Gastronomie

Nach Cookies und Chipps gibt’s Crackers

Kult-Gastronom Heinz Gindullis eröffnet sein neues Restaurant an der Friedrichstraße

In der Küche wartet er auf seinen Gast. Links vom Geschäft „Ampelmann“ an der Friedrichstraße geht es durch eine Holztür, einen langen, grauen Gang entlang, vorbei an Graffiti auf Rohren, direkt ins Herz des alten „Cookies“-Club: die Küche, in der Heinz „Cookie“ Gindullis an babyblauer Kachelwand steht. Bevor er in den alten Clubsaal führt, in dem Stühle mit neongelben Füßen und Bezug in Petrol, Mahagoni-Mobiliar und Goldbesteck und eine Bar auf die ehemaligen Clubgänger wartet.

Vier Monate nachdem Heinz Gindullis sein „Cookies“ geschlossen hat, eröffnete er am Dienstagabend den ehemaligen Club neu als Restaurant – und zwar genau 20 Jahre nach der Eröffnung des Cookies. „Obwohl ich schon ein routinierter Gastgeber bin, ist dieser Abend etwas ganz Besonderes“, so Gindullis. „Ich bin sehr gespannt, wie das neue Konzept ankommt.“ Das wollten auch die zahlreichen geladenen Gäste. Knapp 1000 Menschen hätten über den Abend hinweg das neue Restaurant besucht, so die Gastgeber. Unter ihnen der Kulturstaatssekretär Tim Renner, Schauspielerin Simone Hanselmann, Schauspieler Florian Fitz, It-Girl Bonnie Strange und Choreographin Sasha Waltz. Sie alle drängten sich durch den Restaurantbereich, der an diesem Abend mit der Menge an Menschen an alte Cookies-Zeiten erinnerte. Klar wurde wieder einmal, dass Gindullis weiß, wie er seine Kundschaft an sich bindet. Die persönliche Begrüßung der Gäste, Pflege der Stammgäste und die direkte Ansprache durch Textnachrichten von Gindullis selbst, galt auch knapp 20 Jahre später im inzwischen sieben Mal umgebauten und/oder umgezogenen „Cookies“.

Nun soll nicht mehr zu Elektromusik getanzt werden. An der Friedrichstraße Ecke Unter den Linden regiert jetzt anspruchsvolle Küche und Berliner Design. Gemeinsam mit Stammarchitektin Laura Rave hat Gindullis aus dem Tanzsaal, aus dem „Cookies“, das er an verschiedenen Standorten in Berlin über 20 Jahre erfolgreich geführt hat, einen Gastraum mit rund 100 Plätzen gemacht. „Crackers“ heißt es, passend zum „Cookie“-Imperium aus den Restaurants „Cookies Cream“ und „Chipps“. Und passend zum umgangssprachlichen „It was such a cracker last night“ – „Es war einfach unglaublich letzte Nacht.“ Fleisch, Fisch und Vegetarisch bietet das „Crackers“. Küchenchef Stephan Hentschel, der ein Stockwerk höher bereits gemeinsam mit Gindullis das „Cookies Cream“, vegetarisch Fine Dining, sowie das „Chipps“ in Mitte und selbstständig das „Volta“ an der Brunnenstraße betreibt, liefert auch hier das Küchenkonzept.

„Cookies“ Lieblingsgerichte und die seiner Freunde koche er hier, sagt Hentschel. Von der Maissuppe mit Chili und schwarzem Knoblauch über Eisbergsalat am Spieß mit Stilton, Charolais-Filet und -Entrecôte aus Mecklenburg-Vorpommern bis zu Amalfizitronensorbet und Quittenstreusel mit Saure-Sahne-Eis. „Metropolitan modern“ nennt Hentschel das, „eine Großstadtküche, wie sie es auch in New York, London oder Paris geben könnte, für die Jet-Lag-Leute dieser Welt, Künstler und Co.“.

In Berlin kommen während der Soft-Opening-Phase zwei Wochen vor der offiziellen Eröffnung und dem normalen Betrieb ab Donnerstag, täglich ab 18 Uhr, Gäste wie Designer Michael Michalsky, „Grill Royal“-Betreiber Boris Radczun oder Schauspieler Daniel Brühl vorbei.

Sehr überrascht über die neue Optik des Raumes seien viele gewesen, erzählt Gindullis. Aber alle hätten sich wohl gefühlt, „als gebe es das Leben draußen für ein paar Stunden nicht mehr“. Der Abschied vom Clubleben – das „Crackers“ soll ein reines Restaurant mit Bar, an einigen Abenden mit begleitender DJ-Musik werden – sei ihm schon schwergefallen, sagt der 39-Jährige. Aber als die Idee Ende vergangenen Jahres da gewesen sei, sei es doch schnell gegangen mit dem Umbau. „Dank Team, dank meiner Freunde.“ Ob seine Freunde und er, ein Großteil der Berliner Szene der 90er- und 2000er-Jahre, auch ruhiger geworden sind? „Cookie“ ist vor gut zwei Jahren zum ersten Mal Vater geworden, zum Sohn ist kürzlich noch eine Tochter hinzu gekommen. „Weiß ich nicht“, sagt Heinz Gindullis, „aber ich habe schon immer das gemacht, wo ich mich zu dem Zeitpunkt meines Lebens selbst am wohlsten gefühlt habe.“