Interview

„Berlin habe ich immer geliebt“

Nach einer Live-Tour im In- und Ausland stellt Michael Mittermeier sein neues Programm vor

Michael Mittermeier beißt beherzt in eine Stulle mit Ei. Hinter ihm liegt unbeachtet der graue Berliner Himmel über den Dächern der Hauptstadt. Im Hochhaus von „RTL Radio“ am Kurfürstendamm hat er sich an diesem Morgen Ende Oktober zu einem Interviewmarathon eingefunden, um seine neue DVD „Blackout“ und die gerade gestartete Deutschland-Tour zu bewerben. Später geht es nach Köln, zur Show mit Comedy-Kollege Kaya Yanar.

Mittermeier trägt Jeans und Kapuzenshirt, dazu einen neuen Haarschnitt, blond und peppig. Auf seiner Nase sitzt eine schwarze „Ray-Ban“-Brille mit dickem Rand. Hinter dem Comedian liegen 1,5 Jahre Live-Tournee mit Auftritten unter anderem in Österreich, der Schweiz, England und den USA. Ein Assoziationsinterview.

Berliner Morgenpost:

Herr Mittermeier, was fällt Ihnen zu folgenden Themen ein: Deutscher Humor?

Michael Mittermeier:

Im Ausland denken sie nicht, dass wir welchen haben. Es gibt keine Nation die sagt: ‚Oh, die Deutschen sind für ihren Humor bekannt.‘ Aber den deutschen Humor, den gibt es ja auch gar nicht. Humor an sich ist eigentlich international. Natürlich hat jedes Land seine lokalen Referenzen, weil es seine eigene Sprache, Kultur und Politik hat.

Trubel um die vermeintliche Islam-Feindlichkeit ihres Kollegen Dieter Nuhr?

Da hat sich jetzt mal einer aufgeregt und mit 40 anderen in Osnabrück demonstriert. Das waren 41 Muslime. Zeig’ mir den riesigen muslimischen Aufstand in Deutschland, der da losgegangen ist. Es gab keinen! Das hat die Muslime nicht interessiert. Auch Muslime verstehen Humor. Und das ist einfach Satire, was Dieter Nuhr macht. Wir Kabarettisten und Comedians machen Nummern über alle Religionen und gesellschaftlichen Themen. Wir grenzen nichts aus. Das nennt man Meinungsfreiheit. Und wer hier leben will, sollte Meinungsfreiheit akzeptieren. Natürlich kann sich einer verletzt fühlen, bei irgendeiner Bemerkung. Ich habe auch schon alle Shitstorms durch. Katzenfans, Katholiken, Helene-Fischer-Fans. Du findest immer jemanden, der sich aufregt. Aber Satire ist frei und sollte das auch immer bleiben. Natürlich sollte man sich nicht über Schwächere lustig machen. Aber wo ist denn der Islam schwach? Im Moment ist doch der Typ, der sich angegriffen gefühlt hat und klagt, eigentlich der, der sagt, der Islam sei schwach, weil der Islam keinen Humor aushalte. Damit beleidigt er den Islam. Der Mann in Osnabrück hat den Islam beleidigt! Eine Religion, Menschen, Regierungen, müssen Humor aushalten. Immer da, wo kein Humor akzeptiert wird, läuft was schief. Wo werden denn Comedians verfolgt? Immer da, wo sehr autoritär gehandelt wird. Das Wort hat eine Macht. Wenn die Leute lachen, wird der Mächtige ein bisschen runtergeholt. Und das ist auch gut so.

Berlin?

Berlin hab ich immer geliebt. Als ich Anfang der 90er als Comedian nach Berlin kam, da war der Bayer hier nichts wert. Die Berliner sind ein bisschen wie die Engländer, sehr tough und ehrlich. Da hast du schon mal gehört: ‚Ey Alter, ich mag die Bayern nich!‘. Und da ist schon mal der ein oder andere aufgestanden und gegangen. Das passiert jetzt nicht mehr. Aber ich mochte die Art immer. Berlin hat was Ehrliches. Sieht man ja am Flughafen, das ist einfach ehrlich. Keiner wollte ihn je! Warum Klaus Wowereit zurückgetreten ist, weiß ich eigentlich nicht, weil eigentlich hat er nur das erfüllt, was alle Berliner denken: ‚Wir wollen diesen Flughafen nicht!‘ Das hat er sensationell hingekriegt. Bei dem Bürgermeister, der den Flughafen dann eröffnet da werden alle sagen: ‚Boah, dieser Spacko, den wähl’ ich nicht mehr. Der hat den Flughafen gemacht, den wollten wir gar nicht!‘

Und zu Helene Fischer?

Helene Fischer ist eine Sängerin. Die ich bemitleide, weil sie nicht das singen kann, was sie eigentlich gern singen wollen würde. Das tut mir leid. Die will keine deutschen Schlager singen. In ihren Live-Shows singt sie immer auch Rock, Balladen, Robbie Williams, Celine Dion. Da frage ich mich natürlich: Warum tut das jemand? Wieso geht die auf die Bühne und macht das? Das wäre als ob ich da stehe und Witze von Otto oder Dieter Hildebrandt erzähle. Da muss ja ein Drang da sein, etwas anderes zu tun: ‚Ich will gern auf Englisch ein Weltstar werden.‘ Ansonsten … Sie ist ja total nett.

Grüne Smoothies?

Würde ich nie trinken. Da geht die Farbe nicht. Gelbe Smoothies! Wenn ich meiner Tochter einen Grünen Smoothie hinstellen würde, würde sie denken, ich will sie vergiften. Grün ist die Farbe des Bösen. Wenn ich früher auf der Bühne eine Nummer über den vom Teufel besessenen Zeugen Jehovas gemacht habe, habe ich grünes Licht verwendet. Grün ist krank. Immer. Wenn die Hexe kommt und es wird gruselig, dann wird es grün. Also Freunde: Grüne Smoothies könnt ihr nicht verkaufen.