Zwischenmenschlich

Freifahrt für Schafe am Spieß

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

Das ist aber auch nicht einfach mit den Ge- und Verboten in dieser Stadt. Wie in anderen deutschen Städten ist es zwar nicht erlaubt, bei Rot über die Ampel zu gehen, allerdings wird es in Berlin nicht geahndet, selbst wenn ein Polizeiauto an der Ampel steht. Ferienwohnungen sind dafür mancherorts strengstens verboten, wobei das Verbot gar nicht erst geahndet werden kann. Touristen an sich sind aber weiterhin erlaubt, auch wenn sie sich in Zukunft an bestimmte Gebote halten sollen, die ihnen allerdings keine Ordnungshüter, sondern Gaukler und Pantomime verständlich machen. Gerne denken wir auch zurück an die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die einer fröhlichen Runde im Frühsommer im Görlitzer Park verbieten wollten, sechs ganze Schafe zu grillen – nur gab es keine Verordnung dafür. Bis zum nächsten Sommer muss das also noch geregelt werden, ich freue mich schon auf das entsprechende Piktogramm.

Aber in Kreuzberg herrschen ja eh andere Gesetze. So überrascht es nicht, dass Politiker aus Friedrichshain-Kreuzberg Alkohol in Bussen und Bahnen erlauben wollen. Das Wegbier, so sagen sie, hat in Berlin eine lange Tradition. Dem kann ich nur zustimmen, zumal die Wege in Berlin oft so lang sind, dass man schon vor dem Fahrziel wieder nüchtern ist. Das Beste an dem Vorstoß ist aber, dass Alkohol in Berlins Bussen und Bahnen gar kein Problem ist, untersagt ist lediglich ein „übermäßiger Alkoholgenuss“. Und offene Speisen im Allgemeinen, aber da der Döner in Berlins Bahnen ja auch Tradition hat, fällt es glücklicherweise niemanden auf, wenn man mit einer Bierflasche in der Hand in der U-Bahn sitzt (solange man seinen Vogel nicht füttert, das ist laut BVG-Hausordnung streng verboten). Wen wundert es angesichts dieser zahlreichen Vorschriften, dass ein Lokführer mit seinem Intercity neulich volltrunken von Hamburg (wo Alkohol in Bahnen definitiv verboten ist) nach Berlin gefahren ist. Irgendwo muss man sein Wegbier schließlich trinken.

Einziges Problem, das uns nun noch bleibt, ist die Berliner Verfassung, die es verbietet, die Bürger nach ihrer Meinung zu Olympia zu fragen. Vielleicht sollte politische Mitsprache in dieser Stadt generell untersagt werden – wo wir doch eh bald alle nur noch betrunken durch die Gegend fahren. Steht eigentlich irgendwo, dass Grillen in der Bahn verboten ist?