Interview

„Wir sind das wandelnde Klischee“

Die Sänger von Glasperlenspiel sind auch privat ein Paar. Morgen treten sie in Berlin auf

Mit ihrer Band Glasperlenspiel haben Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg den neuen Titelsong für „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ aufgenommen. Nebenbei touren sie gerade durch Deutschland. Für das „Degewo Sommerfest“ am Freitag machen sie auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof Halt. Die beiden Baden-Württemberger sind nicht nur Bandkollegen, sondern auch ein Paar. Ein Gespräch über ihre Wahlheimat Berlin, Auszeiten am Bodensee und neue Projekte.

Berliner Morgenpost:

Wie schaffen Sie es, bei den momentan laufenden Projekten als Paar nicht auf der Strecke zu bleiben?

Carolin Niemczyk:

Man muss schon wahnsinnig aufpassen, damit man nicht vergisst, dass man auch ein Paar ist und nicht nur Bandkollegen. Für uns klappt das, wenn wir zusammen an den Bodensee fahren, wir unsere Freunde treffen und für eine kurze Zeit wieder das Leben haben, was wir in der Schule hatten. Dabei tanken wir Kraft, das tut immer sehr gut. Dafür sollte man sich immer Zeit nehmen. Wir haben auch zum Großteil noch die Freunde von früher.

Daniel Grunenberg:

Es ist wichtig, sich auch mal zurückzuziehen und nur zu zweit zu sein.

Sie kennen sich ja auch schon eine ganze Weile.

Niemczyk:

Zehn Jahre sind es jetzt. Sogar ein bisschen länger. Ich habe mich damals bei Daniels Band beworben.

Grunenberg:

Bei meinen Eltern im Briefkasten lag damals ein Demo. Da waren wir zwölf Jahre alt, das war uns noch nie passiert. Das war tatsächlich richtig gut produziert und wir dachten: Wow, die ist besser als wir alle zusammen. Die brauchen wir unbedingt. Und so haben wir uns kennengelernt.

Niemczyk:

Ich hatte über eine Bekannte erfahren, dass die Band eine Sängerin sucht.

Grunenberg:

Wir waren damals eine Cover-Schülerband. Rock ’n’ Roll, voll auf die Zwölf. Wie das eben so ist, wenn man anfängt, Musik zu machen. Erst als Caro dazugekommen ist, haben wir angefangen, Songs zu schreiben. Die ersten waren katastrophal schlecht. Ein paar davon haben wir immer noch, aber die zeigen wir niemandem. Die anderen Bandmitglieder wollen dann alle irgendwann etwas Bodenständiges machen. Und 2012 ging es dann los für uns.

Streiten Sie häufiger privat oder beruflich?

Niemczyk:

Ich glaube, privat. Wir sind aber schon sehr auf einer Wellenlänge. Sonst würde es nicht funktionieren, dass man als Paar auch noch beruflich zusammenarbeitet. Da haben wir sehr viel Glück gehabt.

Grunenberg:

Es fängt meistens mit einem Band-Thema an und zieht sich dann ins Private. Wir haben aber gelernt, dem Partner auch auf Tour manchmal seine Freiräume zu geben. Wir sind sehr aufeinander eingespielt.

Könnten Sie sich vorstellen, die Band zu opfern, wenn Sie merken, dass der Stress die Beziehung belastet?

Grunenberg:

Das wird auf keinen Fall passieren.

Niemczyk:

Ich denke, wenn man das merkt, muss man sich auf jeden Fall diese Gedanken machen. Natürlich leben wir für die Musik, aber dann muss man sich überlegen, was wichtiger ist. Aber momentan läuft es sehr gut, und ich bin froh, dass ich nicht alles alleine machen muss. Für mich ist es eine große Erleichterung, dass ich immer meine Vertrauensperson dabei habe. Jemand, dem ich alles erzählen kann.

Wohnen Sie in Berlin?

Niemczyk:

Wir pendeln zwischen dem Bodensee und Berlin.

Grunenberg:

Prenzlauer Berg. Wir sind das wandelnde Klischee. Auch, wenn wir keine Schwaben sind. Wir sind Badener. In Berlin sind so viele kreative Leute, dass es für uns sehr gut ist, hier zu sein. Also haben wir uns irgendwann gesagt: Wir sind so oft hier, da wollen wir auch unsere eigenen vier Wände haben, wo wir uns zurückziehen können. Aber wir möchten auch den Bodensee nicht aufgeben. Wir genießen es, dass wir beide Welten haben.

Niemczyk:

Wir lernen Berlin gerade erst richtig kennen. Aber ich mag es sehr gerne. Hier findet man überall Inspirationen für neue Songs, weil es so viele verschiedene Menschen gibt.

Grunenberg:

Als ich mit 15 zum ersten Mal vom Dorf nach Berlin kam, war das schon krass. Aber mittlerweile weiß ich die Stadt sehr zu schätzen. Es gibt hier einfach alles. Auf der anderen Seite fehlt mir manchmal ein bisschen die Ruhe. Das hätte ich nie gedacht, als ich von zu Hause weggegangen bin.