Wechsel

Hotel Adlon bekommt neuen Direktor

Oliver Eller verlässt Berlin in Richtung Russland. Emile Bootsma aus Budapest übernimmt

Vergnügt klingt er am Telefon. „Es geht mir prima“, sagt Oliver Eller, „ich freue mich auf unser Sommerfest.“ Dem Nachwuchs gehe es ebenfalls gut. Und was die Zukunft anbelange? Ja, da sei man sehr optimistisch. Auch, wenn es jetzt alles sehr schnell gehen würde.

Oliver Eller wird das Hotel Adlon in knapp drei Wochen verlassen. Der Geschäftsführende Direktor folgt dem Ruf der Kempinski-Gruppe unter Vorsitz von Reto Wittwer nach Moskau. Am 18. August übernimmt er die Führung des „Hotel Baltschug Kempinski“. In dem momentan noch ein Exil-Berliner wirkt. Der Vorgänger von Oliver Eller, Stephan Interthal, Direktor des Adlon bis 2010, wird Moskau verlassen – und nach Ungarn gehen. Aus Ungarn wiederum wird der Direktor des „Kempinski Hotel Corvinus Budapest“, Emile Bootsma, nach Berlin kommen. Ein großer Wechsel in den wichtigsten Häusern der Gruppe.

Der gebürtige Niederländer Bootsma wird am 1. September in der Hauptstadt beginnen. Zwölf Tage wird das Hotel Adlon so ohne einen Direktor sein. Über eine Interimsführung wie damals beim Weggang von Stephan Interthal, als dessen Vorgänger Gianni van Daalen kurzfristig eingesprungen war, dürfte und sollte noch nachgedacht werden. Dass der 40-jährige Emile Bootsma Berlin übernehmen wird, überrascht Fachkreise. Sicher sei er ein Kenner seines Fachs, in den Niederlanden gestartet, über Südafrika bis ins „Hotel Vier Jahreszeiten“ nach München und schließlich bis nach China gelangt, spricht fließend deutsch und wird von ehemaligen Kollegen, wie seinem Vorgänger in Budapest, Marcus van der Wal, für seine Bodenständigkeit und realitätsnahen Sichtweisen geschätzt. Und dennoch: In Berlin, im Adlon, hat er nie gewirkt, das Netzwerk, der Rückhalt werden ihm fehlen.

„Es ist wichtig, dass unsere Hoteldirektoren in regelmäßigen Abständen in neue Häuser gehen“, sagt Duncan O‘Rourke, Chief Operating Officer von Kempinski, „nur so verlassen sie eingetretene Pfade, erhalten sich ein offenes Auge und schärfen den Blick für potenzielle Verbesserungen.“ Ob derjenige nun tatsächlich neue Herausforderungen annehmen soll – oder mit einer niedrigeren Position, einem unwichtigeren Haus „bestraft“ werden soll, steht in dieser Antwort nicht geschrieben. Doch Oliver Eller wird Berlin nicht verlassen müssen, weil er dem Haus Misserfolg beschert hätte, sondern weil er Moskau den Erfolg bringen soll.

Das Haus am Pariser Platz zählt zu den erfolgreichsten Fünf-Sterne-Häusern der Hauptstadt, mit einer Durchschnittsbelegung von über 80 Prozent. Seit Eller da ist. Intern wird von dreistelligen Millionenverlusten seitens der Vorgänger Ellers gesprochen – seit der heute 47-Jährige das Adlon leitet, bewege es sich erstmals in der Gewinnzone. Zudem sind die Zimmerraten stabil, im Vergleich zu anderen Fünf-Sterne-Häusern, die ihre Zimmer momentan zu Dumpingpreisen von 74 Euro pro Nacht anbieten, sind Preise von über 200 Euro Luxus für Berliner Hotelwirtschaftsverhältnisse. Weitere Erfolge Ellers: Er hat das Lorenz Adlon Esszimmer mit Hendrik Otto zu zwei Sternen geführt und den Weg für einen dritten geebnet und er übernahm das ehemalige „Ma“ an der Rückseite des Hauses sowie den Adlon Day Spa von der Adlon Holding von Anno August Jagdfeld. Ein idealer Käufer und Verkäufer sei er – und stets scharre er die erfolgreichsten Mitarbeiter um sich, heißt es. 2013 wurde er zum „Hotelmanager des Jahres“ gewählt.

Nun wird er in Moskau nicht nur das Baltschug übernehmen, sondern für alle Häuser Russlands verantwortlich sein. Mit seiner zweiten Frau Svetlana, einer gebürtigen Russin, wird er Berlin gemeinsam verlassen. Erst vor kurzem brachte sie sein zweites Kind zu Welt, noch wohnen sie im Adlon. „Auch ich bin nur Angestellter“, hatte Eller bei einem früheren Treffen einmal gesagt. Und so folgt er dem Ruf seiner Arbeitgebers. „Am Dienstag, bei unserem Sommerfest, stelle ich aber erst einmal meinen Nachfolger vor“, sagt Oliver Eller noch am Telefon. Da wolle man gemeinsam auf die Zukunft anstoßen. Ganz vergnügt.