Interview

„Ich backe, die anderen essen“

Schlagersängerin Nicole wird 50. Ein Gespräch über das Alter, den Frieden – und Ernährung

„Das ist ihr Weg.“ So lautet der Titel ihres 25. Albums inklusive DVD, das sie gerade in Berlin vorgestellt hat. Schlagersängerin und „Grand Prix Eurovision de la Chanson“-Gewinnerin Nicole, die mit ihrem Mann Winfried Seibert und zwei Töchtern in Nohfelden-Neunkirchen im Saarland lebt, wird am Sonnabend 50 Jahre alt. Ein Gespräch über „Ein bisschen Frieden“ von 1982, das Alter – und wie sie selbst jung zu bleiben versucht.

Berliner Morgenpost:

Warum feiern Sie den 50. lieber als den 30. Geburtstag?

Nicole Seibert:

Weil 50 eine magische Zahl ist. Man kann sich fragen, was man in seinem Leben schon erreicht hat, ob man stolz darauf ist oder etwas ganz Neues ausprobieren möchte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Mit 60 wird es da schon ein bisschen enger. (Sie lacht.) Ich werde morgen eine kleine Flucht antreten und nicht zu Hause sein. Aber wenn ich zurück bin, wird es ein kleines Fest geben. Ich denke, die 50 ist es wert, auf sie mit einem guten Glas Wein mit der Familie und ganz tollen Menschen anzustoßen, um mich für das zu bedanken, was mir dank ihnen im Leben schon widerfahren ist. Und das ist eine ganze Menge.

Wohin fliehen Sie denn?

Das verrate ich Ihnen nicht. Es geht in den Urlaub, für eine knappe Woche. Auf diese Tage mit der Familie freue ich mich sehr.

In den letzten Jahrzehnten haben Sie sich optisch wenig verändert. Wie bleiben Sie jung?

Ich kann nicht sagen, dass ich Langschläfer bin, nehme mir aber ausreichend Schlaf. Und, ganz wichtig: Ich meide die Sonne. Wer mich im Urlaub sieht, wird mich nur im Schatten sehen. Es gibt ja auch Sonnenanbeter, aber zu denen zähle ich nicht, da muss ich immer an diese Feuchttücher denken. Mit denen passiert dasselbe, wie mit der Haut, wenn man sie in die Sonne legt. Zudem gehe ich jeden zweiten Tag für eine Stunde ins Fitnessstudio. Erst auf das Laufband, dann an die Geräte. Aber nur mit laufendem Fernseher, sonst ist’s mir zu langweilig. Und: Ich esse keine Süßigkeiten!

Auch nicht zum Geburtstag?

Nein, ich backe und die anderen dürfen essen. Ich halte mich lieber an Salat. Auf Schweinefleisch verzichte ich auch, ich esse kaum Kohlenhydrate, keine Chips, keinen Zucker.

Da bleibt ja nicht wahnsinnig viel übrig.

Na ja, ich finde schon. Mit Gemüse kann man unglaublich abwechslungsreich kochen. Ich koche viel asiatisch, mit Soja, das ist sehr gesund – und beugt dem Altern vor. Leichte Kost, viel Geflügel. Mein Wok ist häufig im Einsatz.

Gucken sich Ihre zwei Töchter das ab?

Sie haben eine andere Einstellung und essen sehr gern. Jeder, wie er sich wohlfühlt. Und sie müssen ja auch nicht ins Fernsehen. Die Kamera gibt drei Kilo drauf. Deswegen muss man drei Kilo weniger wiegen, als man gut aussieht.

Klingt nicht wirklich gesund. Was gönnen Sie sich zum 50.?

Mein neues Album mit DVD. Die Videos haben wir in Südafrika gedreht und es ist komplett anders als alles, was ich davor gemacht habe. Ich habe das musikalische Konzept grundlegend neu formiert, mich dabei keinem Trend unterworfen und mich mit Themen auseinandergesetzt, die uns alle im Alltag beschäftigen.

In Ihren Anfängen hatten Sie großen Erfolg. Was bereuen Sie?

Ich bereue nichts und glaube, dass ich vieles richtig gemacht habe. Mein Vorteil war, dass ich mit 16 angefangen habe und kein Kinderstar war. Mit 16 zählst du schon zu den Erwachsenen. Und ein Jahr später hatte ich dann auch bereits beim Grand Prix Eurovision de la Chanson meinen internationalen Durchbruch mit „Ein bisschen Frieden“.

Das ist auch das Lied, was den Menschen zu Ihnen einfällt.

Ja, wenn der Name Nicole fällt, denkt jeder an das Mädchen mit der weißen Gitarre. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Auftritt beim Grand Prix. Das waren so viele unvergessliche Eindrücke damals, Fotografen, Feuerwerk. Drei Monate später habe ich sogar eine Einladung nach Israel bekommen, um in Tel Aviv vor Soldaten zu spielen. Weil Israel beim Grand Prix einem deutschen Mädchen zwölf Punkte gegeben hat. Mir. Und das war eine solch berührende Geste, die Erinnerung daran ist besonders lebendig. Ich sehe mich noch zu den Kasernen fahren und wie die Jungen und Mädchen aus der Kaserne kamen. Und ich sang „A Little Peace“, also das Lied auf Englisch. Alle haben sich an den Händen gefasst und gelauscht. Da stand für drei Minuten die Erde still. Unglaublich.

Wie blicken Sie jetzt auf die aktuelle politische Lage?

Wenn ich verfolge, was in Syrien und in der Ukraine gerade passiert, dann blutet mir das Herz. Und egal wo ich das Lied momentan singe, muss ich immer daran denken, dass dieses Lied seine Aktualität leider wohl nie verlieren wird, weil immer irgendwo Krieg ist. Und es immer Menschen gibt, die nicht dazulernen!