Stadtplanung

Ein Hauch von Hollywood im Hotel am Zoo

Im Herbst eröffnet das Haus am Kudamm 25 neu. Mit Design aus Amerika, erhalten gebliebener Architektur und Berliner Promi-Koch

Seide in Streifen, Heels auf Staub. Dayna Lee steht vor der Sandsteinfassade des Hauses am Kudamm 25. „Wenn wir designen, schauen wir uns das Original an, die Ursprungsarchitektur“, sagt sie, auf Englisch, lang und amerikanisch zieht sie die Vokale dabei. „Diesem Haus wollten wir all seine Schönheit zurückgeben.“ Dann läuft sie los, durch das hohe, noch so dunkle Loch in der Fassade zwischen Hugo-Boss- und Apple-Flagshipstore.

Dayna Lee ist Interior-Designerin aus Amerika. Als Art-Direktorin und Set-Dekorateurin für diverse Hollywoodproduktionen engagiert, war sie bereits für den „Emmy“ nominiert. Mit ihrem Mann Ted Berner gründete sie 2000 die Firma Powerstrip Studios, die unter anderem für das Design der „W Hotels“ in London, New York und Los Angeles verantwortlich ist. Das Projekt, durch das Dayna Lee am Donnerstag gemeinsam mit Inhaber Manfred Weingärtner führt, ist ihr erstes in Deutschland. 2002 hat sie Rechtsanwalt und Immobilieninvestor Weingärtner, dem bereits das „Holiday Inn“ an der Prenzlauer Allee gehört, in Los Angeles kennengelernt. Bevor dieser zwei Jahre später mit seinem Geschäftspartner Robert Hübner das „Hotel am Zoo“ erworben hat.

„Wir haben uns mit der Geschichte der Eigentümerfamilie beschäftigt“, sagt Dayna Lee, als sie durch das sieben Meter hohe Entrée mit linksseitig freigelegter Originalbacksteinwand führt. „Ich stellte mir ihr prunkvolles Leben in den 20er-Jahren vor, überlegte, welche Kleider sie zu Filmpremieren trugen.“ Weiter läuft sie, unter weißem Stuck in groß geschwungener Blütenform entlang, 22 Meter bis zur schwebenden Rezeption aus Glas. Ein Teppich Diane von Fürstenbergs in Jadegrün soll hier bald den „Catwalk“ bilden, Fantasie-Ölgemälde der Familie vom Art-Department des Filmstudios Babelsberg an den Wänden hängen. „It is all so ‚Alice in Wonderland’, you know?“, sagt Dayna Lee.

Das Haus am Kudamm 25 wurde 1891 als Privatresidenz von Pergamonmuseumsarchitekt Alfred Messel erbaut. 1911 ist es zum Hotel umgebaut und in den 50er-Jahren erstmals umfassend modernisiert worden, von Paul Baumgarten. Der Architekt, der den Wiederaufbau des Reichstages ab 1961 begleitet hat. Zwei Jahre war es nun zur Renovierung geschlossen. Im Herbst, Ende Oktober, soll es neu eröffnen.

Dayna Lee und Manfred Weingärtner sind im „Living Room“ angekommen. Die Lobby rechts der Rezeption, die über zwei Stockwerke reicht und durch die aus Baxter-Ledersesseln im britischen Klubhausstil durch die Fabrikfenster im New Yorker Townhouse-Design in den Wintergarten geschaut werden soll. Rechts und links vorbei an einem langen Kamin, der in die Fensterfront unter drei überdimensionierte, 1,50-Meter große Hotelzimmerschlüssel aus Holz montiert ist, sodass herabfallender Schnee nebst Feuer zum Martini bestaunt werden kann. Am Wintergarten vorbei geht es auf Holzboden im Schokoton mit goldenen Backsteinen an der Wand, Plüschbänken in Aubergine zur Bar mit promipraktischem Hinterausgang zum Kranzler-Eck und: zum Restaurant. In dem es „easy“ statt „fine dining“ geben soll, Champagner in Flipflops trinken, wie Dayne Lee es formuliert. „Grace“ soll es heißen, asiatische Küche mit italienischem Einfluss und „Steakerfahrung“ kombinieren, die von Ned Karamujic garantiert werden soll, bislang Souschef aus dem „Grill Royal“ von Boris Radczun und Stephan Landwehr– und dort erster Mann am Rost.

„Wir wollen hier Metropole reinbringen“, sagt Manfred Weingärtner, „uns abheben.“ Als er das Haus 2004 erworben hat, lag die Renaissance des Westens noch vor der Gegend rund um den Kudamm. Häuser wie das Cumberland mit „Grosz“ von Roland Mary, das „25hours Hotel“ im Bikini Berlin, das „Waldorf Astoria“ waren noch ungeplant. „Es war ein Risiko damals“, sagt Weingärtner. Ebenso, wie einen Altbau mit 145 Zimmern, in dem keines wie das andere geschnitten ist, architektur- und geschichtsgerecht zu renovieren. Doch er habe einfach nicht anders gekonnt, sagt Weingärtner. „Ich musste diesem Berliner Altbau, diesem Stück Geschichte, seine Schönheit zurückgeben.“