Stilfrage

Auf den Hut gekommen

Cordula Schmitz über modische Gründe und Sünde

Mitten in der Hutabteilung. Ein sicheres Pflaster zu dieser speziellen Zeit, den ein Kopf kann ja noch nicht mal eingebildet „zu fett“ sein. Und dann kommt der Verkäufer auf mich zu, setzt mir eines dieser federleichten Ungetüme auf das schlanke Haupt und sagt: „Mademoiselle, Sie haben ein Hutgesicht. Sie können alles tragen.“ Dass dies ein zweifelhaftes Kompliment war, darüber sind wir uns einig. Aber mein „Hutgesicht“ könnte in der nächsten Saison ein echter Trumpf sein. Denn: Auf den Haute-Couture-Schauen in Paris sah man auf den Laufstegen und in den Zuschauer-Reihen der Schauen immer mehr: Hüte!

Besonders auffällige Modelle gab es bei Jean Paul Gaultier, Maison Martin Margiela und Armani Privé. Auf den Laufstegen dominierten fantasievolle, luftige Entwürfe mit viel Netz vor dem Gesicht. Bevor Sie jetzt sofort losrennen, um sich einen zu kaufen: Hüte sind trotz allem eine schwierige Angelegenheit.

Generell abzuraten ist von den „Kunstwerken“. Niemand sieht gut aus, der einen Mini-Billardtisch auf dem Kopf trägt, wie kürzlich in Ascot gesehen. Einzige Ausnahme: Ihr Modell ist aus dem Hause Elsa Schiaparelli. Dort kann man auf eine lange Tradition zurückblicken und trug schon in den 20er-Jahren sehr gekonnt die Abwandlung eines Pumps als Hut. Ein weiteres Warnsignal, an das man sich halten sollte: Kann man in Zusammenhang mit ihrem Wunschmodell das Wort „keck“ verwenden? Dann runter mit dem Ding. Wagenradgroße Modelle können bei einer schlanken Silhouette durchaus ihre Wirkung erzielen. Bedenken Sie aber, dass herzliche Begrüßungen schwierig sind. Ein kleines Geheimnis, das mir mal eine Adelige verriet: Dies ist der Grund, weshalb dieser Hut gern von den Royals getragen wird. So lässt sich die unerwünschte Verwandtschaft bei offiziellen Terminen auch vom Hals halten. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich eine Kreation von Giorgio Armani wählen. Er besitzt das Talent, Kleidung dramatisch und elegant zugleich wirken zu lassen. „Ein Armani-Kleid gibt dir weder Unsicherheit noch Zweifel“, sagte schon Sophia Loren. Das Gleiche gilt für die Hüte. Und französische Hutverkäufer.