Interview

„Ich kenne Deutschland besser als viele Deutsche“

Chris de Burgh stellt in Berlin sein neues Album vor. Am Gendarmenmarkt fühlt er sich fast wie zu Hause

In diesen Tagen hat Chris de Burgh sein neues Album „The Hands of Man“ veröffentlich. Es ist das 20. in seiner 40-jährigen Karriere. Im kommenden Mai wird der Ire mit seinen Songs im Tempodrom zu Gast sein. Ein Gespräch im Hotel „Regent“ über die besten Restaurants der Stadt, Erinnerungen an den Gestank der Trabis in Ost-Berlin und die Vorteile von Whatsapp für das Familienleben eines Superstars.

Berliner Morgenpost:

Herr de Burgh, sprechen Sie ein bisschen Deutsch?

Chris de Burgh:

Ich verstehe ein bisschen etwas, aber sprechen klappt nicht so gut. Ich komme seit Jahren nach Deutschland, deshalb komme ich einigermaßen zurecht. Aber es ist eine schwere Sprache. Ich spreche fließend Französisch, und in Englisch bin ich auch ganz gut.

Können Sie sich noch erinnern, wie oft Sie schon in Berlin waren?

Nein. Vielleicht 50 Mal? Ich liebe die Gegend am Gendarmenmarkt. Ich habe hier einmal ein Konzert mit einem Orchester vor 500 Menschen gespielt. In den umliegenden Apartments haben die Leute Partys gefeiert, es war wunderbar. In der Waldbühne habe ich auch ein paar Mal gespielt und im ehemaligen Ost-Berlin. Ich erinnere mich an den furchtbaren Gestank der Trabis. Und daran, dass die Leute sehr dankbar waren, dass ich dort aufgetreten bin.

Sie haben also miterlebt, wie sich die Stadt verändert hat?

Ja. Es ist eine sehr interessante Stadt, weil sie, anders als andere Städte, mehrere Stadtzentren hat – und alle sind verschieden. Vor 30 Jahren war Berlin die Stadt für Künstler. Wahrscheinlich ist sie das immer noch für junge Leute. Alles ist hier möglich. Berlin ist ein Magnet für Menschen aus der ganzen Welt. Wenn man einen bestimmten Musik- oder Kunst-Lebensstil pflegen möchte, muss man nach Berlin kommen. Es ist sehr aufregend, hier zu sein.

Reisen Sie gerne?

Ich habe mein ganzes Leben auf Reisen verbracht. Ich glaube, ich kenne Deutschland besser als viele Deutsche. Ich war überall. Wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin und die Schilder sehe, fällt mir zu fast jedem Ort ein Konzert ein, das ich gespielt habe. Wenn man mit 60 Leuten auf Tour unterwegs ist, müssen die Dinge funktionieren. In Deutschland ist das der Fall. Wenn man dann über die Grenze fährt, nach Frankreich zum Beispiel, herrscht dort plötzlich Chaos. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Die skandinavischen Länder sind auch okay. Und überraschenderweise auch Russland.

Wie sieht das Tourleben bei Ihnen aus?

Ich reise normalerweise mit einem Minibus. Die Crew fährt mit einem großen Nightliner. Ich liebe diese Dinger. Vor ein paar Jahren habe ich zu meinem Geburtstag ein paar Freunde aus Irland eingeladen. Ich habe ihnen nur gesagt, sie sollen ihre Koffer für eine Reise ins Ausland packen und ihren Ausweis mitbringen. Also habe ich ein Flugzeug gemietet und bin mit ihnen nach Deutschland geflogen. Wir waren dann mit dem Nightliner in Köln und in Baden-Baden und vielen anderen Orten, die sie nicht erwartet hätten. Das war ein großer Spaß. Ich kannte in all diesen Städten auch die besten Restaurants.

Welche sind denn Ihre Lieblingsrestaurants in Berlin?

Ich gehe oft am Gendarmenmarkt essen. „Lutter & Wegner“ ist ein tolles Restaurant. Gestern war ich in der „Brasserie“. Ich meide die sehr teuren Restaurants, das ist Geldverschwendung. Man kriegt dort immer nur so winzige Portionen. Und ich bin Wein-Sammler. Deshalb schaue ich zuerst auf die Weinkarte. Wenn die Preise verrückt sind, ist das kein gutes Zeichen.

Erinnern Sie sich noch an alle Songs, die Sie jemals geschrieben haben?

Ich erinnere mich zumindest an alle Titel. Aber wenn ich einen Song von ganz früher singen sollte, wäre das schon schwieriger. Es sind schließlich etwa 280 Stück. Und das sind nur die, die es auf eine Platte geschafft haben.

Wie fühlt es sich heute an, wenn Sie ein neues Album veröffentlichen? Sind Sie noch aufgeregt?

Nein, aber ich erinnere mich daran, wie ich früher am Veröffentlichungstag am Telefon saß und auf Anrufe gewartet habe. Ich dachte, es müsste ein Feuerwerk und Flugzeuge mit Bannern geben, aber natürlich ist nichts dergleichen passiert. Die Platte ist einfach nur in den Verkauf gegangen. Aber es interessiert mich natürlich auch heute, was die Leute denken. Die jüngere Generation hat großes Glück, dass es jetzt Dinge wie Facebook gibt. Dort kann man die Reaktionen unmittelbar sehen. Wenn ich früher ein Konzert gespielt habe, fand es ein Kritiker super und der andere furchtbar. Ich habe mich immer gefragt, wie das sein kann, wenn beide in der gleichen Show waren. Also lese ich das nicht mehr. Auf Facebook hingegen sind die Leute, die wirklich die Platte gekauft und für die Tickets bezahlt haben. Und die haben das Recht zu sagen: Ich mochte das Konzert oder ich mochte es nicht. Und das ist alles, was für mich zählt.

Ich habe mir Ihr neues Album auf Spotify angehört. Sie gehen also mit der Zeit und nutzen die neuen Medien?

Ich finde das einen großen Vorteil. Ich habe zum Beispiel bei Whatsapp einen Gruppenchat mit meiner Familie. So weiß ich immer, was bei jedem los ist, auch, wenn ich unterwegs bin. Wenn ich früher mit meinen Eltern telefonieren wollte, musste ich erst Kleingeld für die Telefonzelle sammeln und konnte dann ein- oder zweimal im Monat anrufen oder einen Brief schreiben. Heute ist alles viel unmittelbarer. Das ist eine tolle Möglichkeit, um in Kontakt zu bleiben.

Können Sie es glauben, dass Sie wirklich schon 40 Jahre im Geschäft sind?

Nein, es ist unglaublich. Aber es hat Spaß gemacht. Auch, wenn das Musikbusiness oft sehr hart ist. In den ersten zwölf Jahren habe ich eigentlich überhaupt kein Geld verdient.