Interview

„Lieber beschimpft als ausgelacht“

Böse und doch Mensch: Sky du Mont spielt in der TV-Satire „Schlikkerfrauen“ den Manager Anton Schlikker

In der TV-Komödie „Schlikkerfrauen“ (30. September, 20.15 Uhr, Sat.1) leiht Schauspieler Sky du Mont dem gnadenlosen Manager Anton Schlikker sein Gesicht. Regisseur Uwe Janson nimmt in der Satire die Pleite einer bekannten Drogeriekette aufs Korn.

Berliner Morgenpost:

Herr du Mont, worin lag für Sie der Reiz, die Rolle des Anton Schlikker zu übernehmen?

Sky du Mont:

Das ist ganz einfach zu beantworten: Die Rolle besitzt eine unglaubliche Fallhöhe.

Wie meinen Sie das?

Naja, da ist dieser Mann, der als Metzgerlehrling angefangen hat, aus ganz einfachen Verhältnissen stammt und eine Idee hat – mit der er unfassbar erfolgreich ist. Er verdient Millionen, ruht sich darauf aus – und verliert dann eigentlich alles über Nacht. Im Privaten, seine Frau, seinen Sohn und er verliert sein gesamtes Geschäft, damit auch sein Vermögen.

Was unterscheidet Herrn Schlecker von Herrn Schlikker?

Wenn ich es gut genug gespielt habe, dann wird bei Herrn Schlikker schnell deutlich, dass er kein gnadenloser Geschäftsmann ist, der auf den Schicksalen seiner Angestellten herumtrampelt. Am Schluss hat man, so hoffe ich, doch ein bisschen Mitleid mit ihm.

Aber wie viel Wahres steckt denn im Film?

Fakt ist, dass wir nicht den Anspruch erheben, dokumentarisch zu arbeiten. Wir haben eine existierende Tatsache als Grundlage genommen und sie verändert, zum Teil sehr humorvoll. Das wird besonders am Ende deutlich.

Können Sie uns etwas dazu verraten?

Im Film gelingt den Frauen ein Happy End. Es ist eine Art Märchen, in dem die Heldinnen ihren Mut und ihre Kraft sammeln, um ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Man hat sich bei den „Schlikkerfrauen“ am Erfolg der amerikanischen Filme bedient: Der Underdog gewinnt am Schluss.

Offiziell ist „Schlikkerfrauen“ eine Satire: Wäre es nicht besser, ein solches Thema mit einer Dokumentation aufzuarbeiten?

Direkt im Anschluss an den Film gibt es ja eine Dokumentation, um das Ganze noch einmal geradezurücken. Aber eins ist doch ganz klar: Wenn die Zuschauer in der Programmzeitung sehen, dass es eine Dokumentation über Schlecker gibt, dann würden die denken: „Ich weiß das doch alles aus der Presse. Wozu soll ich mir das noch mal anschauen?“

Es ist dennoch die gleiche Thematik …

Der Film knüpft lediglich an das Ereignis der damaligen Insolvenz an, aber wenn der Zuschauer nach fünf Minuten drei Mal geschmunzelt und einmal gelacht hat, dann wird er dran bleiben, weil er etwas aus dem Film ziehen kann. Spaß – und er wird sich gleichzeitig Gedanken machen.

Ist denn eine Komödie die viel härtere Kritik als eine normale Dokumentation?

Gute Frage, aber ja, ich denke schon. Es tut einem mehr weh, wenn man ausgelacht wird, als wenn man beschimpft wird. Eine Satire ist verletzender und kritischer. Was ich aber noch mal betonen möchte: Bei uns geht es um die „Schlikkerfrauen“, nicht um die „Schlecker“-Frauen. Deren Schicksal ist nur ein Teil unserer Geschichte. Der Film geht, wie gesagt, auch ganz anders aus.

Inwiefern?

Naja, Herr Schlecker stieg damals vielleicht am Ende in seinen allradbetrieben Porsche, um zu seiner Jacht oder zum Flughafen zu fahren, weil er eine Villa auf Mallorca hat. Und Herr Schlikker geht traurig in die Dunkelheit und wird selbst von einem Bettler ausgelacht.

Was haben Sie Schlikker mitgegeben?

Ich habe versucht, den Schlikker nicht allzu böse zu spielen. Ich wollte, dass er eine Art Beziehung zu seiner Gegenspielerin, eine der Schlikkerfrauen, aufbaut. Sie sollte spüren, dass er nicht nur ein reiner Managertyp ist, dem seine Mitarbeiterinnen egal sind. Ich glaube, der Regisseur war ein bisschen überrascht …

Ob Ihnen der „nette“ Schlikker gelungen ist, können wir bei der Premiere sehen.

Naja, ob der Film am Ende so geschnitten wurde, dass das rüberkommt, ist ja noch mal eine ganz andere Geschichte. Wir Schauspieler sind am Ende ja das unterste Glied jeder Kette. (lacht)

Das klingt jetzt aber sehr negativ …

Naja, ein bisschen ist es schon so. Wir müssen das sagen, was im Drehbuch steht. Dann müssen wir dort stehen, wo der Kameramann es möchte und so spielen, wie es der Regisseur will. Und am Schneidetisch kann man uns auch noch kastrieren. Schauspieler glauben immer nur, sie wären so wichtig.

Umso gespannter sind wir, wie überzeugend Sie den Herrn Schlikker gespielt haben.

Ich hoffe einfach mal, dass meine Interpretation so rüberkommt, wie ich es gemeint habe. Dass mein Schlikker nicht ganz so fies ist, wie man sich womöglich den „echten“ vorstellt.