Beatsteaks

„Wir sind wie Brüder“

Seit beinahe 20 Jahren und acht Alben schreiben die Beatsteaks Berliner Musikgeschichte

Sie sind neben Die Ärzte und Seeed eine der größten Bands, die Berlin in den vergangenen drei Jahrzehnten hervorgebracht hat: In dieser Woche ist das achte Studioalbum erschienen, das den Namen der Gruppe – „Beatsteaks“ – trägt. Im kommenden Jahr feiern die fünf Musiker ihr 20-jähriges Jubiläum. Dabei stand die Zukunft der Band nach dem schweren Sturz von Drummer Thomas Götz, bei dem sich dieser im August 2012 einen Schädelbruch zuzog, ernsthaft auf der Kippe. Ein Gespräch auf der Spree mit Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Gitarrist Peter Baumann über Vergänglichkeit, Rückblicke und die kommenden 20 Jahre.

Berliner Morgenpost:

Warum haben Sie erst jetzt ein Album nach der Band benannt?

Wir hatten mehrere Namen, aber keiner war gut genug. Also haben wir gedacht, ist es jetzt endlich an der Zeit, ein Album so zu nennen, wie wir uns fühlen. Nämlich: Kein Name ist gut genug.

Peter Baumann:

Die Musik war schon da, das kam alles ganz natürlich raus, und wir wollten dann nicht einen Kunstnamen erfinden, wenn in einer bestimmten Zeit einfach keiner kommt. Also heißt die Platte einfach so wie wir heißen. Dahinter steckt kein Konzept oder die Erkenntnis, dass wir uns jetzt endlich gefunden hätten. Es hat sich ganz einfach so ergeben.

Was haben Sie seit dem letzten Album gemacht?

Teutoburg-Weiß:

„Boombox“ ist jetzt drei Jahre her, das ist gar nicht eine so lange Zeit. Vor allem für eine Band, die erwachsen ist, Familie hat und tourt. Wenn ich mir überlege, dass unser Drummer in dieser Zeit böse aufs Maul gefallen ist und wir eine Doppel-Live-DVD veröffentlicht haben. Ich war gerade zwei Wochen im Urlaub, und das war es schon. Für mich fühlt es sich so an, als wäre nicht viel Zeit zwischen „Boombox“ und heute vergangen.

Baumann:

Wir mussten uns ein bisschen erholen von dem Unfall von Thomas. Das hat ein paar Schalter umgelegt und uns bewusst gemacht, dass alles vergänglich ist und dass man sich ein bisschen weniger über Quatsch streiten sollte und sich auf das konzentrieren sollte, was wirklich wichtig ist. Vielleicht ging es deshalb auch zügiger im Studio, weil wir uns die unnötigen Diskussionen gespart haben.

Gab es nach dem Unfall den Gedanken, dass es mit der Band vorbei sein könnte?

Baumann:

Wenn es mit Thomas vorbei gewesen wäre, wäre es auch mit der Kapelle vorbei gewesen. Es gab ein paar Wochen, in denen das sicher jedem von uns durch den Kopf gegangen ist. Wir haben darüber nicht viel geredet, aber ich denke, da hat sich jeder seine Gedanken gemacht.

Das war das einzige Mal in 20 Jahren?

Baumann:

Es gab natürlich mal Streitereien, wo man dachte, ich schmeiße jetzt alles hin. Aber nicht so in letzter Konsequenz.

Ihr letztes Album beschreiben Sie im Vergleich zum melancholischen Vorgänger als leichter. Wie ist dieses Mal der Charakter der Platte?

Teutoburg-Weiß:

Ich vergleiche Alben gern mit Filmen. „Limbo Messiah“ war „Apocalypse Now“, „Boombox“ war „Forrest Gump“, und das hier ist „Shining“. „Shining“ konzentriert auf eine halbe Stunde. Ich finde die Platte ziemlich derbe. Sie ist ziemlich unproduziert. Man hört einfach eine Band in einem Raum. Das kommt direkt aus dem Bauch, sehr geradeaus. Wir wollten, dass einen das aus den Boxen direkt auf die Nase haut. „Boombox“ ist viel regenbogenmäßiger.

Sie feiern im kommenden Jahr 20-jähriges Band-Jubiläum. Melancholisch?

Teutoburg-Weiß:

Manchmal wird man schon ein bisschen melancholisch. Wenn wir zusammen im Tourbus sitzen, quatschen, jemand alte Fotos rausholt und wir uns die Sachen von früher anhören. Und dann merke ich, ich bin total stolz auf unsere kleine Rabaukentruppe.

Baumann:

Die größte Zeit meines Lebens habe ich mit der Kapelle verbracht, das hätte ich nie gedacht. Das war nie der Plan, das ist einfach passiert. Und da freut man sich, weil das sehr selten ist, dass fünf Leute so lange zusammenbleiben.

Wie würden Sie heute Ihr Verhältnis zueinander beschreiben?

Teutoburg-Weiß:

Wir sind wie Brüder. Wir kabbeln uns, aber wir sind Brüder.

Gibt es im Rückblick den einen, schönsten Moment?

Teutoburg-Weiß:

Die kommen immer wieder. Die schönsten Momente sind es, wenn Träume in Erfüllung gehen. Wenn man ein Ziel hat, dafür arbeitet und das dann erreicht.

Baumann:

Ich hoffe, es kommen noch ein paar solcher Momente, wo man denkt, das gibt es doch gar nicht. Dafür lebt man ja auch. Wenn wir daran nicht mehr glauben würden, wären wir jetzt schon auf dem absteigenden Ast.

Gibt es eine Deadline, oder wollen Sie so lange auf der Bühne stehen, wie es geht?

Teutoburg-Weiß:

Mein Ziel ist es, kein Ziel zu haben. Ich will nur im Hier und Jetzt leben, Dinge so lange tun, wie wir Spaß haben. Aber das ist natürlich auch unser Beruf, da hört man nicht einfach auf, wenn man keine Lust mehr hat. Schließlich ernähren wir eine Menge Leute. Darauf sind wir auch total stolz.

Baumann:

So lange es sich gut anfühlt, machen wir uns keine Gedanken darüber, ob jetzt der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist.

Teutoburg-Weiß:

Ein Kumpel von mir war gerade bei den Rolling Stones und im Vorfeld sehr skeptisch. Und danach war er total geflasht. Von einer Sache kann man auf jeden Fall ausgehen, wenn wir mit 70 noch auf der Bühne stehen, dann kosten die Karten keine 300 Euro.