Zwischenmenschlich

Neue Freunde in alten Rohren

Jule Bleyer begegnet dem Berliner Stadtleben

„Jehnse ma bessa in Deckung, wenn ick hier noch tiefer jehe, müssen wa gleich evakuieren.“ Es geht doch nichts über Handwerker im Haus. Vor allem, wenn sie ihr Scheitern mit Humor nehmen. So wie der Klempner, der versucht hatte, den Badewannenabfluss dazu zu bewegen, nicht immer tiefblickende Rülpser von sich zu geben, wenn man das Wasser am Waschbecken aufdreht. Leider musste er sich den Berliner Altbaurohren geschlagen geben, da half es auch nichts, die Toilette abzuschrauben und das halbe Bad unter Wasser setzen. „Sehnset ma’ so, Ihre Wanne unterhält sich mit Ihnen, det is doch ooch wat wert.“ Recht hat er, der Mann. Ich war ja auch schon froh, dass er den Weg zu mir in den dritteinhalbten Stock überlebt hatte, nach den ersten zwei Treppen hatte sich der Handwerker – der seinen Blaumann durchaus auszufüllen weiß – deutlich schlimmer angehört als mein Abfluss.

Über den fehlenden Fahrstuhl hatten sich am Vormittag auch schon die Möbellieferanten gefreut, trotz Kleiderschrank auf dem Rücken waren die Jungs dennoch bestens gelaunt. Vielleicht lag es daran, dass sie zuvor einer Messiewohnung entkommen waren. „Das war so ein Typ mit Brandenburger Tor im Mund“, berichteten sie. „Nur noch die Eckzähne und dazwischen alles frei, kennse?“ Die Kundin davor hatte die beiden übrigens dazu verdonnern wollen, im Anschluss der Lieferung die Wohnung zu saugen.

„Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht, das ist mal klar“, würde mein Matratzenverkäufer sagen. Was er mir damit beim Kauf meiner neuen Schlafunterlage sagen wollte, weiß ich zwar nicht, aber der Mann steckte voller Weisheiten. „Mit der Matratze ist das wie bei Douglas – nach drei Proben riecht eh alles gleich.“ Oder: „Das muss Liebe auf den ersten Blick sein, sonst wird das auch in Ihrem Bett nichts.“

Kompetent auch der Warenhausverkäufer, der mir anbot, die erworbene Duschvorhangstange mangels passender Tüte auf dem Rücken festzukleben. Oder der Hausmeister, der mir davon abriet, diese anzubringen und stattdessen im Sitzen zu duschen. Mache er schließlich auch.

Ja, erst beim Umziehen lernt man seine Mitmenschen so richtig kennen. Übermorgen kommt übrigens der neue Klempner. Mal sehen, was meine Badewanne dazu sagt.