Management

Vier gewinnt

Zum Jahreswechsel wurden in Berliner Luxushotels neue Direktoren begrüßt. Im Hotel am Steinplatz, im Hilton am Gendarmenmarkt, im Grand Hyatt und im Waldorf Astoria. Ein Besuch nach der Probezeit

Die Gebürtige

Das seien noch Zeiten gewesen, sagt Gisela Münchgesang. Sie schaut aus dem Fenster auf den Gendarmenmarkt. Damals, in den 90ern, als Gäste wie Helmut Kohl, Prince oder Robbie Williams ins Haus kamen. „Auf dem Dom gegenüber standen schreiende Teenies, wir haben Fans aus den Notausgängen geholt, Mütter angerufen, sie mögen bitte ihre Töchter bei uns abholen.“ Es habe sich viel getan.

Vergangenen September ist Gisela Münchgesang nach Berlin zurückgekehrt. Sie hat das „Hilton Berlin“ von Roland van Weezel übernommen. Nachdem die heute 55-Jährige von 1993 bis 1996 bereits als stellvertretende Direktorin des Hauses tätig war, führte sie ihr Weg zunächst nach Kanada, in die USA, nach Zypern, Ungarn, Großbritannien und Mauritius. „Ich bin sehr froh, hier jetzt angekommen zu sein“, sagt Gisela Münchgesang. Schließlich sei sie Zehlendorferin. Und obwohl sie aufgrund der Nähe zur Arbeit nach Tiergarten gezogen sei, treffe sie sich regelmäßig mit ihren Freundinnen von damals im alten Kiez. „Und gemeinsam erleben wir das neue Berlin“, sagt Gisela Münchgesang.

Der Begeisterte

Fantastisch sei es. Benno Geruschkat sitzt an einem Tisch im „Vox“ und schwingt begeistert die Hände, während er redet. Man habe ihn herzlich begrüßt, das Team funktioniere, und er genieße das vielfältige Angebot der Stadt sowie den Kiez in Charlottenburg. Dorthin sei er ganz bewusst mit seiner Frau und den drei Kindern gezogen. „Berlin ist so großartig, wie ich es erwartet habe.“

Benno Geruschkat ist seit Herbst 2013 Generaldirektor des „Grand Hyatt Berlin“ sowie Regionalleiter für alle Hyatt-Hotels in Deutschland und Polen. Nach Stationen in Köln, Mainz und Amman hat der 46-jährige Mühlheimer die Position des Direktors am Potsdamer Platz von Fred Hürst übernommen. Den er bereits lange kennt. Geruschkat zieht ein vergilbtes Blatt Zeitungspapier aus der Jacketttasche. Es ist ein Bericht aus dem „Express“ von 1991. Über eine Aktion des Kölner Hyatt. Ein Mitarbeiter ist ausgelost worden, einen Tag mit dem Hoteldirektor zu tauschen. Es hat Benno Geruschkat getroffen, der zu dieser Zeit als Koch unter Hürst arbeitete. „Damals wie heute waren das große Fußstapfen“, sagt Benno Geruschkat. „Aber: Mit diesem Team hier funktioniert es fantastisch.“

Der Charmeur

Besorgt blickt ihr Gregor Andréewitch ins Gesicht. „Sie haben sich verkühlt?“, fragt er. „Es geht schon“, antwortet Karin Pollinger. Andréewitch zögert, schaut erneut, dann fährt er mit der Führung durch den Spa-Bereich in Anwesenheit der Managerin fort. „Danke, Karin“, sagt er am Ende. Er nickt dabei, bedankt sich ein zweites Mal mit seinem Blick.

Gregor Andréewitch ist seit Oktober 2013 Direktor des „Waldorf Astoria Berlin“. Nach Stationen in Chicago, London und Japan hat der Österreicher die Position von Friedrich W. Niemann übernommen. Keine ganz leichte, nach Eröffnungsverzögerungen, Niedrigzimmerpreisen und kritischem Fernsehreport über die Löhne der Zimmermädchen in dessen Zeit. „Sein Weggang war ein ganz normaler Wechsel“, beschwichtigt Andréewitch. Er habe sich dennoch folgende Ziele gesetzt: Umsatz steigern, Gästen ein Erlebnis bieten – und dem Haus den Ruf geben, ein Superplatz zum Arbeiten zu sein. „Das ist er nämlich, ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt Andréewitch. Besorgt blickt er dabei nicht.

Die Liebhaberin

Ihr Highlight ist der Mitarbeiter-Eingang. Iris Baugatz steht unter wellengeformter Decke hinter der hohen Spitzbogen-Tür und staunt. Auch nach 14 Monaten noch. „Es macht einfach Spaß, in einem Haus mit Geschichte zu arbeiten“, sagt sie. „Und es gibt unendlich viele, die es hätten machen können – ich freue mich unglaublich, dass ich es geworden bin.“

Iris Baugatz ist im April 2013 nach Berlin gekommen. Mit Team und Investitionsvolumen von 32 Millionen Euro eines mongolischen Unternehmers hat die heute 39-Jährige aus Bergisch-Gladbach die Aufgabe übernommen, das „Hotel am Steinplatz“ als Direktorin neu zu eröffnen. Der vom Hackesche-Höfe-Architekten August Endell geplante Jugendstilbau aus dem Jahr 1907 galt viele Jahrzehnte unter Familie Zellermayer als Treffpunkt. Zarah Leander, Vladimir Nabokov, später Brigitte Bardot, Luciano Pavarotti, Romy Schneider kamen regelmäßig. Bis 1976, dann folgten das Dasein als Seniorenheim und Leerstand. Unter der Führung von Baugatz’ Arbeitgeber Marriott soll es zurück zu alten Zeiten finden. „Dieses Haus hat es so verdient“, sagt Iris Baugatz.