Ausstellung

Der Fotograf, dem die Stars vertrauen

Bis zum 28. Februar sind die Werke von Martin Schoeller in der CWC-Galerie zu sehen

„Niemand lässt sich wirklich gern fotografieren“, sagt Martin Schoeller und nimmt einen großen Schluck aus seinem Wasserglas, „außer vielleicht einige Models“. Der Mann mit den braunen Rastalocken sitzt in der CWC-Gallery in der ehemaligen Mädchenschule in Mitte und betrachtet die Hängung seiner Bilder. Rund 60 „Portraits“ sind es, die für die gleichnamige Ausstellung in der Galerie an der Auguststraße 11-13 präsentiert werden. Sie alle zeigen prominente Menschen: Künstler, Schauspieler, Sportler und Musiker, die sich von Schoeller ablichten ließen. Sie taten das, obwohl sie vorher schon zu Tode fotografiert worden sind. Aber vielleicht ahnten sie, dass ein Bild von ihm etwas Besonderes werden würde.

Nun hängt hier ein Portrait von George Clooney mit einem Zeitungsausschnitt über den Augen, der Künstler Jeff Koons blickt mit weißgeschminktem Gesicht und Blumenschmuck auf dem Kopf auf seine Betrachter herab, und der Schauspieler Robert De Niro sitzt neben Passanten in der U-Bahn. Die Bilder aus dem Zyklus „Portraits“, die Schoeller mit Werken aus seiner Serie „Close Up“ kombiniert hat, sind das Resultat vieler Jahre harter Arbeit, und sie haben den 48-Jährigen zu einem der gefragtesten Künstler seines Genres gemacht – zu einem, der die Berühmtheiten nicht nur vor die Linse bekommt, sondern sie auch voller Witz und schwarzem Humor ablichten konnte.

Da springt Quentin Tarantino in Zwangjsacke auf dem Bett herum. Da lässt sich Modedesigner Valentino auf einer Freitreppe von rotgewandeten Models anhimmeln wie ein Gott. Wie es der gebürtige Münchner schafft, die Stars zu derart selbstironischen Posen zu überreden? „Es ist immer auch eine gehörige Portion Glück dabei“, sagt er und blinzelt, „meistens bereite ich zwischen sechs und acht Ideen vor und fange mit der harmlosesten Variante an.“ Nun lächelt er. „Wenn sich die Atmosphäre im Laufe des Shooting etwas entspannt hat, muss nur noch die Gelegenheit günstig und der PR-Manager einmal kurz auf die Toilette sein.“ Dann kommt Schoellers Moment – und er mit seinen Vorstellungen und Requisiten, die er natürlich die ganze Zeit im Köcher hatte. Dann lässt sich der Komiker Steve Carell schnell das Gesicht mit Tesafilm verkleben und Michael Douglas ein leichtes Make-up auflegen. „Je berühmter die Stars sind, desto entspannter machen die auch so etwas mal mit“, sagt Schoeller, „die müssen sich nichts mehr beweisen.“ Natürlich gelingt diese Strategie nicht immer. Bei „20 bis 30 Prozent“ liege seine Erfolgsquote im Schnitt, so Schoeller, bei den übrigen Sessions und Stars könne er seine Ideen nicht durchsetzen. Dafür entsteht aber manchmal etwas völlig Neues. Wie bei Angelina Jolie. Als die Schauspielerin vor einigen Jahren in sein Studio kam, habe er zuvor gelesen, dass sie sich während der Dreharbeiten zu einem Actionfilm die Nase gebrochen habe. Also wollte Schoeller die Schauspielerin mit blutender Nase fotografieren. Doch Jolie lehnte entschlossen ab. „Dann denken die Leute, ich wäre kokainabhängig“, habe sie abgewinkt, „aber mir könnte ja das Blut aus dem Mund laufen.“ Gesagt getan. Das Bild von Jolies prallen Lippen, an denen die Blutstropfen dick und rot herunter rinnen, gehört heute zu Schoellers bekanntesten Bildern.