Interview

„6000 Paar Schuhe – was ist falsch daran?“

Christian Louboutin weiß, was Frauen wollen. Ein Treffen im Soho House

Nach einem Paar seiner sündhaft teuren Schuhe mit den schwindelerregend hohen Absätzen verzehren sich Frauen auf der ganzen Welt. Mit der Dokumentation „Louboutin – High Heels aus Paris“ (Arte, 27. September, 22.55 Uhr) versucht Regisseurin Farida Khelfa den Mann und den Mythos hinter den roten Sohlen zu ergründen. Zur Premiere lädt Christian Louboutin am Montag in die Französische Botschaft.

Berliner Morgenpost:

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Frauenschuhe?

Frauenschuhe berühren nicht nur die Füße, sondern haben einen Einfluss auf den ganzen Körper. Ich mag, was Schuhe mit Frauen machen. Und ich mag das Geräusch. Als Kind habe ich in einem Museum in Paris ein Verbotsschild mit einem durchgestrichenen High Heel gesehen. Solche Schuhe existierten in meiner Welt bis dahin gar nicht. Trotzdem habe ich danach angefangen, Schuhe zu zeichnen. Das war keine bewusste Entscheidung, es ist einfach passiert.

Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie ihnen verkündet haben, Sie wollen Schuhdesigner werden?

Ich habe eine ganz tolle Familie. Ich wurde sehr frei erzogen und niemals verurteilt. Das ist sehr wichtig. Meine Eltern haben mich immer ermutigt. Als ich meiner Mutter erzählt habe, dass ich Schuhe zeichne, hat sie gesagt: Das ist fantastisch. Sie hat sogar viele meiner frühen Zeichnungen aufgehoben.

Was für eine Frau haben Sie vor Augen, wenn Sie Schuhe designen?

Showgirls. Nicht nur im klassischen Sinne, sondern eine Frau, die in Bewegung ist, die mit verschiedenen Rollen und ihrer Weiblichkeit spielt. Eine Erweiterung des Showgirls.

Gibt es dementsprechend auch Frauen, an denen Sie Ihre Schuhe nur ungern sehen?

Nein, weil ich immer wieder überrascht bin, wie Frauen die Schuhe kombinieren. Ich habe kein Interesse daran, komplette Outfits zu entwerfen. Deshalb finde ich es interessant, was Frauen daraus machen. Anstatt zu sagen: Oh Gott, das sieht furchtbar aus, denke ich: Das ist eben die Persönlichkeit der Frau. Das muss ich respektieren. Ich kann nicht erwarten, dass sie sich gemäß bestimmter Standards verhalten.

Sie selber tragen gerne Flip Flops. Spielt Bequemlichkeit eine Rolle, wenn Sie Schuhe entwerfen?

Nein. Ich mache schließlich keine Flip Flops. Ich habe eine andere Herangehensweise. Man soll sich in meinen Schuhen wohlfühlen, aber eben anders als in Flip Flops. Wenn ich einen Schuh designe, möchte ich, dass die Frauen denken: wie wunderschön und sexy. Nicht: oh, wie bequem. Es würde mich nicht glücklich machen, wenn das die erste Assoziation ist, die Leute zu meinen Schuhen haben. Wenn sie trotzdem bequem sind, ist das okay. Ich habe nichts gegen Dr. Scholls-Schuhe, aber ich bin auch kein Arzt.

Wie viele Paar Schuhe braucht eine Frau?

Das hängt von der Größe ihres Apartments ab. Wenn man eine Frau fragt, die Schuhe mag, wird sie immer sagen: Man kann nie genug Schuhe haben. Die ehemalige philippinische First Lady Imelda Marcos ist das Sinnbild dafür. Sie hat daraus ein Markenzeichen gemacht. Sie hatte 6000 Paar Schuhe. Nur Männer denken, dass das verrückt ist. Ich glaube, jede Frau, die das Geld und den Platz hat, wäre sehr glücklich mit 6000 Paar Schuhen. Ich finde nichts falsch daran. Aber generell braucht man ein Paar, das bequem ist – dafür kauft man nicht meine Schuhe –, ein Paar Schuhe in Nude, ein gutes Paar schwarze Pumps, ein Paar Halbstiefel und ein Paar mit Schmuck verzierte – das können auch flache Sandalen sein –, um seine orientalische Seite zum Vorschein zu bringen.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Prominente Ihre Schuhe tragen?

Wenn Prominente, die sich alles leisten können und die alles zur Verfügung haben, sich trotzdem für meine Schuhe entscheiden, dann finde ich das ein sehr schönes Kompliment.