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Bei Schrowange darf es zum Jubiläum „etwas mehr sein“

Die Moderatorin legt ihre Autobiografie vor. Eine Kritik

Es muss an ihren imposanten Augenbrauen liegen. Daran, dass sie wie hypnotisiert auf den Teleprompter starrt und dabei eine staatstragende Miene aufsetzt. Birgit Schrowange ist ein Phänomen. Seit 20 Jahren leiht sie RTL ihr Gesicht für „Extra“, ein Magazin, das sich mit Reportagen und sensationsheischenden Verbrauchertests eine Nische zwischen investigativem Journalismus und Boulevard erobert hat.

Birgit Schrowange ist 56 Jahre alt, die grauen Strähnen sind aus ihrem Haar verschwunden. Ihr Ego aber wächst noch immer. Inzwischen verkauft sie Beiträge mit einem Selbstverständnis, als sei sie der kreative Motor jeder Sendung. Und doch wird man das Gefühl nicht los, als spiele sie diese Rolle. Birgit Schrowange ist „Rollenmodel einer emanzipierten Karrierefrau“. Diesen Begriff findet man in ihrer jüngst erschienen Autobiografie. Sie heißt „Es darf gern etwas mehr sein!“, mit Ausrufezeichen, das sagt viel. Als Überfliegerin, so verkauft sich die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Und als wäre das schon nicht eine Spur zu dick aufgetragen, auch noch als „role model“ der emanzipierten Karrierefrau, die sich nimmt, was ihr gefällt, auch privat. Es entbehrt nicht der Ironie, dass sich die Öffentlichkeit erst für ihr Privatleben zu interessieren begann, als 2006 ihre Beziehung zu Markus Lanz zerbrach, elf Jahre jünger als sie, damals RTL-Aushilfsmoderator. Wer ihr Buch liest, ist hin- und hergerissen zwischen Fremdscham und Entsetzen. Markus Lanz, der Vater ihres Sohnes Laurin, in der Rolle als Pantoffelheld und abgelegter Liebhaber? Alles andere würde nicht in das Bild passen, das sie von sich entwirft. Es entlarvt eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Betrachten wir die Dinge mal nüchtern: Wer würde sich heute für Birgit Schrowange interessieren, wenn sie 1994 nicht bei RTL gelandet wäre?