Golfgeflüster

Vom gekauften Glück im Spiel

Petra Götze über Handicaps und Häppchen

Golfer gelten als kapitalkräftige Zeitgenossen und sind daher heiß begehrt – nicht nur bei Anbietern von Oberklasse-Fahrzeugen, Kreuzfahrten und edlen Tropfen, sondern auch als großzügige Spender. Und so hat sich selbst die Arbeiterwohlfahrt dem Thema Golf genähert und zum dritten Mal zu einem Benefiz-Golfturnier nach Prenden eingeladen. Da die Vorsitzende von AWO International, Ute Wedemeier und ihr Mann Klaus, Ex-Bürgermeister von Bremen mit Zweitwohnsitz in Berlin, selbst Golf spielen, wissen sie auch genau, wie man Golfern neben Startgeld und Spende noch mehr Geld entlockt: durch den Verkauf von Mulligans. So werden Wiederholungsschläge genannt, die man nach einem missglückten Schlag macht. Der Name geht wohl auf einen irischen Golfer, Mr. Mulligan, zurück, der am Abschlag so betrunken war, dass er immer erst den zweiten Ball traf. In Privatrunden werden Mulligans gern für verzogene Abschläge genommen, im Turnier sind sie natürlich verboten. Die strengen Golfregeln wurden aber für den guten Zweck gelockert und Mulligans für fünf Euro pro Stück verkauft. Ein Preis, den viele gern zahlten für die Chance, einen Fehlschlag ungeschehen zu machen. Bei Temperaturen über 30 Grad und furchteinflößendem Rough entschied sich mancher vor dem Start noch eher sparsame Teilnehmer während der Runde dann zum Nachkauf von Mulligans. Bei der Siegerehrung auf der Club-Terrasse sprach die Schirmherrin des Turniers, die ehemalige Gesundheitsministerin und jetzige Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt, als Nicht-Golferin den Teilnehmern ihre Hochachtung aus: „Also, bei diesen Temperaturen fünfeinhalb Stunden über den Platz zu laufen und Bälle zu schlagen, könnte ich mir nicht vorstellen.“ 9000 Euro kamen als Spendenerlös zusammen, um Lernmaterial für das Projekt „Globales Lernen“ anzuschaffen, das Kinder über Produktionsbedingungen und nachhaltigen Konsum aufklärt. Passend dazu gab’s statt Tee-Geschenk für jeden Teilnehmer ein Pfund fair gehandelten Biokaffee aus Nicaragua. Beim Dinner wurden die fleißigen Spender mit Enten-Carpaccio und zartem Kalbsfilet verwöhnt, der große Wanderpokal blieb beim Vorjahressieger, dem Euref-Team um Benjamin Melcher.