liebe und Herzschmerz geht. Heute höre ich in diesem Fall gerne mal Punkrock. Bei Liebeskummer hilft es manchmal auch, wenn es laut ist.

Und die beste Platte zum Knutschen?

Auch Prince. Und ich habe seit ein paar Jahren eine wunderbare Band für mich entdeckt, The Avett Brothers. Die spielen Bluegrass-Folk. Das kann man sehr gut zum Fummeln hören. Oder Motörhead. Da kann es aber sein, dass die Partnerin die rote Karte zieht.