Gastronomie

Merkels Mann am Herd

Im November lädt Bruno Pellegrini zum Morgenpost-Menü in sein Restaurant „Ana e Bruno“

Wenn Andrea Girau kocht, guckt Angela Merkel zu. Immer. Gleich über dem Rahmen der Küchentür hängt die Bundeskanzlerin, auf einem Foto, mit den Händen klassisch zur Raute geformt. Um sie herum steht das Team des „Ana e Bruno“ aus Charlottenburg. „Das ist bei ihr zu Hause“, sagt Andrea Girau, „da wollte sie Spaghetti Bolognese von uns haben“.

Andrea Girau ist Küchenchef und Mitbetreiber des Restaurants an der Sophie-Charlotten-Straße. Gemeinsam mit Bruno Pellegrini und Serviceleiterin Vanessa Valero Saez lädt der gebürtige Sarde die Leser der Morgenpost im November zum Menü. Seit 1988 gibt es das „Ana e Bruno“ in Berlin. Vor 26 Jahren avancierte das in warmen Farben gestaltete Restaurant schnell zum In- und einzigem Gourmet-Italiener West-Berlins. Wolfram Siebeck sprach sich einst für zwei Michelin-Sterne aus, der Gault Millau verlieh 17 Punkte. Die Sterne blieben Pellegrini versagt, obwohl Mitte der 2000er-Jahre die Gourmets Berlins einig schienen, wo die beste italienische Küche in Berlin zu finden sei.

Küchenchef Girau bereitet den ersten Gang zu. Auf eine Creme von Blumenkohl bettet er eine glasig gebratene Jakobsmuschel, darauf lässt Girau getrocknete Tomaten fallen, die zuvor mit Olivenöl bearbeitet worden sind. Dazu reicht Vanessa Valero Saez einen Gavi Ca Adua aus dem Jahr 2011 von Fontanassa aus dem Piemont, leicht, fast ohne Bouquet, passend zur perfekt geratenen Jakobsmuschel. „Das ist Andreas Lieblingsgericht“, sagt Bruno Pellegrini, „da hört er jedes Mal die Wellen gegen die Felsen rauschen“.

Andrea Girau lebt seit 18 Jahren in Berlin. Nach Station in London ist er seiner Freundin 1996 in die deutsche Hauptstadt gefolgt. „Sie wollte mich beim besten Italiener Berlins unterbringen – deswegen bin ich bei Bruno gelandet“, so Girau. Nach einem Jahr in Charlottenburg entschied er sich jedoch, in ein italienisches Restaurant Berlins zu wechseln, in dem innerhalb des Teams mehr Deutsch gesprochen wird. So nett es gewesen sei mit seinen Landsmännern im „Ana e Bruno“, die deutsche Sprache habe er unbedingt lernen wollen, sagt Girau. Vom „Carpe Diem“, in dem er den heutigen „Balthazar“-Inhaber und Küchenchef Holger Zurbrüggen kennenlernte, über vier Monate Station im „Bacco“ bei Massimo Mannozzi, bis zum „Langhans am Gendarmenmarkt“ und Restaurant „Louis“ im „Hotel Steigenberger“ am Los-Angeles-Platz ging es im Dezember 2002 wieder zurück ins „Ana e Bruno“. „Inzwischen kenne ich sogar die Namen von den Fliegen, die hier sind“, sagt Girau, mit charmant italienischem Akzent.

Als zweiten Gang reicht er erneut glasig geratene und kurz gebratene Dorade mit grünen Bohnen, Safran und Taggiasca-Oliven zu einem Chardonnay Vinea Montis aus 2012 von Viticoltori Alto Aldige aus Südtirol. Zum dritten Gang, Amalfi-Zitrone-Capellini mit Minze und Felsenrotbarbe, gibt es einen Pinot Grigio Unterebner von 2012 aus Südtirol. Der letzte trockene Weißwein, der zum Menü gehört, bevor der Tredici Cantina del Vulture aus Apulien von 2010 die Entenbrust mit Markt-Gemüse, Bio-Carnaroli und Ingwer begleitet. Ein texturenreicher Hauptgang aus cremigem Risotto, zart rosa gebratener, im Muskelfleisch jedoch fest geformter Entenbrust mit knackigem Spargel, Karotte und Bohne, umhüllt von hauchdünner Zucchini- und Auberginenscheibe.

Als Nachtisch haben sich Pellegrini und Girau eine Variation ihrer Herbstklassiker überlegt. Cantucci, Mandel, Kardamom sowie Bio-Espressosauce „Olivenbaumholz-geröstet“, serviert in Kuchen-, Mousse- und Eisform. Dazu reicht Vanessa Valero Saez einen Recioto di Soave Col Foscarin aus 2006, von Gini aus Venetien. Ein herrlich süßer Abschluss, auf dem Teller und im Glas. Andrea Girau ist zufrieden mit seinem Menü. An die Kacheln rechts vom Rahmen der Küchentür hängt er den Ausdruck davon. Bereit, für die Gäste gefertigt zu werden – und gesegnet von einer Merkel-Raute schräg oberhalb des DIN A4-Bogens. Wie sie denn sei, die Bundeskanzlerin? „Unglaublich“, sagt Andrea Girau. „Neun Männer saßen da mit ihr am Tisch – und wenn sie ein Wort gesagt hat, waren sofort alle stumm.“