Interview

Ein Mann wie ein Hubschrauber

Henning Baum ist für seine Rolle in „Der letzte Bulle“ bekannt. Jetzt beweist der 41-Jährige, dass er auch Kinderfilm kann

Eigentlich ist Henning Baum mit seiner außergewöhnlichen Stimme perfekt als Synchronsprecher geeignet. Dennoch leiht der Hauptdarsteller aus der Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“ erst jetzt zum ersten Mal einer Rolle seine Stimme: dem Rettungshubschrauber „Blade Ranger“ in dem Disney-Film „Planes 2“. Wir haben mit ihm über seinen Lieblingsfilm „Aristocats“, Verkleidungen und seine Idole Heinz Hoenig und Ed Harris gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Ihre erste Synchronrolle ist die des Rettungshubschraubers „Blade Ranger“ im Animationsfilm „Planes 2“. Ein interessanter Einstieg ins Business.

Henning Baum:

Naja, da hat sich jemand bei Disney gedacht: „Der passt doch ganz gut, der Baum.“ Ich habe das Angebot sehr gern angenommen. Der Charakter ist ja immerhin ein interessanter, sehr komplexer Typ.

Erzählen Sie ein bisschen von der Figur!

„Blade Ranger“ ist so etwas wie der Mentor der Hauptrolle, dem kleinen Rennflieger „Dusty“, der sich nach einem Getriebeschaden komplett neu orientieren muss. Und auch wenn es sich hier um einen Animationsfilm handelt, ist klar, dass es solche Menschen, solche Rettungshubschrauber, auch im echten Leben gibt.

Was meinen Sie damit?

Menschen wie „Blade Ranger“ stutzen einem die Flügel, wenn man meint, man könnte das Leben im Handstreich nehmen. Aber sie helfen dir auch auf die Sprünge, wenn etwas schief gelaufen ist.

Kennen Sie das in Ihrem Beruf auch? Sind Sie mal in die Rolle eines Mentors geschlüpft?

Ich persönlich würde mich da immer zurücknehmen. Aber klar, wenn jemand meinen Rat haben möchte, gebe ich ihm einen. Das ist bei mir ja auch immer so gewesen.

Wer war oder ist Ihr Mentor?

Ich habe vor zwei Jahren einmal mit dem großen Heinz Hoenig drehen dürfen. Ich verehre ihn und halte ihn für einen der größten deutschen Schauspieler. Kaum einer hat diese Energie, die er mit seiner Arbeit verkörpert. Und mit ihm zusammen zu arbeiten, mit ihm über die Arbeit zu sprechen, war für mich eine große Bereicherung.

„Blade Ranger“ wird im Original von Hollywood-Star Ed Harris gesprochen ...

Das fand ich so super! Ich habe es aber erst erfahren, als ich schon fast mit der Arbeit durch war. Ich finde, auch er ist ein ganz toller Schauspieler, zu dem ich immer aufgeschaut habe. Der in seiner ganzen Persönlichkeit ein sehr inspirierender Kollege ist.

Welcher ist Ihr Lieblings-Disney-Film?

„Dschungelbuch“ habe ich später erst gesehen, genau wie „Cinderella“. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir aber „Aristocats“. Den habe ich in den 70er-Jahren im Kino gesehen. Der war super.

Obwohl „Dusty“ ja die eigentliche Hauptrolle ist, hat „Blade Ranger“ auch eine sehr spannende Entwicklung hinter sich ...

Oh ja, er ist ein gebrochener Charakter. Ein Actionfilm-Star, der auch eine Krise erlebt hat. Und jetzt geht er voll in seiner Rolle auf und kämpft als Rettungshubschrauber um Leben und Tod.

Ein Held also, so wie Polizisten und Feuerwehrmänner ja gern angesehen werden. Besonders von Kindern. Wollten Sie früher auch mal so ein Held sein?

Ich habe als Kind Räuber und Gendarm gespielt. Rettungshubschrauber-Pilot war jetzt nicht meine erste Wahl, aber natürlich eine spannende Sache. Man hat mal dies, mal das toll gefunden. Ritter, Cowboy, Zorro, Yedi-Ritter. Was man halt so spielt.

Sie sind also schon immer gern in andere Rollen geschlüpft?

Ich glaube, das Reindenken in andere Charaktere ist Teil der Kindheit. Als Erwachsener wird das weniger, wenn, dann kann man das durch andere Kleidung machen. Oder es eben professionell betreiben wie wir als Schauspieler zum Beispiel. Körper, Gestalt, Aussehen wird so verändert, dass man ein komplett anderer Mensch ist.