Mittag mit

Frank Bielka

Jede Woche trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch.

Heute: Frank Bielka, Ex-Bezirksbürgermeister von Neukölln und Degewo-Vorstandsmitglied, im Savoy. Es gibt: Schollenfilet.

Noch Lust auf Fisch beim Thema Tempelhof?

Dazu könnte ich eine gute Stunde etwas sagen. Ich finde die Entscheidung schade. Weil es preisgünstige Wohnungen im inneren Ring von Berlin in diesem Umfang so nun nicht mehr geben wird.

Die dort geplanten Wohnungen sollten nicht wirklich günstig angeboten werden.

Teils, teils. Die Hälfte der Wohnungen sollte bei sechs bis acht Euro liegen. Ein Schnäppchen geradezu. Aber: Es hat nicht sein sollen. Der Wähler hat anders entschieden. Wir werden dort kein Bauherr werden. Dabei gab es bis zu vier Wochen vor der Wahl noch eine Mehrheit für die Randbebauung. Und der Vorschlag für das Feld war sehr moderat.

Der Denkzettel für Wowereit?

Ich glaube, da spielen mehrere Sachen zusammen. Sicher auch die Frage Wowereit und Regierung. Dazu kommt, dass das Feld zu lange liegen geblieben ist nach der Schließung. So ist es nun so angeeignet, wie es ist.

Vielleicht hatten die Wähler auch Sorge, was Berlin letztlich daraus macht. Die städtebauliche Planung der letzten 60 Jahre lässt kaum Hoffnung oder Wünsche zu.

Sie müssen sehen, dass Bau auch immer dem Zeitgeist geschuldet ist. Die Gropiusstadt ist so ein Beispiel. Noch in den 50er- und 60er-Jahren hat Berlin Prämien dafür gezahlt, Stuck von den Wänden zu schlagen. Wilhelminisch war nicht gewünscht.

Unfassbar. Haben Sie das damals auch so gesehen – und diese Meinung verstanden?

Da war ich noch zu jung. Und inzwischen kehren wir zu alten Ideen zurück. Ob unsere Nachfahren das wiederum in 50 Jahren schön finden, wissen wir auch nicht.

Wie wohnen Sie eigentlich? Und was machen Sie am 30. September dieses Jahres?

Ich wohne seit über 35 Jahren in einer Genossenschaftswohnung in Britz. Zur Miete. Aber mit Dachausbau, bei drei Kindern brauchten wir mehr Platz als 52 Quadratmeter. Und am 30.9. ist meine Zeit bei der Degewo zu Ende. Aber ich bin nicht der Typ, der Ruhestand genießt. Vielleicht steige ich in die Arbeit bei der Genossenschaft ein, in deren Wohnung ich wohne.