Ulrike Folkerts

„Ich wollte schon mit 14 Jahren in Berlin leben“

Ulrike Folkerts’ Jubiläen: 25 Jahre „Tatort“, fünf Jahre „Kulturvoll“ und 25 Jahre Hauptstadt

Manchmal, so sagt Ulrike Folkerts, wache sie morgens auf und frage sich, warum sie neben ihrem Job als Schauspielerin vor fünf Jahren auch noch die Idee hatte, eine nicht weniger zeitintensive Stiftung für benachteiligte Kinder zu gründen. Dann lacht sie und fängt an zu erzählen. Von der Idee, Kindern Kunst nahe zu bringen, von den kleinen Veränderungen, die sich bei den Kindern bereits nach zwei Wochen im jährlichen Sommercamp zeigen und von dankbaren Briefen, die sie auch noch Monate später erreichen. Über „Kulturvoll“, so scheint es, könnte Ulrike Folkerts ewig reden. Ein Gespräch im Kiez der 53-Jährigen in Wedding.

Berliner Morgenpost:

Sie feiern in diesem Jahr ein Vierteljahrhundert Leben in Berlin, richtig?

Ulrike Folkerts:

Ja, seit 25 Jahren bin ich hier, fast die Hälfte meines Lebens. Ich war mit 14 Jahren zum ersten Mal in Berlin und wollte ab diesem Zeitpunkt immer hier leben. Eigentlich hatte ich mich auch hier für die Schauspielschule beworben, aber ich bin durch die Prüfung gefallen.

Dennoch sind Sie erfolgreiche Schauspielerin geworden. Warum engagieren Sie sich nebenbei für Kinder?

Erstens finde ich Kinder cool. Zweitens habe ich selber in der Jugend erfahren, wie es ist, betreut mit anderen Kindern Blödsinn machen zu dürfen, und wie wichtig das war. Kinder sind das schwächste Glied in unserer Gesellschaft, und aus dem Grund müssen wir uns alle besonders um sie kümmern! Wir arbeiten mit Berliner und Brandenburger Institutionen zusammen, die uns Kinder für die Ferienstipendien vorschlagen. Wir fördern Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien stammen. Sozial schwach bedeutet für uns, dass die Lebensumstände, in denen die Kinder sich befinden, nicht optimal unterstützend für die kindliche Entwicklung sind. Manchmal schaffen Eltern es nicht, ihren Kindern tolle Ferien zu ermöglichen, weil sie alleinerziehend und berufstätig sind.

Wie kann man sich Ferien mit „Kulturvoll“ denn vorstellen?

Wir geben jedes Jahr ein Thema vor, das von den Kindern erarbeitet wird. Wir arbeiten mit vier Pädagogen zusammen, die die Kinder betreuen. Dazu zwei Künstler, die Workshops für die Kinder anbieten. Unsere Stipendiaten sind zwölf Tage richtig im Stress. Dieses Jahr lautete das Thema „Hör mir doch mal zu“. Wir hatten den Rapper LMNZ, der mit den Kindern Texte erarbeitet, gerappt hat, und die Fußballerin Melinda, die den Kindern Fußballakrobatik näher gebracht hat. Am Ende der Ferien gibt es immer eine Aufführung für Eltern, Freunde, Helfer, Sponsoren und Interessierte. Für die Kinder ist es ganz wichtig, dass sie zeigen können, was sie gelernt haben.

Und Sie sind auch vor Ort?

Ja, wir begleiten die ganzen Tage, auch, um zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln.

Wissen die Kinder denn, wer Sie sind?

Nein, die kennen mich nicht, die gucken keinen „Tatort“. Die Eltern erkennen mich. Vielleicht weckt das auch Vertrauen?!

Wenn Sie sehen, dass ein Kind besondere Probleme hat, versuchen Sie also auch, danach noch etwas zu tun?

Ja. Wir sind oft noch in Kontakt mit den Eltern oder Lehrern und den Institutionen.

Wie ist die Idee zur Stiftung entstanden?

Wir sind 17 Freunde, die den Verein gegründet haben. Und jeder von uns hat in seiner Kindheit eine Geschichte erlebt, in der es besondere Begegnungen mit besonderen Menschen gab, die uns gezeigt haben, dass wir etwas Besonderes sind. Und das war der Auslöser, so etwas wollen wir für die Kinder schaffen. Ich hatte zum Beispiel eine Lehrerin, die in der elften Klasse angefangen hat, mit uns ins Theater zu gehen. Dann haben wir auch zusammen Theaterstücke gelesen, darüber diskutiert und über die Charaktere gesprochen. Dadurch ist bei mir der Wunsch entstanden, Schauspielerin zu werden. Wenn es diese Frau nicht gegeben hätte, wäre ich jetzt vielleicht Biologin.

Wie wichtig war Kunst und Kultur bei Ihnen zu Hause?

Das hielt sich in Grenzen. Ich bin auf dem Dorf bei Kassel aufgewachsen und habe jeden Nachmittag draußen gespielt. Meine Mutter hat geschaut, dass wir Sport machen. Ich war im Schwimmverein, davon profitiere ich heute noch. Es ging zu Hause um andere Dinge, Kultur spielte nicht so eine große Rolle. Nach Berlin fahren und in die Schaubühne gehen, das habe ich dann mit einer Klassenkameradin Katharina gemacht, deren Eltern da anders gestrickt waren.

Sie feiern in diesem Jahr 25-jähriges „Tatort“-Jubiläum. Kommt es Ihnen so lange vor wie das Leben in Berlin?

Nein, das ist schon ein bisschen verrückt. Man weiß ja vorher nicht, dass es so eine lange Zeit wird, und es geht so schnell rum. Es ist einfach viel passiert, und natürlich hat der „Tatort“ mein Leben geprägt. Am Anfang war ich die einzige Frau, das war ziemlich spektakulär. Ich bin damit berühmt berüchtigt geworden und habe eine bestimmte Position in der Branche.

Der 60. Tatort mit Ulrike Folkerts wird anlässlich des 25. Jubiläums von Lena Odenthal am 9. Oktober um 20.15 Uhr im Berliner Kino Babylon in einer Premiere gezeigt. Zum Jubiläum am 26. Oktober 2014 wird er in der ARD ausgestrahlt.