Gastronomie

Ein Bayer im Exil

Zu Besuch in Berlin: Der Sternekoch Alfons Schuhbeck kocht im „Little Green Rabbit“ an der Jägerstraße

Mit Berlin hatte Alfons Schuhbeck bisher wenig zu tun. Im Chiemgau wurde der Sternekoch geboren und verwandelte in den 80er-Jahren das „Kurhausstüberl“ in Waging am See von einem Dorfgasthaus in ein Spitzenrestaurant. In München versorgt er die Gesellschaft in den Läden und Restaurants seiner „Schuhbecks am Platzl GmbH“ seit den 90er-Jahren mit Haute Cuisine, Gewürzen, Eis, Tee, Schokolade und Würstl. Nebenbei bekocht er die Mannschaft des FC Bayern. Gastronomische Ausflüge in die Hauptstadt? Dazu hielt der 65-Jährige bislang Sicherheitsabstand.

Am Mittwoch machte Schuhbeck jedoch eine Ausnahme und stellte sich für einen Tag an einen preußischen Herd – genauer gesagt an den im „Little Green Rabbit“ an der Jägerstraße am Gendarmenmarkt in Mitte. Ihn hatte der Ruf aus der Salatbar von Frank Staiger bis ins ferne Bayern ereilt. „Ein Freund hat mir davon erzählt, also habe ich beschlossen, mir das aus der Nähe anzuschauen“, so Schuhbeck. „Ich finde es toll, wie hier auf kleinstem Raum Gesundes hergestellt wird.“

Genau diese Idee hatte Frank Staiger zur Eröffnung seines Lunch-Restaurants im Kopf. „Ich wollte schon immer etwas Nachhaltiges machen“, sagt der gebürtige Tübinger, den es vor zehn Jahren nach Berlin gezogen hat. „Ich habe 15 Jahre lang als Hotelfachmann gearbeitet und gesehen, dass im Ausland das Konzept vom schnellen, frischen, regionalen und gesunden Businesslunch sehr gut funktioniert.“ Also kündigte er seinen Job und wagte den Schritt in die Selbständigkeit. Mit seiner Frau – und mit Erfolg. Das „Little Green Rabbit“ läuft laut Inhaber.

Ganz zufällig ist Alfons Schuhbeck auch nicht da an diesem Tag: Er verfolgt in München gerade ein ganz ähnliches Konzept. „Bei mir am Platzl gibt es jetzt Schuhbeck to go“, wirbt der Gastkoch. Schnelle, gesunde Gerichte für den Businessmenschen, mit viel Gemüse. „Viele Leute wissen gar nicht, wie sie sich gesund ernähren sollen. Ich sage deshalb immer: Bunt hat alles.“

An diesem Mittwochnachmittag hat er ein Thaicurry aus Bayern mitgebracht. Alternativ gibt es auch Trüffelpasta oder eine Tomatensuppe nach Sternekoch-Art. Vegetarische Kost, die auch bei Alfons Schuhbeck keine Randnotiz mehr zu sein scheint: „Wichtig ist es, ausgewogen zu essen. Ich verwende deshalb viele Kartoffeln und Bohnen als Lieferanten von gesunden Kohlenhydraten.“

Die Berliner sehen den Besuch Schuhbecks am Mittwoch relativ gelassen. Ungewohnt wirkt der Aufbau mit Inhaber und Sternekoch sowie Kochstation vor dem Restaurant an der Jägerstraße schon – aber das Essen schmeckt.

Und auch Alfons Schuhbeck scheint sich auf dem ungewohnten Terrain, im sonst fremden Berlin wohlzufühlen. Vielleicht lässt er sich in Zukunft ja doch zu einer Dependance an der Spree hinreißen. Es böte sich das ehemalige „Margaux“ von Ex-Sterne-Kollege Michael Hoffmannan, ein paar Meter weiter. Das noch immer frei steht – und auf Besucher wartet.