Blackmore’s Night

Nachts im Schloss

Deep Purple-Legende Ritchie Blackmore tritt mit seiner Ehefrau in Berlin auf. Ein Treffen

Ritchie Blackmore kann sich nicht daran erinnern, wie oft er schon in Berlin gewesen ist. Als Gitarrist von Deep Purple und Rainbow tourte der 69-Jährige in den 70er- und 80er-Jahren um die ganze Welt. Gesehen hat er dabei meist nur Konzertbühnen. Und Hotelzimmer. „Ich brauche nur meine Gitarre und den Zimmerservice“, sagt der Brite. Für beides ist im „Schlosshotel Grunewald“ gesorgt.

Ritchie Blackmore und seine Ehefrau Candice Night sitzen auf einem plüschigen Sofa in der einst von Karl Lagerfeld eingerichteten Suite und genießen ihren Feierabend-Drink. Die beiden sind gerade auf Deutschlandtour. Seit der Musiker dem Rock‘n‘Roll Anfang der 90er-Jahre endgültig den Rücken gekehrt und mit seiner vierten Ehefrau die Renaissance-Folk-Band Blackmore’s Night gegründet hat, nächtigt er gern in Schlössern und Burgen. Stilecht. In Deutschland gebe es glücklicherweise eine große Auswahl, so Blackmore. Er kenne viele davon. Oft sogar besser als die Einheimischen. „Das ist seine Leidenschaft“, sagt Candice Night. „Nach den Schlössern auf dem Weg plant er unsere Tour. Wenn die Menschen vor Ort nichts über deren Geschichte wissen, hält er ihnen gern einen Vortrag.“

Einziger Nachteil dieser Unterkünfte: die Geister. „Einmal wohnten wir in Schloss Cecilienhof in Potsdam. Ich ging abends in mein Zimmer und plötzlich sagte mir eine Stimme, ich solle verschwinden. Wir sind sofort abgereist“, erinnert sich der Gitarrist. „Dabei habe ich kein Problem mit guten Geistern, aber das war ein richtiger Dämon.“ Auch in Grunewald habe einer seiner Mitarbeiter schon die Bekanntschaft des Hausgeistes gemacht.

Den Glauben an Übernatürliches teilt Blackmore mit seiner 43 Jahre alten Frau. Beide trafen sich Ende der 80er-Jahre bei einem Benefiz-Fußballspiel. „Er hat einen seiner Roadies zu mir geschickt, um herauszufinden, wer ich bin“, sagt die Sängerin. „Am Abend sind wir zusammen in einen Pub gegangen und haben geredet, bis die Sonne aufging.“ Mittlerweile sind die beiden seit 25 Jahren ein Paar. 2010 und 2012 kamen die gemeinsamen Kinder zur Welt. Diese begleiten ihre Eltern auch auf Tour. „Wir haben die Familie dabei und eine Nanny“, erklärt Candice Night. Dabei kann sie sich noch an ganz andere Zeiten erinnern. Als sie Deep Purple zum ersten Mal begleitete, habe sie sich vorher hauptsächlich Gedanken um potenzielle Groupies gemacht. „In den Rock‘n‘Roll-Zeiten bestand unser Publikum zu 99 Prozent aus Männern“, so Blackmore. Da ihm seine neue Freundin das jedoch nicht glauben wollte, habe sie für einen Auftritt in Rom ihr engstes Minikleid angezogen. „Als ich in der Menge stand, musste ich feststellen, dass er recht hatte“, gibt Night zu. „Ich glaube aber, ich habe mehr Applaus erhalten als die Band.“

Heute kämen viel mehr Frauen zu ihren Konzerten, sagt Ritchie Blackmore. Das liege vor allem an seiner Partnerin. „Hätte er das vorher gewusst, hätte er diese Band schon früher gegründet“, scherzt sie. Außerdem sei seine Frau dafür verantwortlich, dass er mittlerweile sogar hin und wieder das Hotelzimmer verlasse. „Sie hat mir zum Beispiel Prag gezeigt und ich habe es geliebt“, sagt Blackmore. Übertreiben wolle er es aber nicht. Den freien Tag vor dem Konzert im Admiralspalast an diesem Dienstag verbringe er lieber mit seiner Gitarre und mit dem Zimmerservice als mit Sightseeing.