Musik

Mit Berlin in Bayreuth

Die 103. Richard-Wagner-Festspiele am Grünen Hügel sind eröffnet. Mit einer Panne zu Beginn – sowie Gästen und Ideen aus der Hauptstadt

Eine Panne auf der Bühne hat den Auftakt der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth unterbrochen. Alle Zuschauer wurden am Freitag aus Sicherheitsgründen nach etwa 20 Minuten für 30 Minuten aus dem Saal geschickt. Darunter Gesundheitsminister Hermann Gröhe, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, Bundesaußenminister a. D. Hans-Dietrich Genscher, die Berliner Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der US-amerikanische Botschafter John B. Emerson, Filmproduzent Oliver Berben, Moderatorin Sandra Maischberger und Sopranistin Eva Lind sowie die ehemaligen und amtierenden bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Günther Beckstein und Horst Seehofer. Bei der Aufführung der Oper „Tannhäuser“ habe es zwei Mal geknallt und Stöcke seien aus einem beweglichen Käfig des Bühnenbildes gebrochen.

Das eigentliche Thema in Bayreuth am Freitag war dennoch: die Neuigkeiten aus Berlin. Nach Frank Castorfsumstrittener Inszenierung des „Rings der Nibelungen“ soll der Intendant der Komischen Oper, Barrie Kosky, eine Neuproduktion auf die Festspielbühne bringen. „Es ist uns gelungen, den renommierten Opernregisseur Barrie Kosky für die Neuinszenierung von ‚Die Meistersinger von Nürnberg’ 2017 zu gewinnen“, sagte Festspiel-Leiterin Katharina Wagner dem „Nordbayerischen Kurier“ zuvor. Kosky beschreibt seine Beziehung zu Wagner als kompliziert, erkennt Antisemitismus in den Stücken und verzichtet in Berlin auf Wagner-Opern.

Castorf kritisierte am ersten Festspieltag die Umbesetzung eines Sängers und Versuche, Einfluss zu nehmen auf seine Inszenierung. „Ich drohe nicht, aber ich sage, was sich nicht gehört“, sagte der Intendant der Berliner Volksbühne. Katharina Wagner wiederum deutete an, manche Opernfreunde könnten Bayreuth wegen Castorfs stark kritisiertem „Ring“ gemieden haben. Auf die Frage, ob viele Besucher keinen dekonstruierten „Ring“ sehen wollten und deshalb lieber woandershin gefahren seien, antwortete Wagner: „Das kann auch sein, das will ich nicht ausschließen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich den „Ring“ nach Festspiel-Angaben in diesem Jahr jedoch zu Ende anschauen. Das habe sie 2013 nicht geschafft. Zur Eröffnung wurde die Kanzlerin wie zahlreiche andere Prominente allerdings nicht erwartet, „aus terminlichen Gründen“, wie ein Sprecher sagte. Insgesamt erwarten die Festspiele 58.000 Zuschauer zu 30 Opernaufführungen bis zum 28. August. Neben dem „Ring“ und dem „Tannhäuser“ stehen „Der fliegende Holländer“ und „Lohengrin“ auf dem Spielplan. Außerdem wird der „Tannhäuser“ in der umstrittenen Inszenierung von Sebastian Baumgarten am 12. August erstmals live bundesweit in Kinos übertragen.

Wie das Publikum im zweiten Jahr auf Castorfs Inszenierung reagieren wird, die 2013 bei den Zuschauern komplett durchfiel, ist in diesem Jahr ohne Neuproduktion eine weitere spannende Frage in Bayreuth. Nach dem vierten Teil, der „Götterdämmerung“, wurde Castorf eine Viertelstunde lang ausgebuht, Dirigent Kirill Petrenko wurde dagegen frenetisch gefeiert. 2,23 Millionen Euro lässt sich der Bund das Opernspektakel in diesem Jahr kosten. Außerdem beteiligt sich der Bund mit zehn Millionen an der Sanierung des Festspielhauses und mit 3,5 Millionen an der Neugestaltung des Richard-Wagner-Museums. Die Wagner-Festspiele seien schließlich „beinahe so etwas wie ein Aushängeschild unserer Kulturnation“, sagte Monika Grütters. Trotz der Investitionen in Bayreuth sollen sich die Sänger künftig jedoch auch andernorts vorstellen. So wie der gebürtige Berliner und Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann. Dieser habe als musikalischer Berater nur während der Festspielzeit selbst eine größere Anwesenheitspflicht, sagte der kaufmännische Festspieldirektor Heinz-Dieter Sense. „Die Vorsingen werden auch nicht mehr alle in Bayreuth stattfinden können, sondern vielleicht auch mal in Dresden oder Berlin“, sagte Sense.