Premiere

Grappi und sein Sonnenschein

Klaus-Peter Grap und Lene Wink feiern Premiere von „Rückblick nach vorn“

Für sie ist er nur „Grappi“. Er nennt sie liebevoll „mein Sonnenschein“. Vertraut und freundschaftlich gehen Klaus-Peter Grap und Lene Wink miteinander um, als wir sie an diesem Tag in der Altbauwohnung des 55-Jährigen in Charlottenburg besuchen. Sie öffnet seine Wohnungstür, er begleitet die Gäste ins Wohnzimmer – die beiden harmonieren als perfekte Gastgeber. „Kümmerst du dich um den Kaffee? Ich fang schon mal an zu erzählen“, sagt er und rückt die Ledersessel für das Interview zurecht. „Wir haben in den vergangenen Wochen so viel geprobt in dieser Wohnung. Lene fühlt sich hier, glaube ich, schon fast ein bisschen wie zu Hause.“

Kaum zu glauben, dass sich das Duo, das am Montagabend mit seinem Sketchprogramm „Rückblick nach vorn“ Premiere im Kabarett-Theater „Die Stachelschweine“ im Europacenter gefeiert hat, erst seit einigen Wochen persönlich kennt. Eigentlich war eine andere Schauspielerin für das Sketchprogramm eingeplant gewesen. Sie sagte Grap jedoch nur wenige Wochen vor der Premiere ab. Spontan empfahl ihm seine beste Freundin, die Schauspielkollegin Marion Kracht, Lene Wink, mit der sie in dem Stück „Auf ein Neues“ im Theater am Kurfürstendamm auf der Bühne gestanden hatte.

„Wir haben telefoniert, uns getroffen und ich habe nach einem Tag entschieden, dass sie die Richtige an meiner Seite ist“, sagt der Schauspieler heute. Auch Lene Wink freute sich über das kurzfristige Engagement. „Ich habe ihm sogar gleich gesagt, dass wir noch einige Veränderungen vornehmen müssten, wenn ich mitmachen soll. Mit meinem Monolog konnte ich nämlich zunächst überhaupt nichts anfangen“, so die 28-Jährige. „Als ich dann zur ersten Probe kam, hatte er ihn schon komplett umgeschrieben. Da war mir klar, dass das funktionieren würde.“

Ihrem Publikum präsentieren die Darsteller ein „generationsübergreifendes Sketchprogramm“, in dem beide in zehn verschiedene Rollen schlüpfen – und sich unter anderem fragen, was sich so alles in den letzten 25 Jahren um sie herum verändert hat. „Sie hat mehr Zukunft, er mehr Vergangenheit“, erklärt Klaus-Peter Grap. „Und wir fragen uns: War früher wirklich alles besser? Selbst die Zukunft?“ Er klagt ihr sein Leid, dass er ein Mann zunehmenden Alters ist – „wobei besonders der Bauchumfang zunimmt“, sagt Grap und kneift sich selbstironisch in seinen eigenen Bauch. Lene Wink ringt um das Mitleid des Publikums, indem sie erzählt, wie anstrengend es doch ist, als junger Mensch in diesen Tagen wirklich cool zu sein. „Gucken Sie sich mal dieses Schmetterlingstattoo an“, sagt sie, präsentiert ihr Handgelenk und grinst. „Da muss man doch wahnsinnige Angst haben, dass der Schmetterling zu einem Flugsaurier wird, wenn ich alt bin.“

Besonders an die Vorbereitungen eines Sketches, in dem die Darsteller gemeinsam zwei alte Damen spielen, erinnert sich das ungleiche Paar gern zurück. „Wir sind gemeinsam losgezogen, um für mich ein Kostüm aufzutreiben. Und das war gar nicht so einfach“, erzählt Klaus-Peter Grap. „Mit diesen Outfits in eine Umkleidekabine zu gehen, das war schon wirklich sehr unangenehm“, sagt der Schauspieler. „Immer wieder habe ich betont, dass es sich dabei um ein Kostüm für ein Sketchprogramm handelt.“

Das Duo war allerdings nicht nur für das Stück, sondern auch für alles drum herum verantwortlich. „Wir haben gemeinsam Plakate aufgehängt, die Flyer entworfen, Werbung gemacht – wir sind halt ein Gastspiel und nicht Teil eines festen Ensembles“, sagt Lene Wink. Selbst einige der Requisiten, wie zum Beispiel den Katalog eines Beerdigungsinstituts, haben sie selber gebastelt.

Auch eine Voraufführung oder Generalprobe hatte es nicht gegeben. „Man weiß in solchen Fällen nie, wie die Zuschauer reagieren, wo gelacht wird – ob überhaupt gelacht wird“, sagt Klaus-Peter Grap. Gleichzeitig sei diese Eigenständigkeit ein Vertrauensbeweis der Theaterleitung ihm gegenüber, dass man ihn einfach machen lassen würde, ohne zu wissen, was am Ende genau auf der Bühne passieren wird, sagt der Schauspieler.

Doch Klaus-Peter Grap und Lene Wink sind zuversichtlich, dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten. „Andere Menschen zum Lachen zu bringen, das ist es, was mich motiviert“, sagt Grap. „Ich habe immer die Sehnsucht, in lachende Gesichter zu schauen.“ Und genau das tut Lene Wink beim Interview in diesem Moment. Gute Chancen also, dass es Grap auch von der Bühne aus gelingt.