Preisverleihung

„Wir sollten ihm dankbar sein“

In Leipzig wird zum 20. Mal die Goldene Henne verliehen. Der Tod des Gründungsintendanten überschattet die Gala

So dankbar sei er, sagt Guido Maria Kretschmer. Sein Manager drängelt. „Guido, die Show!“ Doch der „Guido“ bleibt auf dem Teppich vor den Mikros stehen. „Nein, wirklich, wenn der Mauerfall nicht gewesen wäre, wären viele meiner Freunde jetzt nicht meine Freunde“, sagt der Designer. Empört guckt er dabei. In Richtung Manager. Auch Boxweltmeisterin Regina Halmich, die im pinken Basler-Dress ein paar Meter weiter bei den Kollegen vom Radio steht, nickt ernst. Auch wenn das niemand hören kann. „Zum Geburtstag macht’s total Sinn, dass wir hier feiern“, sagt Halmich. „Absolut, ein schöner Anlass“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke mit Frau Susanne. Und Weltmeister Per Mertesacker, neben Sami Khedira und ganz auftrittsbewusst, fügt hinzu, wie unglaublich und unblutig die Revolution doch gewesen sei. Anlässlich des 25-jährigen Mauerfall-Jubiläums haben „Super Illu“, MDR und RBB die 20. Verleihung der Goldenen Henne am Freitagabend in Leipzig veranstaltet. Der Stadt, in der vor 25 Jahren Hunderttausende den Weg zur Deutschen Einheit ebneten. „Das ist eine Verneigung vor denen, die hier den Umbruch herbeigeführt haben“, so MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Wolfgang Stumph nahm den Award in der Kategorie „Schauspiel“ von Tochter Stephanieentgegen. Peter Maffay hielt die Laudatio auf Helene Fischer, die sich mit einer Grußbotschaft aus Hannover für ihre fünfte Henne, gleichzeitig ein Sonderpreis, bedankte. Und Guido Maria Kretschmer? Zeigte sich mehr als dankbar für seine Henne in der Kategorie „Moderation“.

Ein Thema jedoch, so zwanghaft fröhlich sich Moderator Kai Pflaume auch durch die Show grinste, wog schwer. Vor der Gala war der Tod des MDR-Gründungsintendanten Udo Reiter bekannt geworden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. „Wie tragisch, ausgerechnet heute“, sagte Regina Halmich. Inge und Matthias Steiner bemerkten dazu, dass diese Entscheidung jedem selbst zustehen müsse. „Und für das, was er uns gelassen hat, wie die Henne, sollten wir dankbar sein.“